Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

.

Gold – Geld – oder Aktien? Vermögensberatung und die kognitive Dissonanz

with 2 comments

Wohin mit dem Geld? lautet derzeit die spannende und gleichwohl produktiv fast unlösbare Frage, auf die es somit leider keine überzeugende Antwort gibt. Denn jede Form der Anlage hat einen kleinen Haken, nämlich die ungewisse Zukunft. Selbst eine Immobilie, nicht werthaltig investiert, kann eine trügerische “Scheinsicherheit” sein.
Einige setzen jetzt komplett auf Gold und wollen/sollen raus aus Aktien, so lässt sich jedenfalls auf Börsenblogger nachlesen:
http://dieboersenblogger.de/9586/2010/05/es-gibt-noch-insider-welche-die-dinge-beim-namen-nennen/
Ziemlich die heiße Werbetrommel mit der Inflationsgefahr rührt auch die Quirin Bank, bzw. deren Chefvolkswirt Claus Vogt, der unter anderem in der Talkshow bei Anne Will auftrat – und in acht Jahren unser Vermögen halbiert sieht, und deshalb zum sicheren (?) Hort der Edelmetalle rät.
http://www.quirinbank.de/meta/presse/mitteilungen/claus-vogt-warnt-vor-inflation.html
Passend dazu stellt zerohedge aber gleich die prägnante Frage, ob wir es nicht bereits mit einer “Goldspekulationsblase” zu tun haben, und beleuchtet diesen Zusammenhang im historischen Rückspiegel:
http://www.zerohedge.com/article/gold-bubble-brief-look-historical-bubbles 
Durchaus seriöse Ökonomen wie Gustav Horn - der beim DIW leider das Feld für die eher kaffeesatz leserische ”Prognosewissenschaft” räumen musste –  geben aber mit Blick auf den Brandherd Inflation vorsichtige Entwarnung, und rechnen sogar eher mit einer Deflation:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,694875,00.html
Aber wer weiß schon wirklich, wo es jetzt lang geht – wo also steht der Anleger? Nun ja, er glaubt eigentlich fast niemandem mehr. Nicht mal sich selbst. Keiner hat derzeit in der medialen Spekulationsblase 2.0 den Durch- oder Überblick.
Wie wahr – es gibt keine Experten mehr, (fast) alle sind vom hohen Ross des exklusiven geistigen Wissens um die Funktionsweise und Spielregeln von Märkten gestiegen, und wir müssen jetzt richtig intensiv nachdenken, wie es denn in der Banken- und Finanzbranche weitergehen soll. Einerseits eine tröstliche Erkenntnis, dass es doch keine Börsengötter neben oder über uns gibt.   
Was aber treiben denn jetzt Leute mit etwas mehr Scheinen im Portemonnaie? Sie sind zweifellos nervös, haben aber auch Angst das Falsche zu tun. Der vom Forschungsinstitut myprivatebanking durchgeführte Kundenmonitor Vermögensverwaltung 2010 analysiert (mit Blick auf die privaten Banken) den Status Quo der “vermögenden” Privatkunden in Deutschland, einschließlich der Bedürfnisse, Einstellungen und natürlich auch der ”Zufriedenheit” mit dem jeweiligen Anbieter.

Die ganze Vorschau zum Report einschließlich der Fragen gibt es hier:

http://www.myprivatebanking.com/de/UserFiles/file/Leseprobe%20Kundenmonitor%20Vermögende%20Privatkunden%20in%20Deutschland%202010(1).pdf

Die wichtigsten Ergebnisse:

Die vermögenden Privatkunden in Deutschland sind mit ihren Banken und Vermögensverwaltern insgesamt zufrieden, aber trotzdem zieht fast die Hälfte der Kunden (43%) einen Wechsel zu einem anderen Anbieter in Betracht.

Bei der Bewertung der einzelnen Banken und Bankengruppen konnten sich die kleinen und mittleren Privatbanken als Gruppe durchsetzen. Die Kunden dieser Gruppe vergaben im Durchschnitt einen Punktwert von 4,7 bei maximal 5 Punkten. Direkt danach folgt die Direktbank ING-Diba mit 4,6 Punkten. Die Grossbanken Deutsche Bank, Commerzbank/Dresdner Bank, die Sparda Bank und die Volksbanken finden sich bei der Kundezufriedenheit im Mittelfeld.  Das Schlusslicht bei den vermögenden Kunden bilden die Postbank mit 3,6 Punkten und die Sparkassen mit 3,9 Punkten.

MyPrivateBanking Research empfiehlt allen Banken und Vermögensverwaltern eine Überprüfung ihrer strategischen Positionierung. Besonders für die bedeutenden Kundengruppen der jüngeren Vermögenden und der besonders vermögenden Privatkunden müssen bedürfnisgerechte Angebote geschaffen werden, damit sie zukünftig ihrer Bank gegenüber loyal bleiben. Umgekehrt bedeutet die nachlassende Kundentreue aber auch eine Chance für eine offensive Neukundengewinnung derjenigen Banken und Vermögensverwalter, die mit einer adäquaten Kundenansprache und Betreuung am schnellsten auf die neuen Herausforderungen reagieren.

Quelle: myprivatebanking.com

Was lernen wir aus diesen Ergebnissen: Ich bin mir nicht ganz sicher, ob und wie sich die kognitive Dissonanz der Unzufriedenheit moderner Bankkunden auf die Produktgestaltung auswirkt. Kurzum: Handeln die Kunden tatsächlich, haben Sie klar strukturierte Angebote jenseits plakativer Alternativen, und wenn ja, welche?

Dazu noch einmal myprivatebanking.com:

„Dieses Ergebnis zeigt, dass Banken, die sich im Markt klar positionieren die zufriedensten Kunden haben“, erläutert Christian Nolterieke, Geschäftsführer von MyPrivateBanking. „Privatbanken differenzieren sich im Urteil des Kunden mit als kompetent angesehenen Beratern und einem auf die Vermögensverwaltung fokussierten Angebot. Die ING-Diba hat eine klare Positionierung als Kostenführer. Fehlende Differenzierungsmerkmale führen dagegen bei Kunden zu geringer Loyalität und Zufriedenheit.“

Natürlich ist die Studie oben aus dem Blick der privaten Banken angelegt, also nicht ganz “wertfrei”. Denn neben den Genossenschaftsbanken und Sparkassen, deren Beratungsqualität auch in der Krise sehr variiert – gibt es auch noch die neuen “Social und Ecobanks 2.0″, die Realökonomie und Ökologie jenseits von window dressing verschmelzen – und hoffentlich den Kunden in den Mittelpunkt ihrer Alltagsarbeit stellen. 

“Banker zum Anfassen” haben in der Mitte der Gesellschaft und Wirtschaft angesiedelt zweifellos das Potenzial zur Alternative, wenn sie hart und seriös an ihrem Geschäftsmodell feilen….

Wenn Ihnen all das noch nicht reicht, dann machen Sie es doch wie die Europäische Zentralbank, drucken Sie doch einfach ihr eigenes Geld nach, und sichern Sie sich “nachhaltig” gegen jede Form der Vermögensinflation ab:

Written by lochmaier

Mai 19th, 2010 at 7:40 am

Posted in Uncategorized

2 Responses to 'Gold – Geld – oder Aktien? Vermögensberatung und die kognitive Dissonanz'

Subscribe to comments with RSS or TrackBack to 'Gold – Geld – oder Aktien? Vermögensberatung und die kognitive Dissonanz'.

  1. [...] Womit wir beim ersten Satz in der Einleitung meines in der kommenden Woche erscheinenden Buches „Die Bank sind wir“ wären. Der da lautet: Selbst die sicherste Bank ist eine unsichere Angelegenheit. Es existieren also, so illusionslos sich diese Erkenntnis derzeit auch anhören mag, in dieser Welt (fast) nur „Scheinsicherheiten„. [...]

  2. letztendlich dazu das gezeigt wird wie (Goldman) richtig gut verdienen kann (waterproof) und mit geschickten Mitteln von sich selbst ablenkt(Anklage, etc.). Diese Börse wurde diskret aus dem oben genannten Netz finanziert (Lobby-Arbeit, Aufbau, Einrichtungen usw.) und alle 3 schädlichen Klimagase werden gehandelt.

    מוטו דיפו

    24 Mai 10 at 9:20 am

Leave a Reply

Current month ye@r day *