Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

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Crowdfunding: Die Peanuts-Revolution hat begonnen

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Heute ist auf dem Smava-Blog im Rahmen einer Serie mein Gastbeitrag zum Crowdfunding erschienen: Wie sich die Welt auch ohne die Banken im Netz weiter dreht - Crowdfunding trifft Social Lending.

Dass sich da etwas wirklich Neues auftut, das nach oben, bis in die ganz große Finanzwelt hinein “skalieren” kann, das wird an folgendem Blogeintrag deutlich, bei dem ein Mitarbeiter aus der Innovationsabteilung von SWIFT um Unterstützung für eine neue und bessere Bank in Höhe von einer Milliarde US-Dollar wirbt:  Banks for a better world? 

Manche werden fragen: Spielen jetzt die ganz normalen Mitarbeiter eines globalen Finanzdienstleisters oder einer Bank schon verrückt? Ein bisschen vielleicht, oder doch nicht…

Zunächst: Nicht jeder, der Visionen hat, sollte gleich zum Arzt rennen. Ich würde Crowdfunding aus Sicht der Banken, die sich durch nuterzbasierte Modelle bedroht fühlen und sie deshalb unterschätzen oder ignorieren, nicht ganz so skeptisch sehen. Wer mit der Zeit geht, könnte auch profitieren.

Und: Sicherlich – Deutschland ist im Netz immer der Nachfolger von Trends aus den USA. Ist das aber so schlimm? Wichtig ist etwas anderes, die andere Mentalität hierzulande. Die mangelnde Risikoneigung, kurz: die German Angst vor dem Scheitern.

Also lautet das Motto: Besser einen Beamtenjob ergattern als Unternehmer werden, wo man auch scheitern kann. Und dann ist man für immer unten durch, der Lebenslauf ist schwarz gefärbt. Klar ist, gerade hier kann Crowdfunding dazu beitragen, einen anderen ökonomischen wie sozialen Blickwinkel auf die unternehmerische Risikowahrnehmung zu erhalten.

Viele erwarten vom Netz kurzfristige Erfolge, dabei spielt sich das Entscheidende zunächst unterhalb der Wasseroberfläche ab, und irgendwann überspringt eine Innovation dann die kritische Wahrnehmungsschwelle und wird zum Massenphänomen. Beim Crowdfunding geht es allerdings um Geld, und da ist jeder Mensch zurecht kritisch.

Hier kommt, wenn Sie so wollen, auch ein positiver deutscher Charakterzug zum Tragen, nämlich eine konservative Grundeinstellung zu einigen manchmal überbewerteten Hypes aus den USA. Man sollte seine zehn Kreditkarten und die Überziehungszinsen schon genauer im Blick haben. Also ist Crowdfunding ein vielschichtiges Phänomen, das sich lokal sehr unterschiedlich ausprägen wird.

Welche Hürden muss Crowdsourcing nehmen, um die Finanzindustrie zu revolutionieren? Zunächst: Crowdfunding hat tatsächlich das Potential, die Bankenwelt zu revolutionieren. Es könnte längerfristig betrachtet sogar der Super-Gau für die klassische Finanzwelt sein, so wie wir so kennen. Was passiert, wenn die Nutzer plötzlich sagen: Meine Bank nimmt hohe Gebühren, sie ist eine Black Box, ich verstehe die Produkte nicht. Und es gibt plötzlich Alternativen, den eigenen Geldstrom selbst kreativer zu lenken.

Warum nicht via Crowdfunding und Social Lending, bei dem IT-Dienstleister quasi in die Rolle der Bank als zentrale Vermittlungsinstanz rücken? Das ist die eine Seite der Medaille, die großen Chancen und das hohe Wachstumspotential im Netz. Die Herausforderung, nachhaltige Geschäftsmodelle zu etablieren, hängt indes von den jeweiligen auch rechtlichen und strukturellen Rahmenbedingungen ab.

Auch die sind lösbar, es wird eine Synergie, quasi ein Verschmelzen zwischen Social Lending und Crowdfunding, geben. Diesen kreativen und dadurch umso nachhaltigeren Doppelschlag wird die etablierte Industrie zunächst ignorieren, dann versuchen dagegen zu halten und schließlich nutzerzentrierte Bankenmodelle versuchen zu kopieren.

Gelingt das? Wohl kaum, wenn die bisherige “Top-down-Philosophie” beibehalten wird. Andererseits müssen die Betreiber der neuen Geschäftsmodelle natürlich seriös und solide arbeiten, sonst wendet sich eine Community rasch wieder ab, wenn die neuen Heilsbringer den hohen Anspruch nicht wirklich einlösen. „Soziale“ Trittbrettfahrer eines Hypes sind also rechtzeitig zu enttarnen.

Was hemmt die Entwicklung der Business Crowdfunder? In der Tat sind die Transaktionskosten nicht leicht zu durchschauen – auch nicht bei einigen neuartigen Modellen. Beim Social Lending etwa liegen sie nicht in allen Bonitätsklassen besser als bei einem klassischen (Online-)Kreditvermittler. Hier gilt es also, kühlen Kopf zu bewahren und die Modelle auch anhand von harten und validen Faktoren nachzuprüfen bzw. zu vergleichen.

Der springende Punkt ist ein ganz anderer: Es geht auch um den kommunikativen bzw. verbindenden Faktor von Geld, der durch neue Wertschöpfungsmodelle wie das internetbasierte Crowdfunding erst möglich wird.

Das ist sozusagen ein „Surplus“, das man quasi indirekt auch in die ökonomische Kosten-Nutzen-Betrachtung einfließen lassen muss. Allerdings lässt sich dieser Mehrwert nicht beliebig skalieren, sprich, unter dem Strich muss Crowdfunding für junge Unternehmen, Existenzgründer und Selbstständige klar nachvollziehbare Vorteile bieten.

Hier stehen wir mit Blick auf unternehmensbasierte Geschäftsmodelle erst am Anfang einer freilich sehr spannenden Entwicklung. Die Preisfrage: Kann es auch einen ROI geben, für Tranchen jenseits der Millionengrenze? Wir werden dazu mittelfristig sicherlich ein „hybrides“ Social Banking Modell benötigen, im kreativen Spagat quasi zwischen Distanz und Nähe.

Ohne persönlichen Kontakt geht es bei der Geldallokation sicherlich nicht immer, auf der anderen Seite sind die Vorteile der virtuellen Welt evident. Aber: Klassische Road Shows und Investorenpräsentationen sind teuer, und da gilt es sorgfältig zu überlegen, wo man als Start up sein Geld möglichst produktiv und aussichtsreich platziert.

Allerdings bleibt den meisten der Canossa-Gang und das Vorbeten bei den Investoren nicht ganz erspart, da Crowdfunding bislang und vermutlich auch noch einige Zeit hinaus meist eine ergänzende Art der Kapitaleinwerbung darstellt. Wie wird die Zukunft verlaufen, der die meisten selbst ernannten Experten nur hinterher reden, wenn ein Ereignis schon eingetreten ist, statt ohne Schwarz-Weiß-Malerei darüber zu reden?

Ob sich die Informations- und Machtsymmetrie durch Business Crowdfunding (wie ich es bezeichne) verschieben wird, ist derzeit spekulativ. Aber schauen wir doch mal hinter die Kulisse, wie es derzeit läuft. Hat der Gründer so viel zu sagen, wenn er sich einem externen Geldgeber ausliefert? Eventuell wird es also ein paar Verschiebungen bei den Machtkkoordinaten zwischen Investorengemeinde und Unternehmer geben, deren Ausmaß noch kaum abzuschätzen sind.

Die Mahner sagen: So könne der schlanke Evaluierungsprozess für den Unternehmer nur eine eingeschränkte betriebliche Nabelschau (Due Diligence) mit Blick auf zukünftige Investoren zulassen, war eine der Antworten aus der klassischen VC-Szene, die ich im Rahmen meiner vielfältigen Recherchen zu diversen Artikeln immer wieder erhalten habe.

Man malt gar ein Damoklesschwert an die Wand: Dies könne zu Gesellschaftern führen, die nicht zum Unternehmen passten, was ein erhebliches Konfliktpotenzial in sich berge. Außerdem könne Crowdfunding zur Gesellschafterzersplitterung und zu administrativer Komplexität führen, wenn die Stimmen der Gesellschafter nicht entsprechend gepoolt würden.

Stimmt das wirklich? Die weitere Entwicklung wird uns die Antwort geben. Sicherlich, der „Canossa-Gang“ bleibt natürlich den meisten aufstrebenden Himmelsstürmern nicht erspart. Aber warten wir doch mal ab, wie das neue Ökosystem namens Crowdfunding gedeiht und wächst. Ich würde mal mutig folgendes prognostizieren: Wenn es den Dienstleistern und der Community gemeinsam gelingt, ein nachhaltiges zielgruppenorientiertes Geschäftsmodell zu etablieren, dann hat es eine große Zukunft vor sich.

Es wird von vielen Experten, Ökonomen oder Bankmanagern zwar immer noch als eine kleine „Peanuts-Ökonomie“ angesehen, die freilich mit dem Siegeszug der sozialen Netzwerke enorm nach oben skalieren kann. Vor allem gilt dies dann, wenn wir weitere Krisenszenarien in der Finanzwelt sehen, und gerade jüngere und gut ausgebildete Internetnutzer sich nicht nur von den Etablierten sondern auch von deren finanziellem, nur einseitig für vergangene Eliten „nachhaltigen“ Ökosystem, abwenden.

Written by lochmaier

Mai 31st, 2011 at 3:01 pm

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2 Responses to 'Crowdfunding: Die Peanuts-Revolution hat begonnen'

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  1. [...] Nachtrag: Herr Lochmaier hat einen ergänzenden Kommentar zu diesem Gastbeitrag in seinem Blog veröffentlicht: Crowdfunding – Die Peanuts-Revolution hat begonnen [...]

  2. [...] Crowdfunding gibt es natürlich nicht nur im sozialen/gesellschaftspolitischen Bereich, sondern vor allem bei künstlerischen und kulturellen Projekten – dort hat es auch seinen Ursprung. Es kann aber für jede beliebige Idee genutzt werden, so zum Beispiel auf mysherpas.com. Leander Wattig hat in seinem Blog die wohl umfangreichste Liste von Crowdfunding-Marktplätzen zusammengesetllt. Und wer Crowdfunding für Privatkredite (Peer-to-Peer-Kredite) nutzen will, wird zum Beispiel bei smava fündig. Ob dies dann auch gleich auf unser gesamtes Banken-System Auswirkungen hat, bleibt abzuwarten. Aber zumindest kann man wohl sagen: „Die Peanuts-Revolution hat begonnen!“  [...]

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