Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

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Whofinance: Raffinierte Methodik um Finanzberater zu outen?

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Rund 400.000 offizielle und manchmal nicht ganz so offizielle Finanzberater dürfte es in Deutschland geben. Genügend Anlässe also, am vergangenen Freitag meinen fähigsten Mitarbeiter Doktor Spar zum Hausbesuch zu Whofinance hin zu beordern, einer Plattform, auf der Kunden ihren Finanzberater bewerten können.

Natürlich ist Doktor Spar, der den Patienten aus der Finanz- und Bankenszene etwas genauer auf den Zahl fühlt, gerne der Einladung von Mustafa Behan gefolgt, dem Mitgründer von Whofinance. In der Presse wird seit längerem ausgiebig über die Plattform berichte, so etwa hier auf dasinvestment.com. Auch im Weblog Finance 2.0 des “virtuellen Kollegen” Boris Janek kann man mehr erfahren.

Aber da liegt angesichts der Intransparenz bei der provisionslastigen Finanzberatung = Abverkauf von Massenprodukten seit langem eine “Preisfrage” auf dem Operationstisch. Schauen und horchen Sie doch selbst mal in diese kurze Live-Szene unseres längeren Gesprächs hinein:

Nachdem wir jetzt wissen, was ein guter Finanzberater eigentlich tun müsste, aber nicht so gerne tut, steigt der Bedarf nach Transparenz weiter. Da nützt auch das von der Bafin im März lancierte neue Gesetz zum Anlegerschutz recht wenig, oder doch?

In einem zentralen Register der Finanzaufsicht (BaFin) werden nämlich ab März 2011 alle 300.000 Berater der Banken und Sparkassen registriert. Die Behörde soll Kundenbeschwerden sammeln und – bei mehrfacher Wiederholung oder besonders eklatanten Verstößen – Beratern zeitweise sogar den Kundeneinsatz untersagen.

Wow – das klingt, irgendwie ein bisschen typisch deutsch, nach viel Bürokratie und wenig Effizienz. Kein Wunder also - angesichts der meist nur oberflächlich durch Meister Proper und anderen Hochglanzelixieren wirkenden staatlichen Regulierungsanstrengungen -, dass in den vergangenen Jahren analog zu Whofinance ähnliche Plattformen und weitere Diskussionsforen entstanden sind, in denen sich die Qualität von Finanzberatern aber auch von Versicherungsvertretern einsehen lässt. 

Social Banking 2.0 hat darüber immer wieder berichtet, so etwa unter den beiden Überschriften:

Who (does) finance: Wie genau lassen sich Finanzberater bewerten? - Spannend ist vor allem die kontroverse Diskussion, die sich bei den Leserkommentaren um die Bewertungskriterien entsponnen hat.

Oder: Vote4U: Hier bewerten Kunden ihre Versicherungsvertreter, einer Branche, in der die Ecken mitunter noch weniger ausgeleuchtet sind als bei den Finanzvertretern. Es gibt also immer noch viel Diskussions- und Aufklärungsbedarf, während sich die Transparenz-Anbieter hinter den Kulissen gelegentlich ins neue Marktgehege kommen.

Der Schlüssel zum Erfolg von Bewertungsplattformen lautet Relevanz. Wie aussagefähig und glaubwürdig ist die präsentierte Datenbasis? Braucht es dazu einen mathematisch ausgefeilten Algorithmus? Auf den Comunity-Seiten von Xing gibt es etwa bei der Fidor Bank - auf der mittlerweile rund 1.000 Ratings über die Beraterszene zu finden sind – eine angeregte Diskussion um neue Konzepte und Ansätze. 

Neuling names “mybankrating” am Start

Wer auf der Fidor Diskussionsgruppe registriert ist, kann nachlesen, wie sich mybankrating beschreibt:

Um das Problem aber auf Beraterebene fair und vor allem nutzerfreundlich zu lösen,
haben wir ein Bewertungssystem erstellt und dafür einen eigenen Algorithmus geschrieben.
Der hat den wohlklingenden Namen FairRate erhalten, weil er eben das sein soll, fair.

Mit fairRate kann ein Kunde eine erfolgte Finanzberatung anhand von 8 Kriterien bewerten.
Der Kunde selber kann seinen eigenen Risikotyp (WPHG konform) ermitteln und beeinflusst damit das Endergebnis indirekt. FairRate hat einen Zeitwertverlust und übergewichtet neuste Ratings.
Warum?
Damit vermeidet man Ausreisser und vor allem ist ein Rating eine Vergangenheitsgroesse!
ihre Beratung kann vor 2 Jahren ganz anders gewesen sein.
Außerdem bringt das System große Dynamik in die Plattform.

Das Ende vom Lied ist, dass jeder Kunde anhand seiner Bedürfnisse und seines persönlichen Risikotyps andere Berater angezeigt bekommt!
Es gibt defakto keine one-and-only Hitliste.
Warum?
Beratung ist tief individuell, es gibt keine besten Berater!
Es gibt aber Berater, die auf einem Gebiet besonders gut sind, fuer eine bestimmte Kundengruppe!

Der Berater selber erhält detaillierte Auswertungen und kann seine Stärken und Schwächen daran erkennen.
Kundenkommentare müssen durch ihn erst freigeschalten werden, die Nutzer sehen aber die Anzahl der Gesamtkommentare.

Wir entwickeln das System permanent weiter.
Es soll darum gehen Nutzern zu helfen, aber auch Beratern zu helfen, mit dieser nützlichen und fairen Web 2.0 Applikation auf sich aufmerksam zu machen!

Wir haben etwa 2 Jahre Entwicklungszeit da rein gesteckt und sind mit dem was bisher rausgekommen ist sehr zufrieden.

Wenn ich nun Interesse geweckt habe, wir gehen in KÜRZE online.
man findet uns unter dem Begriff MYBANKRATING, es gibt eine gleichnamige Xing Gruppe, sowie eine Facebook Gruppe mit allen Informationen.
http://www.facebook.com/mybankrating.

Zu erreichen sind wir demnächst unter http://www.mybankrating.de

Quelle: Fidor Community/Xing

Übrigens greift auch whofinance auf einen selbst entwickelten Algorithmus im Hintergrund zurück. Aus Expertenkreisen ist zu dem neuen Modell von “mybankrating” zu vernehmen, dass es mit Blick auf die Qualität der Bewertungen hier noch nicht der letzter Weisheit Schluss gewesen sein kann. In der Tat steht und hängt der Erfolg derartiger Plattformen an der Qualität des Dargebotenen.

Marktzyniker würden jetzt vielleicht einwenden, dass die Qualität der provisionsorientierten Finanzberatung nicht besonders hoch sein kann, da ja das Gros der Finanzberater nur sich selbst gut darstellt, um am Ende den Kunden mit leeren Versprechungen zu “verkaufen”. In der Tat, strukturelle Änderungen im Geschäftsmodell sind unverzichtbar, sonst wären die Bewertungsportale am Ende nur Schwarzbücher.

Setzen auf exakte mathematische Algorithmen?

Bislang gilt jedoch: Derartige Plattformen können dem Patienten tiefer in die Krankenakte hinein horchen, als diesem lieb sein kann. Und das wäre positiv. Beim Rundgang durch das Büro skizziert Mustafa Behan den Ansatz von whofinance. Rund 13.000 Finanzberater sind mittlerweile dort erfasst. Natürlich nicht nur mit positiven Einträgen.

So prüfen rund 10 Mitarbeiter jeden einzelnen Hinweis bis zur Veröffentlichung des Eintrags akribisch. Ist eine email echt? Stammt sie womöglich über einen indirekten Mittelsmann vom Berater selbst? Ist das Kundenurteil zur Beratungsqualität ebenso verlässlich? Kurzum, das Rating geht nur mit einer händischen Analyse, und zwar anhand von klaren Bewertungskriterien.

Übrigens – der Monetarisierungsansatz jeder dieser Plattformen ist ein bisschen umstritten und mit einer fragwürdigen Aura belegt. Das ist quasi systemimmanent eingewoben.

Auch Whofinance muss sich dazu immer wieder Kritik gefallen lassen. Denn die Plattform lebt schließlich davon, dass sie 90 Euro dafür erhält, wenn ein konkreter Beratungsgespräch (nicht Verkaufsabschluß) zwischen einem Interessenten und einem auf der Plattform registrierten Berater zustande gekommen ist.

Auf meinem Weblog hatte sich dazu in der Vergangenheit eine eifrige und kontroverse Diskussion gebildet, denn selbst die Honorarberatung ist mit dem Flaggschiff der Quirin Bank noch nicht das bahn brechende Zukunftsmodell, so wie es vielleicht mancher Zukunftsforscher gerne glauben möchte. Kurzum: Bewertungsplattformen oder die Honorarberatung sind der Weg und (noch) nicht das Ziel.

Aber – hoffentlich inhaltlich neutrale – Plattformen zum Bewerten der Finanzberater sind ein produktiver Schritt in die richtige Richtung. Sofern sie ein repräsentatives, breites und möglichst ungeschöntes Bild spiegeln. Dazu müsste natürlich der Datenbestand noch erheblich verbreitert werden, um vom selektiven Bild zu einer verdichteten “Business Intelligence” zu gelangen. 

Mustafa Behan sieht das andere Ufer aber bereits in Sichtweite. Denn während zu Beginn die Bewertungen eher spärlich eintröpfelten, so seien an guten Tagen heute 200 Hinweise an der Tagesordnung. Dennoch dürfte die Diskussion um wasserdichte Geschäfts- und Zukunftsmodelle weiter anhalten, trotz positiver Presseberichte, wie etwa in der Rheinischen Post.

Die Bilanz fällt auch für den Außenreporter Doktor Spar insgesamt positiv aus: Denn niemand darf in der Branche weiterhin damit rechnen, dass das weitgehend ungestörte Treiben bis zur Finanzkrise sich naht- und endlos fortsetzen würde. Im Gegenteil: Ein Zurück zum Status Quo dürfte es trotz fast ausgestandener Wirtschaftskrise nicht mehr geben.

Wie authentisch können Bewertungskriterien sein?

Der kleine Wermutstropfen: Alle neuen Plattformen müssen ihre Seriösität und Transparenz noch ebenso unter Beweis stellen, wie die von ihnen bewerteten Finanzberater. So wirbt etwa der Anbieter Censum mit seinem ”Qualitätsbarometer für Finanzberatung”.

Das klingt dann so: “Als unabhängige Bewertungsplattform bieten wir unseren Nutzern den schnellsten und effizientesten Weg zu den besten Finanzberatern und wertvollen Informationen über Finanz- und Altersvorsorgethemen. Kostenlos.”

Kostenlos? Eigentlich gibt es im Leben fast nichts ohne Gebühr. Irgendwo im Kleingedruckten müsste doch also die Gebührenordnung verborgen sein, wie so manche Plattform ihr durchaus legitimes Geld verdienen möchte. Das interessiert den Kunde doch sicherlich auch, der als Finanzbewerter die Regie ja künftig mit übernehmen soll.   

Vielleicht gibt es hier noch einigen Aufklärungsbedarf, damit auch der Kunde versteht, auf welcher Grundlage der Betreiber operiert. Bei Censum jedenfalls lesen sich die aktuellen Geschäftsbedingungen (AGB) wie folgt:

Nur nach Inanspruchnahme einer durch censum vermittelten Beratung ist der Interessent berechtigt, eine Bewertung des Beraters, seiner angebotenen Produkte und seiner Leistung abzugeben. Diese Bewertungen darf censum veröffentlichen. Ein Rechtsanspruch auf eine Veröffentlichung besteht allerdings nicht.

Quelle: censum.de

Wir vermuten, dass Doktor Spar hier noch den einen oder anderen realen oder virtuellen Hausbesuch zu erledigen hat, bevor wir hier von der Blitzdiagnose in die saubere Diagnostik übergehen können. Zum Glück gibt es so manches Blog, das den virtuell wachsenden Wolkentürmen genauer in den Rachen schaut, wie etwa smartlimits.de, damit wir das Geschäftsmodell von neuen Anbietern wie Censum ansatzweise nachvollziehen können.

Dort ist dann auch direkt nachzulesen, wie Censum künftig sein Geld verdient. Der Preis liegt bei 79 Euro pro vermitteltem Kontakt, also einen Tick billiger als bei whofinance. Dies zeigt, irgendwie hängen letztlich alle Portale am finanziellen Tropf der Berater.

Wes Brot ich ess, des Lied ich sing? Who does finance – ist das ein reales und realistisches Zukunftsmodell in der virtualisierten Finanzwelt, was meinen die Leser?

Written by lochmaier

Februar 16th, 2011 at 8:08 am

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11 Responses to 'Whofinance: Raffinierte Methodik um Finanzberater zu outen?'

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  1. Die Aussagekraft von Finanzberater-Bewertungen ist m.E. gering: Der Kunde kann letztlich nur sagen, ob der Berater nett war (das sind die meisten). Ob die Beratung inhaltlich gut war, kann ein Kunde mangals Fachwissen nicht beurteilen. Hätte er das Fachwissen, bräuchte er keinen Berater.
    Die Folgen einer schlechten Beratung zeigen sich meist erst nach Jahren oder Jahrzehnten, etwa im Schadenfall (Versicherungen) oder wenn der Sparer sieht, was aus seinem Geld geworden ist.

    Andreas Kunze

    16 Feb 11 at 10:11 am

  2. Hallo Herr Kunze, da genau liegt die Crux, das wissen die Finanzberater auch, erfolgreich kann letztlich nur derjenige Privatanleger sein, der viel Zeit in die eigene Finanzplanung investiert (jeden Tag), das können letztlich nur Profis und einige wenige, die übrigen gehen arbeiten, auch die Höher Qualifizierten haben dafür keine Zeit. Das ist der Grund, warum an der Börse zwei Drittel bis drei Viertel der Anleger scheitern. Man braucht viel Zeit, eine klare Strategie und Disziplin über Jahre. Und genau deshalb gibt es viele nette, aber selten gute Finanzberater, weil diese sich die Träume und Ängste der Bürger “zu eigen” machen, der Preis ist allerdings für den Anleger viel zu hoch. Die Bewertungs-Plattformen zu den Finanzberatern sensibilisieren zumindest für dieses Thema, eine wirkliche Änderung im seltsamen Paarungsverhalten der Finanzindustrie kann allerdings nur der Anleger selbst herbei führen.

    lochmaier

    16 Feb 11 at 10:19 am

  3. Interessanter Beitrag!

    Was auch zu bedenken ist: ein Berater kann Stunden oder Tage mit Recherchen verbringen und wirklich völlig losgelöst von Bank-Vorgaben Produkte vermitteln, die zum Zeitpunkt der Beratung tatsächlich sehr gut erscheinen. Wenige Wochen später stellt sich dann aber heraus, dass der Emittent/Anbieter unseriös ist, ein Fehler begangen wurde, o.ä.. Der Kunde wird dies womöglich dem Berater anlasten. Und die ursprünglich gute Beratung nun negativ beurteilen. Damit haben wir dann auch eine zeitliche bzw. situative Komponente, die bisher nicht berücksichtigt wird.

    Bewertungen müssten also wiederkehend über längere Zeiträume erfolgen und zudem auch noch um “externe Einflüsse” korrigiert werden, die nichts mit der Beratung an sich zu tun haben. Das wird wohl niemals ganz eindeutig sein… Daher wird es ein “Trial and Error” bleiben.

    CURE S.A.

    16 Feb 11 at 11:23 am

  4. Sehr guter Einwand!

    Ein Rating ist immer eine Vergangenheitsbetrachtung und das wird vorerst auch so bleiben. Es gibt aber Stellschrauben um das ganze fairer zu gestalten!

    Ich wurde ja (teilweise) von Herrn Lochmeier zitiert, wenngleich ich feststellen musste, dass das Wort Algorithmus offensichtlich hier im Blog die gleiche Definition hat wie “einfacher Durchschnitt”. Sei es drum, ich habe diesen Begriff ja sozusagen ohne weitere Ausführungen in die Runde geworfen, da ist nur verständlich, dass plötzlich jeder einen Algorithmus hat.

    Um nun mal zu den Fakten zurück zu kommen. Der (Achtung!) Algorithmus mit dem mybankrating arbeitet hat diverse technische Rafinessen um Umweltzustände mit einzubeziehen. Das geht über den persönlichen Risikotypen des Bewertenden bis hin zu verschiedenen Gewichtungen über die Zeit hinweg.

    Das obige Szenario kann sich auf mybankrating so nicht abspielen, da die Bewertung wenige Wochen später nichtmehr den Stellenwert im System hat, den sie am Tag der Abgabe hatte. Testen und erproben Sie es einfach, wenn die Plattform demnächst online geht.

    Und dann hoffe ich, dass Herr Lochmaier nochmal Doktor Spar ins Rennen schickt um die 3 genannten Bewertungssysteme auf gleicher Ebene zu analysieren!

    Dennoch ein interessanter Artikel, denn er zeigt, dass da Bewegung im Markt ist!

  5. Vielen Dank für die Ausführungen zum Algorithmus, ich habe mir auch die Formel von whofinance genauer angeschaut, natürlich reicht eine “einfache Durchschnittsformel” nicht aus, sondern es müssen viele relevante Faktoren mit einfließen. Ich bin gespannt, wie sich hier die Gewichtigungen der einzelnen Anbieter auf einer fundierten Grundlage weiter entwickeln werden. Auf alle Fälle ist eine gewisse Bewegung im Markt nicht zu übersehen, aber meist etabliert sich nur ein Marktführer, die anderen schauen dann auf den hinteren Bänken zu. Wir werden sehen, wer hier das Rennen macht …

    lochmaier

    16 Feb 11 at 12:56 pm

  6. [...] This post was mentioned on Twitter by Thomas Hönscheid, CURE S.A., Matthias Schubert, HansjörgLeichsenring, NPapendorf and others. NPapendorf said: Whofinance: Raffinierte Methodik um Finanzberater zu outen? http://j.mp/eiVGh0 [...]

  7. [...] Den ganzen Beitrag dazu finden Sie auf Social Banking 2.0: Whofinance: Raffinierte Methodik um Finanzberater zu outen? [...]

  8. Interessanter Beitrag zu einem wichtigen Thema. Zwei Dinge, denke ich, kann man unterscheiden. 1. die Bedeutung von Internet-Plattformen zur Bewertung von Finanzberatern. 2. Gute Kriterien zur Beurteilung von Finanzberatern.

    zu 1. Meine Erfahrung ist, dass es einige Anleger gibt, denen es wichtig ist, Erfahrungsberichte anderer “Verbraucher” zu lesen. Das gilt z.B. auch bei der Wahl des Urlaubhotels etc. Wie relevant diese Bewertungen tatsächlich sind (zumal sie ja manchmal auch manipuliert sind) steht auf einem anderen Blatt. Aber diese Internet-Bewertungsplattformen bedienen einfach dieses Bedürfnis der Leute, wie sinnhaft auch immer es sein mag.

    Klar sollte ja beispielsweise sein: Wenn ein Berater in einer bewertungsplattform ein Top-Ranking erhält heißt es natürlich nicht unbedingt, dass es sich auch tatsächlich um einen Top-Berater handelt. Es könnte auch sein, dass ein faktisch sehr guter Berater in den Bwertungsrankings sehr weit unten steht, einfach deswegen, weil er sich nie darum geschert hat, seine Kunden zur Abgabe von Bewertungen zu motivieren.

    zu 2. Gute Berater zu erkennen, ist sehr schwer, aber nicht unmöglich. Klar ist auch die Sehnsucht vieler, nach sehr einfachen Kriterien. Beispielsweise kursiert manchmal die Idee: Honorarberatung = Gute Beratung; Provisionsberatung = Schlechte Beratung. Eine solche Gleichsetzung ist tatsächlich zu simpel gedacht. Für mich steht vollkommen außer Frage: Es gibt extrem schlechte Honorarberater und es gibt hervorragende Provisionsberater. Ich selbst finde ja prinzipiell das Honorarmodell auch besser, aber das alleine kann nicht das Kriterium sein.

    Ein Kriterium, das ich übrigens für wichtig halte, ist folgendes: Berät der Anlageberater so, dass der Kunde am Ende – wenn er will – alles alleine ohne weitere Hilfe des Beraters umsetzen kann oder nicht?

    Ein guter Berater erklärt, meiner Meinung nach, dem Kunden, wie er eine Anlagestrategie, wenn er will, alles alleine umsetzen kann. Ein schlechter Berater besteht darauf, dass der Kunde allein und nur mithilfe des Beraters sein finanzielles Glück erreichen kann. Da sollten eigentlich alle Warnlämpchen angehen.

    Dr. Peterreins

    2 Apr 11 at 5:49 am

  9. Hallo Herr Dr. Peterreins,

    ein interessanter Einwurf von Ihnen!
    Zu 1) würde ich gerne mal die Frage in die Runde werfen, ob es denn überhaupt eine Hitliste sein muss? Finanzberatung ist eine tief individuelle Angelegenheit und das bezieht sich eben auch auf andere ARgumente von Punkt 1). Erwarten wir denn einen besten und einen schlechtesten? Sie haben die Gründe selbst genannt, warum das eigentlich so nicht gehen kann!

    2) Ja, das Bedürfnis liegt sehr nahe, ein komplexes Thema auf einfachste Kriterien herunter zu brechen. Was dann heraus kommt, ist aber nichtmehr aussagekräftig, weil es nicht ausreichend differnziert! Da sind wir dann nämlich wieder bei einer GUT / SCHLECHT Unterscheidung. Bei mybankrating haben wir das mit dem Hineinspielen des persönlichen Risikotyps des Users gelöst.

    Ein Bsp. dazu:
    Ein Berater hat (fiktiv) 175 Bewertungen, 100 mittelmäßig / schlechte, 75 gute.
    In einer SCHWARZ / WEIß betrachtung käme ein mittelmäßiger Durchschnitt für ihn heraus und er würde auch nicht wissen, warum 100 seiner Kunden einbfach ein Problem mit ihm zu haben scheinen. Er kann seinen Ansatz ebenso wenig ändern, weil er das Problem nichtmal erkennen kann.

    Dieses Szenario würde bei mybankrating ungefähr so aussehen: 100 Bewerter vom Typ konservativ gegen 75 Bewerter vom Typ moderat – offensiv. Die Konklusion wäre, dass Berater x offensichtlich zu risikoreiche Produkte empfielt, denn alle konservativen Kunden bewerten ihn weniger gut, aich wenn sein Auftreten usw. kosntant gleich ist. Berater x weiss nun, dass sein eigener Beratungsansatz auf volatileren Produkten beruht, er tendiert indirekt immer dazu. Er sollte sich als Zielgruppe also mglw. jüngere Leute aussuchen, wo diese Produkte langfristig passen oder sich dezidierter mit kosnervativen Produkten beschäftigen. Dass jeder Berater eine neutrale Bedarfsanalyse durchführt, ist unsinn. Auch die Bedarfsanalyse ist subjektiv geprägt. Mybankrating deckt nicht nur das auf, es unterstützt aucgh, dieses “menschliche” Verhalten positiv zu nutzen, bzw. anzupassen, einen Lerneffekt zu generieren. In unserem Bewertungssystem hätte Berater x für moderate – offensive Anleger gute Ratings, für konservative weniger gute, ergo würde sich sein Kundenstamm über mybankrating auch verlagern.

    Vereinfacht darstellen kann man die Kriterien so gut es geht und die Umsetzung der Bewertung, die Bewertung selber darf es meiner Meinung nach aber nicht sein, denn es geht hier um Menschen, Berufe und Reputationen. Da schwarz / weiß ran zu gehen sehe ich als sehr gefährlich und auch motivationshemmend.

    Der Punkt, dass es gute Berater gibt, die die Plattform nicht nutzen unterstreicht einmal mehr, dass eine Plattform nicht damit werben kann die besten Berater zu vermitteln. Allerdings ist eine gute Bewertungsplattform viel mehr als das – das Fenster in völlig neue Funktionen. Wer das als Berater nicht erkennt, scheint auch langfristig keine Neukunden zu benötigen.

    Ihren Punkt, den Kunden mehr zu integrieren, finde ich sehr gut! Wir (Bankkunden) sind doch nicht dumm. Wenn es darum geht gute Gebrauchtwagen zu finden, nutzen wir auch instinktiv Internetportale. Vor 20 Jahren war das noch undenkbar, da wussten wir nicht was für Gebrauchte es in der 20km entfernten Stadt gibt, heute haben wir einen Informationsvorteil gegenüber früher. Auch wenn die Kritieren bei Autos andere sind, im Prinzip geht es um Informationen, Vergleichbarkeit und dafür braucht man Transparenz. Und damit Transparenz sich lohnt, muss bewiesen werden, dass man mit transparenter Arbeit Geld verdienen kann und da fallen irgendwann die Worte – langfristige Kundenbeziehung. Die Bankkunden des Landes sind verteilt, sie wechseln idR nur Hauptkonten zwischen den Instituten und betreiben Patchwork Finanzmanagement: Gehaltskonto bei Bank-x, Geldanlage bei Bank-y, Kredit bei Bank-z. Warum? weil es hierbei eigentlich nur um Konditionen geht. Die “Hausbank” ist ein Wort von gestern und Banken die das propagieren, sind von gestern. Wenn man nun zum Differenzierungsfaktor “Preis” den Faktor “Qualität” hinzunimmt, kann man das Konstrukt möglicherweise positiv beeinflussen. Denn durch unsere Low – Cost Gier sind wir am Ende eigentlich selbst dran schuld, dass Beratungsleistung in Universalbanken teilweise so grottenschlecht geworden ist!

  10. Liebe Diskutanten,
    spannendes Thema mit neuem Öl ins Feuer: Heute erreicht mich die folgende Presseinfo:
    “Herbert Walter engagiert sich mit einem Anteil von 15 Prozent an dem Bewertungsportal WhoFinance. Die WhoFinance GmbH betreibt das erste unabhängige Bewertungsportal für Finanzberatung. Mit aktuell rund 15000 Finanzberater-Bewertungen durch Kunden ist es die Nummer eins am deutschen Markt. „WhoFinance ist eine hervorragende Plattform für Verbraucher, den richtigen Finanz- und Anlageberater zu finden. Zudem sehe ich ein großes Potenzial, das Angebot deutlich auszubauen“, sagt Walter, der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Dresdner Bank und Mitglied im Vorstand der Allianz SE. „Schon heute informiert sich jeder zweite Deutsche im Internet über Finanz- und Anlageprodukte und schließt dann bei einem Berater seines Vertrauens ab “, sagt Walter.

    Fazit: Da dürfte einerseits der neue Kapitalbedarf zur Expansion eine Rolle gespielt haben, andererseits scheint sich da doch ein gewisser Trend auszubilden. Es werden die nächsten Monate eine Reihe neuer Internetplattformen an den Start gehen.

    Meine persönliche Finanzflüsterer-Philosophie wäre jenseits der Orakelleserei eine ganz klare: Wenn der Berater an den Verlusten und Gewinnen beteiligt wäre, dann würde der Interessenkonflikt automatisch anders gelenkt werden. Ist natürlich illusorisch, zeigt aber die Pferdefüße jeglicher Bewertungsansätze….

    lochmaier

    4 Apr 11 at 3:24 pm

  11. Who Finance ist ein Witz. Es werden nur Mitbegründer genannt, wer genau dahinter steht, wird nicht offenbart. Jeder der sich diese Lobeshymnen durchliest, wird wissen woher der Wind weht. Im Allgemeinen neigt der Internetuser dazu, seinen Unmut Kund zu tun. Für Lob machen sich die wenisgten die Mühe.
    Wie erstaunlich, dass dies in der Finanzwelt anders sein soll.
    Das Portal ist lächerlich und eher ein Fingerzeig, für wie doof Berater und die Bankenwelt seine Kunden/Mandanten hält.
    Traurig und für mich eine der traurigsten Seiten Deutschlands.

    Marina

    22 Mrz 12 at 12:34 pm

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