Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

.

Recoins: Was ökologische Währungseinheiten leisten

without comments

Sie gewannen den Ideenwettbewerb „Code_n“ auf der Computermesse Cebit, das Postdamer Startup „Changers.com“. Die Idee: Die Etablierung eines Bezahlsystems mit eigener Währungseinheit, das umweltbewusstes Verhalten belohnt, im Kampf von David (dem Verbraucher) gegen Goliath (den Klimawandel).

Den Jungunternehmern schwebt vor, unser aller Verhalten hin zum Besseren zu verändern. Besser, das heißt in diesem Fall, uns dazu zu bringen, über unseren Energiebedarf und –verbrauch nachzudenken und uns dazu zu ermuntern, sparsamer mit unseren natürlichen Ressourcen umzugehen.

Zu diesem Zweck haben die Gründer die Plattform „Changers.com“ gegründet. Wie funktioniert das Modell beziehungsweise wie wollen die jungen Gründer ihre zugegebenermaßen innovative Idee in die Tat umsetzen? Über leichte, tragbare Solarmodule kann jeder selbst Energie erzeugen und anschließend sein Handy oder Tablet aufladen. Auch Nutzer, die statt mit dem Auto mit dem Rad oder Bus fahren, werden auf der Plattform belohnt.

Es wird dabei gemessen, wie viel CO2 der Nutzer durch sein umweltfreundliches Verhalten eingespart hat. Diese Daten werden auf die Konten der Nutzer gebucht und in die digitale Währungseinheit, die so genannten Recoins, umgerechnet. Für jedes eingesparte Gramm CO2 erhält der Nutzer also ein bestimmtes Kontingent an Recoins, die er dann gegen bestimmte Produkte und Dienstleistungen eintauschen kann. Auf „changers.com“ wird umweltfreundliches Verhalten also mit einem realen Tauschmittel, den „Recoins“ belohnt.

Die Changers setzen auch darauf, den Wettbewerb unter den Plattformnutzern anzufachen. Denn auf der Plattform sind die CO2 Einsparungen eines jeden Users sichtbar und vergleichbar. Wer spart mehr Energie ein? Wer verhält sich vergleichsweise umweltfreundlich und Ressourcen schonend? Auszeichnungen und Ranglisten sollen die Nutzer nicht nur zum Mitmachen, sondern auch zu ständigem Wettbewerb untereinander und Verbesserungen anhalten.

Die Plattformbetreiber setzen gleichermaßen auf Motivation, Wettbewerb und Belohnung. Der große Vorteil des  „Recoin“: Er basiert auf realen Anreizen zu einem umweltkonformen Verhalten. Er erzeugt sauberen Strom quasi als „Abfallprodukt“. Der Recoin ist nachhaltig, Bewusstseins bildend, kurz, er bindet die Menschen ein in die Bemühungen, das Problem „Klimawandel“ offensiv anzugehen.

Kann dieses Konzept aufgehen? Letztlich müssen alle beteiligten Partner gleichermaßen profitieren. Die Unternehmen etwa kaufen Recoins bei der Plattform „Changers“, sie vergeben Credits für CO2-sparende Aktivitäten, sie sind dadurch in der Community sichtbar und können ihre Zielgruppe direkt adressieren. Auch individualisierte Preise lassen sich ausloben oder Promotionen starten. Ganz nebenbei können Unternehmen so auch neue Zielgruppen erreichen und etwas für das Image tun.

Neue Weiterentwicklungen der Bitcoin-Revolution in Form von grünen Währungseinheiten verfolgen somit das Ziel, die Bürger für die globale Energiewende in Bewegung zu setzen. Der Kreativität dieser Idee scheinen zwar kaum Grenzen gesetzt. Das Einsparen von CO2-Emissionen kann durchaus Spaß bereiten.

Aber der Erfolg der grünen Währungseinheit hängt wesentlich davon ab, ob die Gesellschaft insgesamt reif ist für ein neues Denken und Handeln. Das Fernziel der „Changers“, dem Impulsgeber der Recoins, wäre immerhin die Vision einer „smarten“, sprich umweltfreundlichen Innenstadt, mit deutlich weniger Lärmbelastung, Treibhausgasen, Ozonwerten und Feinstaubbelastung.

Written by lochmaier

März 5th, 2015 at 10:19 am

Posted in Uncategorized

„Grüne“ Gründerlust: Wagnis mit vielen Unbekannten

without comments

Um die mit der Energiewende und dem Atomausstieg verbundenen Ziele zu erreichen, sind neue Akteure notwendig. Denn die in der Energiewirtschaft traditionell tätigen Unternehmen – insbesondere die führenden Stromkonzerne – sind kaum in der Lage, auf die veränderten Rahmenbedingungen angemessen zu reagieren.

Deshalb hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWI) eine Untersuchung in Auftrag gegeben, die herausfinden soll, welche Potentiale in jungen Unternehmen aus dem Bereich der erneuerbaren Energien stecken, mit welchen Schwierigkeiten sie sich konfrontiert sehen und wie erfolgreich sie letzten Endes sind (http://www.bmwi.de/DE/Mediathek/publikationen,did=639222.html).

Auf den ersten Blick hat die vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) gemeinsam mit der E-Bridge Consulting GmbH und dem Verband der Vereine Creditreform durchgeführte Untersuchung recht erfreuliche Ergebnisse zutage gefördert. Die Zahl der im Kontext der erneuerbaren Energien aktiven Jungunternehmen hat seit der Jahrtausendwende rasant zugenommen. Insbesondere bei der Energieerzeugung, -verteilung und -versorgung stellen die Experten eine starke Dynamik fest.

Außerdem entwickeln sich die „grünen“ Neugründungen besser als Neugründungen in anderen Marktsegmenten. Sie weisen einen hohen Innovationsgrad auf, erobern Nischen und bringen neue, wirtschaftliche Produkte zur Energiegewinnung auf den Markt. Darüber hinaus generieren sie schon früh nennenswerte, sprich größere Umsätze – und die grünen Startups zeichnen sich durch ein geringeres Ausfallrisiko als Jungunternehmen aus, die nicht im Bereich der erneuerbaren Energien tätig sind.

Allerdings ist auch hier nicht alles Gold was glänzt. Das Potential, das in den „grünen“ Neugründungen ganz offensichtlich steckt, kann sich oft nur schwer oder auch gar nicht entfalten. Die ohnehin schon mutigen Gründer sehen sich tagaus tagein mit vielfältigen Schwierigkeiten konfrontiert. Grundsätzlich scheitern grüne Gründungen aufgrund des höheren Kapitalbedarfs, längeren Entwicklungszeiten und unübersichtlichen Zielmärkten deshalb oft schon in der ersten Phase.

Zunächst machen den grünen Gründern zwischen Lust und Frust oftmals unklare rechtliche und politische Rahmenbedingungen das Leben schwer. So berichten sie beispielsweise von Schwierigkeiten schon bei der Gründung ihrer Unternehmen. Häufig sind die Genehmigungsbehörden mit ihren Anliegen überfordert, da sie es hier mit neuen Aktivitäten zu tun haben, die Wege erfordern, die diese noch nicht kennen.

Zudem berichten die „grünen“ Gründer häufig von Schwierigkeiten bei der Finanzierung ihrer Vorhaben. Der Finanzierungsbedarf ist gerade in der Gründungsphase vergleichsweise hoch. Nicht selten bedarf es größerer Investitionen in die zunächst schwer einzuschätzenden Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten. Die benötigten Finanzierungsmittel bekommen sie daher oft nur, wenn sie den entsprechend hohen Finanzierungsanforderungen auch gerecht werden können. Auch für den Investor sind die grünen Startups nur dann ein lohnenswertes Ziel, wenn es nicht darum geht, schnell erfolgreich Kasse zu machen.

Und offensichtlich bleiben diese Schwierigkeiten nicht ohne Folgen. Die Forscher fanden nämlich auch heraus, dass die Gründungsdynamik im Bereich der erneuerbaren Energien zuletzt stark eingebrochen ist. Kurz: Seit 2010 hat sich die Zahl der „grünen“ Neugründungen halbiert. Doch wie konnte es soweit kommen? Was hat sich in den letzten Jahren verändert, so dass der Drang nach „grünen“ Gründungen derart stark abgebremst wurde? Die Experten führen den Einbruch auf die zwischenzeitliche Laufzeitverlängerung für Kernkraftwerke, die zuletzt schier endlosen Diskussionen um die Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) und – nicht zu vergessen – die Krise in der (deutschen) Solarindustrie zurück.

Vor diesem Hintergrund muss der Dämpfer „grüner“ Innovationsfreude also keineswegs überraschen. Denn Pioniergeist und Unternehmertum brauchen langfristig verlässliche Rahmenbedingungen. Wie sollen die „grünen“ Jungunternehmer denn etwas wagen, wenn die politischen und finanziellen Umstände vor allem dazu führen, die ohnehin schon unsichere Situation noch weiter zu erschweren?

„Grüner“ Gründergeist wird sich also nur innerhalb eines  einigermaßen stabilen finanziellen und politischen Rahmens entfachen lassen. Ohne Maßnahmen, die geeignet dazu sind, Planungssicherheit herzustellen, wird es nicht nur an der Gründungslust, sondern auch an geeigneten Investoren und Geldgebern fehlen. Wenn die Bundesregierung die Energiewende auch weiterhin mittels innovativer Ideen und intelligenter Lösungen von Startups vorantreiben will, dann wird sie den „grünen“ Gründern gleichermaßen klare und verlässliche Rahmenbedingungen bieten müssen.

Vielleicht braucht es auch noch zusätzlichen Rückenwind durch einen maßgeschneiderten und längerfristig angelegten Masterplan für die Förderung grüner Startups, an der Schnittstelle zwischen Wirtschaft, Forschung und Politik. Derartige Wachstumsspritzen sollten allerdings jenseits billiger Subventionsgeschenke nicht mit der Gießkanne verteilt werden, denn nur auf den Stärken der deutschen Industrie und der unzähligen kleinen bzw. mittelständischen Unternehmen kann eine „grüne Innovationskultur made in Germany“ wirklich gedeihen.

Written by lochmaier

Januar 21st, 2015 at 10:31 am

Posted in Uncategorized

Fintechs: Das neue Ökosystem der Banken

without comments

In der aktuellen und vorigen Printausgabe der Fachzeitschrift “die bank” beleuchte ich die Fintechs von mehrerlei Seiten – zum einen aus Bankensicht, dann aus Sicht eines Inkubators und dann auch aus Sicht der Investoren und “Stakeholder”, also unterschiedlicher Interessengruppen und Anteilseigner.

Hier geht es zum neuen Heft der Dezemberausgabe

Zum Inhalt:

Ein längeres vierseitiges Interview mit Christian Hoppe, Founder Director und Geschäftsführer des main incubator, des Corporate Incubators für FinTech-Startups der Commerzbank – der breit gefächert zu den Chancen und Risiken der Fintech-Revolution Auskunft erteilt.

Ein kurzer Auszug zum Anfüttern:

die bank: Herr Hoppe, wer braucht denn wen mehr, benötigen in erster Linie die Banken eine bunte und schillernde Fintech-Startup-Szene für das Fortschreiben der eigenen Erfolgsgeschichte – oder kommen auch Startups zwangsläufig um neue Kooperationen mit der klassischen Finanzwelt nicht herum?

Christian Hoppe: FinTech-Startups brauchen Kunden, Know-how und auch Kapital. Hier können wir die Startups unterstützen mit z.B. dem Zugang zu fast 15 Millionen Privat- sowie einer Million Geschäfts- und Firmenkunden der Commerzbank und fundiertem Banking-Know-how. Vor allem für Startups mit B2B-Fokus stellt der Zugang zu Geschäfts- und Firmenkunden einen absoluten Mehrwert dar. Denn die Kundenakquise ist kostenintensiv und insbesondere im B2B-Bereich – besonders als junges Unternehmen ohne nennenswerten Track-Record – zeitaufwendig. Gleichzeitig ist es für die Commerzbank ein Mehrwert, über die Zusammenarbeit mit agilen Startups Innovationen innerhalb der Bank vorantreiben zu können. Durch die Verbindung der Agilität eines Start-ups mit dem Know-how und der Vertriebskraft eines gestandenen Unternehmens ergibt sich eine echte Win-Win-Situation. Und der main incubator ist hier der Katalysator, der dies möglich macht.

Außerdem ist ein weiterer längerer Fachbeitrag von mir in dieser Ausgabe  “die bank” enthalten, und zwar mit dem Titel:

Sicheres Passwortmanagement in der Cloud

Die Debatte um die Sicherheit von internetbasierten Dienstleistungen erhält durch innovative Geschäftsmodelle im Zuge von mobilen Applikationen und Bezahlsystemen neue Nahrung. Im Mittelpunkt steht dabei aus Sicht von Banken insbesondere die Fragestellung, inwieweit das Auslagern zentraler Authentifizierungsmechanismen – insbesondere mit Blick auf das cloudbasierte Passwortmanagement – die Sicherheit des Gesamtsystems beim Online-Shopping oder Banking per Smartphone erhöhen kann. Derzeit halten sich die Argumente Pro und Kontra die Waage, so dass abzuwarten bleibt, inwieweit sich derartige Lösungskonzepte auf breiter Basis am Markt etablieren können.

Und wie sich das neue Ökosystem der Banken konkret verändert oder verändern wird, kann der Leser in der Novemberausgabe hier nachlesen.

Ein Auszug:

Banken erweitern Ökosystem

Wenn Goliath mit David kooperiert, dann entsteht ein neues Ökosystem, von dem beide Partner gleichermaßen profitieren könnten. Denn Wagniskapitalgeber und Startup-Inkubatoren hauchen der Finanzindustrie frisches Leben ein. Um mit den damit verbundenen Herausforderungen produktiv umzugehen, genügt es jedoch nicht, auf konkrete Angebote aus der Next Generation Finance Invest zu reagieren. Gefragt ist seitens der Banken und Finanzdienstleister vielmehr eine eigenständige Innovationsstrategie, die externe Gruppen frühzeitig an zentraler Stelle in das eigene Produkt- und Dienstleistungsportfolio einbindet.

Written by lochmaier

Dezember 1st, 2014 at 10:52 am

Posted in Uncategorized

Polnische Banken geben Apple Pay kontra

without comments

In Deutschland fristet Mobile Payment immer noch ein Nischendasein. Wie es funktionieren könnte, verdeutlicht ein Blick in das Nachbarland Polen, wo die Banken die Entwicklung massiv vorantreiben. Schauen wir mal etwas genauer zwischen Hype und Unterbewertung auf diesen Trend …

Nicht nur der IT-Konzern Apple sagt derzeit mit Apple Pay der Geldbörse den Kampf an. Unter anderem plant auch der weltweit operierende Einzelhandelskonzern Walmart mit CurrentC ein eigenes Bezahlsystem. Und schon heute wickelt die Kaffeehauskette Starbucks rund zehn Prozent aller Zahlungen in den USA über mobile Kanäle ab. Als eines der Erfolgsbeispiele in Deutschland gilt die mobile Bezahllösung von myTaxi für unterwegs, die auch in Spanien und den USA zum Einsatz gelangt.

Um das Potenzial der mobilen Bezahldienste in Europa zu verdeutlichen, hilft ein Blick ins Nachbarland Polen – Lesen Sie meinen ganzen Beitrag hier:

Computerwoche: Polnische Banken geben Apple Pay kontra

Written by lochmaier

November 24th, 2014 at 10:34 am

Posted in Uncategorized

Interview mit Erste Bank: Innovationskultur als Brückenbauer

without comments

Beim Spagat zwischen digitalen Aktiviäten und Filialnetz gibt es keinen Königsweg. Boris Marte, Chef von Erste Hub, einem Start-up der österreichischen Erste Bank, skizziert in meinem Interview für die Managerplattform SPARKASSE funktionierende Lösungsansätze: kleine Schritte und das Überwinden des alt hergebrachten (und leider immer noch weit verbreiteten) Silodenkens.

Lesen Sie hier das vollständige Interview:

Innovationsstrategie der Erste Bank: Brückenbauer in digitale Welt

Written by lochmaier

November 21st, 2014 at 10:48 am

Posted in Uncategorized

Große Energiewende zerredet, im Kleinen Fortschritte

without comments

In der letzten Woche sprach der Energie- und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel auf dem Arbeitgebertag in Berlin deutliche Worte. Er schimpfte über die „irren Zustände“, die bei der Energiewende immer noch herrschten. Das Energiewendeprojekt müsse nun endlich systematisiert und europäisch gedacht werden. Es sei höchste Zeit, die Stromnetze auszubauen und die Differenzen über den Verlauf der Stromtrassen beizulegen.

Doch es gibt ja den Gegenentwurf der grünen Bürgermeister im Kleinen, an der Basis. Mehr dazu in meiner Kolumne im WSJD.

Written by lochmaier

November 17th, 2014 at 9:51 am

Posted in Uncategorized

Green Crowdfunding zwischen Idealismus und Pragmatismus

without comments

Mit rund 445.000 Euro hat eine Crowdfunding-Kampagne über die Online-Plattform Econeers in nur vier Monaten eine Rekordsumme eingesammelt. Mit diesem bei der Crowd eingeworbenen Geld will die Sonneninvest AG einen Solarpark in Langenbogen bei Halle finanzieren. Was steckt dahinter, mehr dazu in meiner Kolumne Stromzähler im Wall Street Journal:

WSJD: Green Crowdfunding verlässt das Experimentierstadium

Blicken wir jenseits von Crowdfunding-Plattformen etwas breiter auf den Trend:  Grüne Projektideen, die auf Crowdfunding-Plattformen präsentiert werden, sind oft kreativ, gut durchdacht und voller Enthusiasmus. An ihrer Attraktivität kann meist kein Zweifel bestehen. Der Vorteil der neuen Finanzierungsmodelle: Investitionsbereite Bürger können schon mit kleinen Beträgen mithelfen, umweltfreundliche Projekte und Energiesparideen von Unternehmen, Kommunen, Vereinen und Privatpersonen zu realisieren. „Crowdfunding“ sollte daher geradezu prädestiniert dafür sein, die Energiewende mit voranzutreiben.

Und offenbar scheint das auch der Fall zu sein. Jedenfalls kommt die Möglichkeit, sich via Crowdfunding an der Finanzierung umweltfreundlicher Projekte zu beteiligen, beim Publikum gut an. So haben etwa die beiden Gründerinnen des mehrfach preisgekrönten Unternehmens „Original Unverpackt“ im Juni dieses Jahres mit einer beispiellosen Crowdfunding-Kampagne auf sich aufmerksam gemacht. Über die Plattform „Startnext“ gelang es den Jungunternehmerinnen, ihr selbst gesetztes Investitionsziel binnen weniger Stunden zu knacken (http://socialimpactfinance.startnext.de/original-unverpackt).

Ihre Idee, in Berlin-Kreuzberg einen Lebensmittel-Laden zu eröffnen, in dem es kein Verpackungsmaterial mehr gibt, kam bei den potentiellen Geldgebern also mehr als gut an. Spenden zwischen 8 und 3000 Euro waren möglich. Als Gegenleistung gab es Tassen, Einkaufsgutscheine oder das Angebot, sich einen Einkauf nach Hause tragen zu lassen.

Doch Vorsicht: Es gibt unterschiedliche Arten von Crowdfunding. In vielen Fällen gewährt der Crowdinvestor dem Unternehmen nämlich ein so genanntes partiarisches Nachrangdarlehen. Bei dieser Form der Finanzierung gibt er dem Unternehmen zwar sein Geld, erwirbt im Gegenzug aber keine Anteile an dem von ihm finanzierten Unternehmen. Geht alles gut und das Unternehmen arbeitet erfolgreich, wird der Crowdfinanzier an den erwirtschafteten Gewinnen beteiligt. Geht dagegen nicht alles gut, werden seine Ansprüche erst dann bedient, wenn die aller anderen Gläubiger bereits bedient wurden. Im Pleitefall ist es also durchaus möglich, dass er sein Geld für immer verliert.

Keine schöne Vorstellung für den Crowdinvestor. Und trotzdem ist diese neue Art der Finanzierung nicht in Bausch und Bogen zu verdammen. Das Potential von Crowdfunding ist vermutlich noch lange nicht ausgeschöpft. In Zeiten von Nullzinspolitik und einem gravierenden Vertrauensverlust in den Banken alter Schule ist zu erwarten, dass dieses innovative Finanzierungskonzept trotz gelegentlicher Rückschläge weiter an Fahrt gewinnt.

Allerdings verlangt es dem Crowdinvestor einiges ab. Denn auch hier gilt: Crowdfunding funktioniert nicht ohne Risiko. Modern hin oder her, der potentielle Investor muss wissen, was er tut. Er kommt nicht umhin, die Projektidee, in die er investieren will, genau zu prüfen, die Risiken sorgfältig abzuwägen und die Konsequenzen seiner Entscheidung zu tragen. Auch bei dieser zeitgemäßen Form des Schwarminvestierens muss er letztlich selbst entscheiden, ob und wenn ja, wie viel Geld er in ein bestimmtes Projekt investieren will, wohl wissend, dass er es unter Umständen sogar komplett verlieren kann.

Grüne Investments via Crowdfunding-Plattformen liegen im Trend. Gemeinhin gilt es als lobenswert und gut in Green Products, Nachhaltigkeit, Umweltverträglichkeit und Klimaschutz zu investieren. Und sicherlich gehört auch etwas Idealismus dazu, sich via Crowdfunding zu engagieren. Wenn sich der Crowdinvestor dessen bewusst ist und darüber hinaus nicht vergisst, dass auch bei dieser neuen Finanzierungsart alte Investitionsgrundsätze nicht außer Kraft gesetzt werden, dann könnten derartige Modelle durchaus eine große Zukunft vor sich haben.

Written by lochmaier

Oktober 31st, 2014 at 10:40 am

Posted in Uncategorized

Banken: Chefsache Digitaler Wandel oder was für den Praktikant?

without comments

In der Fachzeitschrift “GI Geldinstitute” habe ich meine regelmäßige Kolumne “Chefsache Digitaler Wandel” gestartet.

Bislang schien das mit den sozialen Medien wäre eher was für den Praktikenten oder die Praktikantin (noch vor dem Kaffee kochen und holen).  Jetzt aber droht die Fintech-Revolution, also lautet das Gerücht in der Führungsriege, weiterarbeiten oder neu erfinden?

Banken brauchen Fintech, Startups brauchen Banken. Wenn Goliath mit David kooperiert: Diverse Fintech-Startups und Inkubatoren hauchen frisches Leben ein. Die Partner sollten ihre Möglichkeiten allerdings realistisch einschätzen. Fest steht aber auch: Von der Öffnung kann die Finanzbranche letztlich nur profitieren.

Mehr dazu in meiner letzten Kolumne Chefsache Digitaler Wandel. In den kommenden Ausgaben werde ich das Thema abseits vom Praktikantencharme von unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchten.

Written by lochmaier

Oktober 21st, 2014 at 1:23 pm

Posted in Uncategorized

Recoins: Was ökologische Währungseinheiten leisten

without comments

Sie gewannen den Ideenwettbewerb „Code_n“ auf der Computermesse Cebit: Das Postdamer Startup „Changers.com“. Die Idee: Die Etablierung eines Bezahlsystems mit eigener Währungseinheit, das umweltbewusstes Verhalten belohnt, im Kampf von David (dem Verbraucher) gegen Goliath (den Klimawandel).

Den Jungunternehmern schwebt vor, unser aller Verhalten hin zum Besseren zu verändern. Besser, das heißt in diesem Fall, uns dazu zu bringen, über unseren Energiebedarf und –verbrauch nachzudenken und uns dazu zu ermuntern, sparsamer mit unseren natürlichen Ressourcen umzugehen.

Zu diesem Zweck haben die Gründer die Plattform „Changers.com“ gegründet. Wie funktioniert das Modell beziehungsweise wie wollen die jungen Gründer ihre zugegebenermaßen innovative Idee in die Tat umsetzen? Über leichte, tragbare Solarmodule kann jeder selbst Energie erzeugen und anschließend sein Handy oder Tablet aufladen. Auch Nutzer, die statt mit dem Auto mit dem Rad oder Bus fahren, werden auf der Plattform belohnt.

Es wird dabei gemessen, wie viel CO2 der Nutzer durch sein umweltfreundliches Verhalten eingespart hat. Diese Daten werden auf die Konten der Nutzer gebucht und in die digitale Währungseinheit, die so genannten Recoins, umgerechnet. Für jedes eingesparte Gramm CO2 erhält der Nutzer also ein bestimmtes Kontingent an Recoins, die er dann gegen bestimmte Produkte und Dienstleistungen eintauschen kann. Auf „changers.com“ wird umweltfreundliches Verhalten also mit einem realen Tauschmittel, den „Recoins“ belohnt.

Wie das Geschäftsmodell konkret aussieht, beleuchtet meine aktuelle Kolumne im Wall Street Journal Deutschland – hier weiterlesen.

Written by lochmaier

Oktober 17th, 2014 at 2:30 pm

Posted in Uncategorized

Neues aus der Bunti-Klicki-Welt von Banken

without comments

Fühlen Sie sich auch missverstanden von Ihrem Vermögens- und/oder “Finanzberater”? Also eher verkauft als beraten. Dann schauen Sie mal in das Blog “Vfalle” herein.

Dort berichtet ein Betroffener über seine Erfahrungen mit den “Vertriebsarmeen” der Finanzindustrie. Aber die Analyse fällt nicht blauäugig oder einseitig im Schwarz-Weiß-Jargon aus (wir die guten Kunden und Ihr die bösen Banker), sondern der Autor reflektiert dort recht fundiert seine eigenen Erfahrungen.

Warum können Kunden ihre Ziele nicht erreichen, sondern erfüllen eher jene vom Berater? Dazu empfehle ich folgenden Beitrag zur Einstimmung, in dem der Blogautor die Erfahrungen mit der Deutschen Vermögensberatung fast zwei Jahre lang fundiert betrachtet und analysiert hat: Recherchebilanz – Empfehlungsmarketing wirkt auf allen Ebenen.     

Wie passend kommt da, dass wir uns gerade in einer “Fintech-Revolution” befinden. Oder ist es am Ende doch nur ein kleines Revolutiönchen, also nur eine schrittweise Evolution? Und ob die großen IT-Player wie Apple & Co. am Ende mit ihren neuen Bezahlsystemen wie Apple Pay die kundenfreundlichere Alternative sein werden, dieser Härtetest steht noch aus.

Die Commerzbank verspricht gar, Frankfurt zum deutschen “Fintech-Valley” zu machen – wo doch noch gar nicht klar ist, was eigentlich das neue dieses Begriffs ist, jenseits von der Beschreibung neuer Finanztechnologien, die ja ohnehin im Zuge des mobilen Internets kommen werden.  Fakt ist aber, es wird massiv weiter in diese entwicklung investiert werden, nicht nur der Berliner Fintech-Inkubator RocketInternet ist aktiv, es werde komplexere Modelle geben, berichtet Gründerszene.

Letztlich aber wird sich das Rad der Geschichte weiter drehen müssen. Das Thema “Bankeninnovation” hat den medialen Mainstream endgültig erreicht, was bisher nur in Expertenkreisen diskutiert worden ist. Denn alte Königreiche sind durch den medialen und gesellschaftlichen Wandel so nicht mehr zu halten. Und die “Finanzindustrie” (sorry für den Begriff, aber es war halt auch eine Art von lean production) ist definitiv eine Branche im Wandel. Nur haben noch nicht alle den Ruf der Zeit im Bunti-Klicki-Zeitalter der Banken gehört.

Written by lochmaier

Oktober 10th, 2014 at 1:33 pm

Posted in Uncategorized