Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

.

Interview mit Alexander Boldyreff von der TeamBank AG: Wie „easy“ und „sexy“ kann ein Darlehen sein – Peer-to-Peer-Kredite als Konkurrenz für klassische Anbieter?

with 2 comments

Sowohl die Banken als auch die Internetanbieter von Konsumentenkrediten stehen unter Rendite- und Margendruck. Den nächsten Angriff auf die Vormachtstellung der Banken hat die kürzlich gegründete “soziale” Kreditbörse Lendico gestartet. Einerseits scheint es schwierig zu sein, das Rad der Kreditvergabe komplett neu zu erfinden. Andererseits dürfte die Zukunft zumindest mit Blick auf den mündigen Anleger dem Crowdfunding gehören, wo der Kunde sein Geld selbst steuert und im passenden Zielgebiet platziert.

Zu derart brennenden Fragestellungen hat sich Social Banking 2.0 mit dem Vorstandvorsitzenden Alexander Boldyreff von der TeamBank AG in Nürnberg unterhalten. Zum Hintergrund: Deren Tochtergesellschaft easyCredit vergibt Konsumentenkredite im Kontext der Genossenschaftlichen FinanzGruppe Volksbanken Raiffeisenbanken. Die TeamBank AG Nürnberg unterliegt der Aufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin).

Interview [Sponsored Post] mit Alexander Boldyreff – exklusiv für Social Banking 2.0

Social Banking 2.0: Herr Boldyreff, sehen Sie soziale Kreditbörsen wie die soeben von namhaften Investoren gegründete Online-Plattform lendico.de eher als Bereicherung an, oder handelt es sich vielmehr um einen neuen Wettbewerber für die klassischen Anbieter von Konsumentenkrediten?

Alexander Boldyreff: Wir beobachten die Aktivitäten von lendico, auxmoney, smava usw. aufmerksam. Das sind interessante Geschäftsmodelle, die wir jedoch als Wettbewerber eher in der Nische betrachten. So können darüber auch Bonitäten angesprochen werden, die für das Portfolio eines klassischen Kreditanbieters zu riskant wären.

Social Banking 2.0: Mit Smava, Auxmoney und lendico gibt es nun in Deutschland insgesamt drei private Kreditmarktplätze im Netz. Mit welchen Argumenten reagieren Anbieter wie easyCredit auf den sich dadurch intensivierenden Wettbewerb?

Alexander Boldyreff: Wie andere Anbieter reagieren kann ich Ihnen nicht sagen. Wir als easyCredit setzen nach wie vor auf unsere Fairnessmerkmale und achten auf eine konsequente Ausrichtung auf den Kunden. Dazu gehört für uns auch die absolute Nutzerfreundlichkeit unserer Online-Bestellstrecke sowie die Möglichkeit für unsere Kunden sich über alle Kanäle beraten zu lassen und dann abschließen zu können. So halten wir neben dem easyCredit-Beratungsangebot in den Volksbanken Raiffeisenbanken auch im Internet eine Chat- oder Videoberatungsfunktion bereit.

Und wichtig: Verantwortung im Kreditgeschäft hat für uns oberste Priorität. Bei uns erhält der Kunde nur dann einen Kredit, wenn er sich diesen auch leisten kann.

Social Banking 2.0: Gehen wir das Thema Konsumentenkredite etwas grundsätzlicher an. Wenn ich heute einen passenden Kreditanbieter suche, dann kann ich im Netz die Konditionen vergleichen. Ist der Gang in die Online-Welt immer die bessere Variante oder empfiehlt sich auch weiterhin ein Testlauf in einer Bankfiliale oder das Gespräch mit einem Finanzberater?

Alexander Boldyreff: Das kommt darauf an. Wenn ich genau weiß, was ich möchte, stellt das Internet auf jeden Fall eine gute Lösung dar.  Voraussetzung ist aber, dass der Bestellvorgang auch so aufgebaut ist, dass sich der Kunde weitestgehend ohne fremde Hilfe zurechtfindet.

Ist sich der Kunde jedoch noch nicht sicher, was er genau möchte oder hat er z. B. noch andere Kreditverpflichtungen empfehle ich weiterhin den Gang in die Filiale. Denn dort kann sich der Berater mit der individuellen Kundensituation auseinandersetzen und das für diese Situation optimale Angebot erstellen.

Social Banking 2.0: Der Wettbewerb um die besten Kreditkonditionen hat sich – verstärkt durch die Niedrigzinspolitik der Notenbanken – weiter intensiviert. Wie beurteilen Sie diesen Trend, wie „sozial“ muss der Prozess einer Darlehensvergabe sein, wie „sexy“ und „easy“ kann er anderseits vom Anbieter gestaltet sein, um den Kunden anzulocken?

Alexander Boldyreff: Wir nehmen derzeit einen deutlichen Preis- und Verdrängungswettbewerb wahr. Als Qualitätsanbieter distanzieren wir uns davon ganz klar und setzen auf Leistung. Wir sind fest davon überzeugt, dass diese Haltung sich auf lange Sicht durchsetzt. Kurzfristige Gewinnmaximierung – ist nicht unser Ziel und passt auch nicht zu unseren genossenschaftlichen Werten.

Social Banking 2.0: Die Überschuldung der Haushalte nimmt derzeit in Deutschland weiter zu. Provokant formuliert: Manche Menschen gilt es eher vor einer Darlehensaufnahme zu schützen, als diesen leichtfertig einen Kredit aufzuschwatzen. Wie beurteilen Sie diesen Spagat, den Menschen einerseits kleine Träume mit Hilfe von Konsumkrediten erfüllen zu können, sie aber andererseits nicht in die Verschuldungsspirale hinein zu treiben?

Alexander Boldyreff: Menschen mit einem  Kredit  in die Überschuldung zu treiben hat nichts mit seriösem und fairem Kreditgeschäft zu tun.

Social Banking 2.0: Welche Kreditzwecke stehen denn derzeit in Deutschland bei den Kreditnehmern hoch im Kurs. Gibt es speziell neue Trends neben gängigen Autofinanzierungen, Elektronik- und Haushaltsgeräten oder dem nächsten Traumurlaub auf Pump finanziert?

Alexander Boldyreff: Autofinanzierungen stehen nach wie vor ungeschlagen an erster Stelle, gefolgt von Möbeln, Unterhaltungselektronik, Renovierungen und Haushaltsgroßgeräten. Beim Traumurlaub ist die Finanzierungsbereitschaft hingegen nur gering ausgeprägt. Komplett neue Trends sehen wir dabei nicht.

Social Banking 2.0: Welches wären denn aus Ihrer Sicht genossenschaftliche Prinzipien bei der Vergabe von Konsumentenkrediten?

Alexander Boldyreff: Wir begleiten den Kunden über die komplette Laufzeit. So haben Kunden die Möglichkeit ihren Ratenkredit auch an ihre aktuelle Lebenssituation anzupassen. Wir bieten individuelle Angebote, die konkret auf die Bedürfnisse des Kunden zugeschnitten sind. Ganz wichtig ist für uns das verantwortliche Kreditgeschäft. Dazu gehört es für uns auch, Nein zu sagen, wenn wir zur Erkenntnis gelangen, dass der Interessent seinen Kredit mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht zurückzahlen kann.

Social Banking 2.0: Die Finanzkrise hat deutlich aufgezeigt, dass es gerade die von Banken und anderen Finanzanbietern ausgereichten Darlehen waren, die eine Spekulationsblase im Bereich von Immobilienkrediten in den USA, Spanien und anderen Ländern verursacht haben. Kann es hier überhaupt eine Blaupause für eine „sozial verantwortliche“ Kreditvergabe geben?

Alexander Boldyreff: Entsprechende Initiativen gibt es. So hat die britische Finanzaufsichtsbehörde FSA in England eine Initiative zur Sicherstellung einer fairen Behandlung der Kunden im Umgang mit Finanzdienstleistern eingeführt. Diese nennt sich ”Treating Customers Fairly” kurz ”TCF”, ist bindend für alle Interaktionen mit dem Kunden und deren Einhaltung wird auch überprüft.

Solche Leitlinien sind hilfreich. Denn die Realität zeigt, dass doch einige Wettbewerber den Fairness-Aspekt in ihrer Kommunikation nutzen OHNE diesen mit Leistungsmerkmalen unterfüttern zu können.

easyCredit hat erst kürzlich ein sehr umfassendes Audit durchlaufen, das auf Basis einer Studie des iff  -Institut für Finanzdienstleistung – konzipiert wurde. Über 200 Kriterien machen hier faires Kreditgeschäft messbar. Für mein Gefühl setzen wir hier einen absoluten Branchenstandard.

Social Banking 2.0: Ließen sich, anknüpfend an die vorherige Frage, konkrete Richtlinien für eine nachhaltig gestaltete Corporate Social Responsibility (CSR) ableiten, oder wäre das zu hoch gegriffen?

Alexander Boldyreff: Das wäre meines Erachtens zu viel. So kann man feststellen, dass es heute schon Leitplanken wie den Wucherzins oder auch die Verpflichtung zur Ausgabe des Produktinformationsblattes gibt.

Aber man muss dennoch auch dem Unternehmen Freiheiten geben sich zu differenzieren und das eigene Angebot auszugestalten. Eine konkrete Messung und Evaluation von Fairness kann mit der vorhin erwähnten Zertifizierung tatsächlich erfolgen und das halte ich auch für erstrebenswert. Die Branche hat ihr Image und damit ihr Glück selbst in der Hand – so können wir auf Richtlinien und weitere regulatorische Initiativen getrost verzichten.

Social Banking 2.0: Derzeit gibt es gerade im Bereich der Baufinanzierung zahlreiche Lockangebote, die mit einer „Null-Prozent-Finanzierung“, oder sagen wir besser mit dem Vorteil von unschlagbar günstigen Hausbau- oder Wohnungskaufdarlehen werben. Wie würden Sie vorgehen, wenn Sie sich für ein derartiges Angebot anhand Ihres verfügbaren Haushaltseinkommens und dem vorhandenen Vermögen entscheiden müssten, ob das für Sie in Frage kommt?

Alexander Boldyreff:  Mein Lieblingsthema. Die Null-Prozent-Finanzierungen klingen auf den ersten Blick immer sehr verlockend. Aber hier lohnt sich eine genauere Betrachtung und ein Preisvergleich. Neben versteckten Mehrkosten kommt natürlich die fehlende Beratung durch qualifizierte Berater zum Tragen. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass Verbraucher den Überblick über ihre finanziellen Verhältnisse verlieren und in eine finanzielle Schieflage geraten. In unserem easyCredit-Blog gibt es dazu einen Beitrag. Ich persönlich schätze faire Angebote, bei denen drin ist, was drauf steht.

Social Banking 2.0: Unter welchen Voraussetzungen würden Sie persönlich für sich einen Kredit in Anspruch nehmen, was ist Ihre Philosophie (to do’s und don’t do’s) ?

Alexander Boldyreff: Ich habe eine Prämisse von Jugend an gelernt: Sie heißt „vorsparen ist besser als nachsparen“. Wobei ein Kredit nichts anderes als  „nachsparen“ ist. Wenn ich mich für „nachsparen“ entscheiden würde, würde ich insbesondere auf Einfachheit und Transparenz Wert legen. Auch bei Bankgeschäften gilt: Nur was man inhaltlich vollständig durchdringt, kann man bewusst entscheiden.  Ansonsten: Finger weg!

Social Banking 2.0: Und eine letzte Frage: Wie wird die Landschaft der Konsumentenkredite in fünf bis zehn Jahren aussehen. Wird sich die Ropo-These möglicherweise umkehren und wandert die gesamte Kreditvergabe ins Netz, oder scheint diese Mutmaßung zu hoch gegriffen?

Alexander Boldyreff: Sicher ist, dass der Anteil an Krediten, die im Netz recherchiert und  bzw. oder abgeschlossen werden, deutlich zunehmen wird. Diesem Trend begegnen wir natürlich. So bieten wir durch den Einsatz von Videoberatung und Chat die Möglichkeit, Beratung auch im Internet zu erhalten. Nach wie vor wird aber auch der stationäre Verkauf wie zum Beispiel in den Volksbanken Raiffeisenbanken aufgrund des persönlichen Kontakts, eine wesentliche Rolle spielen. Wir haben es mit unterschiedlichen Menschen zu tun, die unterschiedliche Anforderungen haben und ein unterschiedliches Kaufverhalten zeigen – das fordert uns, macht aber auch den Reiz aus.

Vielen Dank für das Gespräch.

Interview: Lothar Lochmaier

Links:

www.easycredit.de/blog

www.facebook.com/easycredit.de

https://twitter.com/easyCredit_de

Written by lochmaier

Dezember 16th, 2013 at 8:02 am

Posted in Uncategorized

2 Responses to 'Interview mit Alexander Boldyreff von der TeamBank AG: Wie „easy“ und „sexy“ kann ein Darlehen sein – Peer-to-Peer-Kredite als Konkurrenz für klassische Anbieter?'

Subscribe to comments with RSS or TrackBack to 'Interview mit Alexander Boldyreff von der TeamBank AG: Wie „easy“ und „sexy“ kann ein Darlehen sein – Peer-to-Peer-Kredite als Konkurrenz für klassische Anbieter?'.

  1. […] dem gestern veröffentlichten Interview zum manchmal fragwürdigen Sex Appeal von Krediten zwischen Alb- und Wunschtraum noch eine persönliche Anekdote dazu: Neulich hörte ich im Cafe eine […]

  2. Vielen Dank für den Beitrag bezüglich Darlehen. Crowdfunding und P2P Kredite sind ja sehr interessante Themen, deren Entwicklung man weiterhin verfolgen sollte. Vermutlich ist eine Kombination aus den beiden Kredit Vergabemethoden in Zukunft am dominantesten. Da die Zinsen momentan kaum Rendite abwerfen, treten Vermögende Privatpersonen gerne als Kredit Geber auf. Davon profitieren auch die Kredit Nehmer.

    Lukas Bregentz

    9 Jan 14 at 9:39 pm

Leave a Reply

Current month ye@r day *