Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

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Nomadenleben: Abschiedsbrief an meine Hausbank

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Liebe Hausbank – und nicht ganz so liebe Vermögensverminderer,

in der letzten Nacht fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Ich brauche Euch nicht mehr. Ihr holt mich wie der Ehemann seine Zweitfrau aus dem Schrank, wenn Ihr mich braucht, und stellt mich wieder zurück, wenn ich meine Schuldigkeit getan habe.

Mir ist klar: Unsere Beziehung ist zerrüttet, ich lasse mich jetzt scheiden, denn Ihr zwingt mich zu einem Nomadenleben, dauernd auf Achse, immer auf der Suche nach dem nächsten Schnäppchen.

Wenn ich Neukunde bei Euch geworden bin, senkt Ihr die Zinsen, und dann muss ich weiter ziehen ins nächste Dorf, wo ich auf eine neue grüne Oase mit frischem Wasser hoffe. Aber auch dort bin ich schnell enttäuscht, man schickt mich weiter, sobald es mir etwas besser geht.

Warum sprechen wir zwei so unterschiedliche Sprachen?

Ihr seid nicht loyal zu mir, also bin ich nicht loyal zu Euch. Ihr führt mich mit Euren windigen Produkten aufs Glatteis, jetzt muss ich weiterziehen. Denn ein Zuhause gibt es für mich nicht mehr, ich habe meine Heimat verloren. Durch das Dach meines Hauses dringt immer mehr Wasser von außen ein, bis es schließlich einstürzt.

Liebe Hausbanker und Vermögensjongleure, besucht mich bitte auch nicht mehr zuhause! Denn ich habe keines mehr. Eine Flasche Wein ist keine Entschuldigung für eine miserable Geldanlage.  Ich bin jetzt immer unterwegs, Ihr werdet mich nicht mehr finden. Dies ist mein letzter Brief, den ich Euch schicke.  Es ist alles gesagt.  Ich habe engültig mein neues finanzielles Nomadenleben begonnen. 

Hoch(ver)achtungsvoll Doktor Spar

Anmerkung: Dieser Artikel wurde geistig frei inspiriert durch diesen Blogeintrag, in dem eine Bank sich anschickte, seinen Kunden einen längeren Brief im sozialen Webuniversum zu schreiben:

National Australia Bank (NAB): „Break Up“ Social Media Kampagne?

Written by lochmaier

Februar 22nd, 2011 at 7:33 am

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7 Responses to 'Nomadenleben: Abschiedsbrief an meine Hausbank'

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  1. Sehr gut Dr. Spar!
    Sie haben keine andere Wahl, ja wollen es Ihre Banken und Finanzdienstleister ja sogar, indem Sie es mit Preis – Kampfansagen an die Konkurrenz herauf beschwören. Dass diese Dumpingpreise niemals die selbstgesteckten Qualitätsziele für eine Kundenstammpflege sichern, wird in dieser “Preis über alles Strategie” offensichtlich schnell vergessen!
    Ist Geiz denn immernoch geil?
    Oder – wie dumm sind wir, dass wir Geiz jemals geil fanden? Sollten wir uns vieleicht nicht sogar selbst für unser Nomadenleben danken?

    In diesem Sinne,
    Beste Grüße
    Alexander Majonek

  2. Leider sehnt sich die Mehrheit der Bürger nach einer festen Höhle statt nach einem frei in Eigenregie gestalteten Leben (siehe die Unterstützung für [Dr.] von und zu Guttenberg. Für mich war das Nomadenleben immer schon die deutlich spannendere Variante. Vielleicht aber können sich auch andere die “Vasallen-Philosophie” nicht mehr leisten. Oder wie ich es in meinem kleinen Banken-Manifest zum
    Common Banking oder dem “freundlichen Banken-Manifest“ ausdrücke:

    Die Übernahme der allzu gefräßigen großen Finanzindustrie durch die niedere menschliche Schwarmintelligenz steht bevor.

    lochmaier

    22 Feb 11 at 1:05 pm

  3. Diese Entwicklung kann ich kaum erwarten(!), doch wir sollten aufpassen was für ein mächtiges Werkzeug wir da in der Hand halten, wenn wir den Massen die Möglichkeit der sofortigen Meinungsverbreitung geben um auf Konsensresultate zurück zu greifen.

    Solange das “wie” nicht hinreichend gelöst und vereinheitlicht ist, könnte Episode-2 “Das Imperium schlägt zurück” lauten.

    Alexander Majonek

    22 Feb 11 at 4:21 pm

  4. Auch die heterogene Internetgemeinde wird dazu lernen müssen. Es geht hier nicht um ungeprüften Idealismus, sondern um eine Professionalisierung, die gerade bei Wikileaks und anderen Inititiativen noch bevor steht. Aber ich bin da optimistisch, auch was Phase 2 angeht, denn letztlich ist das Internet als kreatives Werkzeug zu dominant, damit die alten Hierarchien so weiter bestehen können. Dass die Nahtstellen selten bruchlos verlaufen, ist klar, aber neues, sofern es produktiv in der Mitte der Gesellschaft verankert ist, setzt sich a la longue immer durch. “Die Bank sind wir”, in der der Kunde die Regie mitführt (nicht ausschließlich, sondern in einem klar struktierierten Prozess), ist also weit mehr als ein Marketingslogan. Sicherlich sind die beiden Kernbereiche des Lebens – die Pharma- und die Finanzindustrie – jene, die am meisten von ihrem über der Gesellschaft angesiedelten Status über Jahrhunderte profitiert haben. Aber sie werden letztlich nicht darum herum kommen, sich wieder stärker in der Mitte der Gesellschaft zu positionieren, zumindest die Banken, bei der Pharmalobby bin ich mir da nicht ganz so sicher. Es hängt auch davon ab, wohin die Masse tendiert. Schaut man sich die Unterstützung für das Guttenberg-Plagiat in der Bevölkerung an, so wird deutlich, dass die Götterdämmerung die sozialen Schichten mit weniger Durchblick noch nicht erreicht hat.

    lochmaier

    22 Feb 11 at 4:42 pm

  5. Auch die heterogene Internetgemeinde wird dazu lernen müssen. Es geht hier nicht um ungeprüften Idealismus, sondern um eine Professionalisierung, die gerade bei Wikileaks und anderen Inititiativen noch bevor steht. Aber ich bin da optimistisch, auch was Phase 2 angeht, denn letztlich ist das Internet als kreatives Werkzeug zu dominant, damit die alten Hierarchien so weiter bestehen können. Dass die Nahtstellen selten bruchlos verlaufen, ist klar, aber neues, sofern es produktiv in der Mitte der Gesellschaft verankert ist, setzt sich a la longue immer durch. „Die Bank sind wir“, in der der Kunde die Regie mitführt (nicht ausschließlich, sondern in einem klar struktierierten Prozess), ist also weit mehr als ein Marketingslogan. Sicherlich sind die beiden Kernbereiche des Lebens – die Pharma- und die Finanzindustrie – jene, die am meisten von ihrem über der Gesellschaft angesiedelten Status über Jahrhunderte profitiert haben. Aber sie werden letztlich nicht darum herum kommen, sich wieder stärker in der Mitte der Gesellschaft zu positionieren, zumindest die Banken, bei der Pharmalobby bin ich mir da nicht ganz so sicher. Es hängt auch davon ab, wohin die Masse tendiert. Schaut man sich die Unterstützung für das Guttenberg-Plagiat in der Bevölkerung an, so wird deutlich, dass die Götterdämmerung die sozialen Schichten mit weniger Durchblick noch nicht erreicht hat.

    lochmaier

    22 Feb 11 at 4:47 pm

  6. Wie wahr, wie wahr! Leider…

    Benny

    28 Feb 11 at 8:21 am

  7. [...] gibt es eigentlich keine wirklich guten Hausbanken [...]

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