Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

.

Interview (Teil I): Ölflecktheorie – Social Media Experten blicken auf die “offene” Bankreputation der Zukunft

with 3 comments

Hier der erste Teil einer kleinen Interviewserie zum Thema “Social Media und die Banken – eine Standortbestimmung” – dieses Mal  mit Ed Wohlfahrt. Er ist in Klagenfurt angesiedelter Spezialist für Public Relations und Social Media. Er informiert und seziert die lokale wie globale Szene regelmäßig über sein Weblog - und ist ziemlich skeptisch, was die Öffnung von Banken gegenüber Social Media angeht. Aber lesen Sie selbst:   

Social Banking 2.0: Es scheint in der öffentlichen Wahrnehmung derzeit so, dass es gewisse Analogien zwischen dem Ölleck von British Petrol (BP) vor der amerikanischen Küste und den Finanzlöchern von Banken und dem Staat zu geben scheint, oder hinkt dieser Vergleich auf einem Bein?

Die Dinge haben für mich nichts miteinander zu tun. Insofern hinkt der Vergleich sogar auf beiden Beinen.

Social Banking 2.0: Erscheint es denn überhaupt als realistisch, dass wirtschaftlich dominante Konzerne wie BP und die Großbanken gerade in Krisenzeiten, in denen ihre Glaubwürdigkeit massiv leidet, auf das Medium Internet und Social Media setzen, um mit der ganzen Welt aktiv, aber auch ungeschützt zu kommunizieren – oder gilt doch eher das Motto: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold?

Ihr Engagement ist real. Und zumindest von BP engagiert man sich seit geraumer Zeit in Sachen Social Media. Bei den Banken fällt mir jetzt bloß eine ein. Es handelt sich um die Raiffeisenkasse Lustenau, mit der ich über Twitter kommuniziere. Den Account von @raibalustenau guckst du http://twitter.com/raibalustenau betreut ein gewisser Andreas Liebhart, mit dem sich schon der eine oder andere nette Twitter-Dialog ergeben hat.

Was für mich dabei wichtig war, ist, dass mir Liebhart dabei nicht irgendwelche Produkte auf Auge drückte, sondern mit mir sprach, als ob wir uns bei einem kleinen Bier gegenübersitzen würden. Das half mir beim Zuhören ganz massiv. Aber welche Bank schafft das heute schon? Und was das genannte Motto anbelangt: Mit einem solchen bin ich im Social Media Bereich natürlich grundlegend falsch. Was einige jedoch trotzdem nicht davon abhält, sich hier zu bewegen.

Social Banking 2.0: Wie sähe denn eine Management-Strategie aus, die Social Media jenseits des Bespielens einzelner Kanäle mit vertrieblich geprägten Botschaften ansieht, in denen die Öffentlichkeit also tatsächlich aktiv informiert wird, wo das Unternehmen steht, wie es sein Geld verdient, und wie es die Kunden produktiv in sein Geschäftsgebaren einbindet?

Gute Frage… vielleicht sähe diese Management-Strategie so aus, dass sie begreift, dass es in ein paar Jahren nicht mehr um Social Media, sondern nur noch um Social Business gehen wird. Wenn ich mich als Unternehmen so aufstelle, wenn ich mit internen und externen Partnern auf Augenhöhe spreche, wenn ich für mich begreife, dass ich – im Grund wir alle – nackt sind (von wem ist dieses Bild noch mal schnell….?) habe ich einen großen Schritt gemacht.

Wichtig erscheint mir, dass dieser Schritt nicht aus Zwang heraus geschehen darf, sondern weil man zu der Überzeugung gelangt, dass es, so wie man es schon 20 Jahre und länger macht, doch bitte nicht auf unbestimmte Zeit weiter geschehen kann.

Social Banking 2.0: Kurzum: Was taugt Social Media angesichts eines massiv sich verstärkenden Vertrauensverlustes in wirtschaftlichen Leitbranchen, die wie die Banken und die Ölindustrie, unter anhaltendem öffentlichem Druck stehen?

Social Media taugen – richtig eingesetzt – sehr viel. Was richtig bedeutet? Nicht von einem PR-Menschen bis ins Kleinste hinein strukturiert, geschliffen und optimiert, sodass am Ende des Tages nichts mehr übrig bleibt als Social Media Icons auf der Homepage.

Social Banking 2.0: Und noch ein Ausblick: Wohin könnte die Reise mit Blick auf Social Media in der Bankenlandschaft gehen, werden die Banken dieses Spielelement überhaupt in verstärkter Form nutzen, und wenn ja, auch jenseits eines vom Marketing und Vertrieb geprägten strategischen Ansatzes?

Ich hoffe, dass ich mich täusche. Glaube aber, dass es Banken über den beschriebenen Ansatz hinaus nicht schaffen werden. 

Interview: Lothar Lochmaier

Written by lochmaier

Mai 26th, 2010 at 6:25 am

Posted in Uncategorized

3 Responses to 'Interview (Teil I): Ölflecktheorie – Social Media Experten blicken auf die “offene” Bankreputation der Zukunft'

Subscribe to comments with RSS or TrackBack to 'Interview (Teil I): Ölflecktheorie – Social Media Experten blicken auf die “offene” Bankreputation der Zukunft'.

  1. Zur Info:
    Eine weitere twitternde Bank:
    @glsbank
    Die GLS Bank ist auch bei facebook, ebenso wie Triodos und die Fidor AG.
    Grüße, Katharina Beck (www.social-banking.org)

    kathabeck

    26 Mai 10 at 6:45 am

  2. Ich habe gestern ein Experteninterview mit Ed Wohlfahrt abgehalten das ich im Zuge meiner Projektarbeit an der Donauuni Krems geführt habe (es geht bei der Projektarbeit um das Thema wie die Volksbanken als Sieger beim österreichischen Recommender Award diesen Vorteil auf die Social Media übertragen können).
    Auch ich bin der Meinung dass man nichts erzwingen kann; gerade der Bankbereich ist ein sehr verschlossener und Aufgrund der erhöhten Wertigkeit von Reputation und Vertrauen in diesem Bereich wird Social Media derzeit noch kritisch beäugt.
    Meine Volksbank hat mit einem Facebook-Account (http://de-de.facebook.com/vbsostmk) den Anfang gemacht – wir wollen jedoch das Engagement in den Social Media noch ausweiten.
    Ich glaube dass sich Banken den Social Media nicht verschließen können – der “soziale” Druck wird noch weiter steigen…

    Robert Koch

    26 Mai 10 at 5:58 pm

  3. [...] » Nachdem gestern bereits der österreichische Social Media Experte Ed Wohlfahrt hier seine Sicht der Dinge zu Social Media in der modernen Bankenwelt skizziert hat (s. dazu auch die Kommentare), riskiere ich nun heute den [...]

Leave a Reply

Current month ye@r day *