Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

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Bitmint-Fabrik: Digitales Geschäftsmodell für Zentralbanken?

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Im letzten Teil dieser dreiteiligen Serie stellt sich die Frage, ob es einen Markt für digitale bzw. virtuelle Währungseinheiten gibt, den die Währungshüter selbst gestalten und bedienen können. Oder bleibt all dies nur ein fiktives Gedankenexperiment?

Wie schon der vorangangene Beitrag (siehe oben) liegen hier die Gedanken von Lutz Martiny sowie Helmut Scherzer zugrunde. Als Quellen dienen vorwiegend deren Vorträge im Rahmen der Omnicard 2014 sowie dem Chip-to-Cloud Security Forum. Weiteres zu den Personen ebenso im vorangegangenen Beitrag. Folgend werden BitNotes aus Sicht der einzelnen Anwender diskutiert.

1. Zentralbanken als Bitmint-Fabriken

Die Zentralbanken haben erhebliche Aufwendungen zu tätigen, um Bargeld herstellen zu lassen, in Umlauf zu bringen, auf weitere Nutzung zu überprüfen, aus dem Verkehr zu ziehen, zu erneuern und zu transportieren. „Die Frage der Wirtschaftlichkeit wird solange nicht gestellt, wie es keinen gleichwertigen oder sogar überlegenen Ersatz gibt. Es wäre eine Analyse wert, was es kostet, den heutigen Geldverkehr eines Währungsraumes sicherzustellen und den Kosten gegenüberzustellen, die eine Bitmint-Fabrik verursacht, wenn ‚x Prozent’ des Geldes nur noch in BitNotes umlaufen würden“, argumentiert Lutz Martiny. Welche Partner könnten davon profitieren – und auf welche Weise?

2. Geschäftsbanken oder dienstleistende Unternehmer als Bitmint-Fabrik

Da BitNotes die Repräsentation realen Geldes einer Währung sind, wird beim Umtausch physisches Geld hinterlegt. Mit diesem Geld kann die Bitmint-Fabrik arbeiten – also entweder die Bank oder der Unternehmer. Er muss es nämlich erst dann wieder in physisches Geld umwandeln, wenn der Verbraucher dieses zum Umtausch einreicht. Solange die Bank oder der Unternehmer im Besitz des realen Geldes ist, kann sie oder er damit im Rahmen der geltenden Gesetze arbeiten.

Neben der Dienstleistung, BitNotes zu generieren, können aber auch Dienstleistungen einer Trusted Third Party angeboten werden, beispielsweise die Erstellung zweckgebundenen Geldes oder die Führung eines Backup-Kontos. Für diese Zusatzleistungen können im Zweifel Gebühren verlangt werden. Da BitNote nicht an eine physische Übergabe gebunden ist, sondern über ein Internet-Portal oder eine Applikation auf dem Smartphone übertragen werden kann, können laut Lutz Martiny gegebenenfalls Kosten gesenkt werden, etwa durch den Wegfall von Geldausgabeautomaten oder die Reduktion von Personal in den Geschäftsstellen – je nach Szenario und Zielanwendung.

3. Händler als BitNote-Nutzer

Es lohnt sich die gängigen Zahlungswege miteinander zu vergleichen. Heute bezahlt der Kunde zwar beim Händler in bar. Zwar erhält dieser sein Geld sofort, aber er hat andererseits auch die stetige Last mit dem Management von Bargeldbeständen zu tragen. Wenn der Kunde mit der Girokarte bezahlt, ist das Geld binnen 24 Stunden auf seinem Konto. Zahlt der Kunde mit der Kreditkarte, entrichtet der Händler die Gebühren an die jeweilige Kreditkartenorganisation.

Der Vorteil der BitNote: Der Händler hätte sein Geld sofort und würde keinen Vertrag mit einem Zahlungsanbieter wie Visa, MasterCard oder PayPal benötigen. Die Bitmint-Fabrik würde ihm dagegen vermutlich eine volumenabhängige Flatrate in Rechnung stellen, er zahlt also nicht pro Transaktion. Schließlich könnte auch der Händler noch über eine Trusted Third Party die Backup-Funktion der Bitmint-Fabrik in Anspruch nehmen, um vor Verlust und dubiosen Kunden geschützt zu sein.

4. Der Verbraucher als Bitmint-Nutzer

Der größte Nutznießer von BitNotes wäre laut Lutz Martiny jedoch der Verbraucher selbst: Er könnte Geld von jedermann erhalten, ob privat oder geschäftlich. Erhältlich wäre das digitale Geld zu jeder Zeit und an jedem Ort, ohne Suche nach einem Geldautomat. Der Kunde könnte es zudem digital „sicher“ in Kopie aufbewahren, auch wenn er Währungen tauschen muss. Das gleiche Prinzip gelte auch für internationale Überweisungen, wofür er keine weiteren Dienstleister wie Western Union mehr benötigt. Und schließlich könnte der Verbraucher auch die weiteren Dienstleistungen aus der Bitmint-Fabrik in Anspruch nehmen.

Pro und Contra

Letztlich rief das Konzept auf der Omnicard 2014 beim fachkundigen Publikum aus Bankenkreisen und Finanzdienstleistern ein geteiltes Echo hervor. Zahlreiche Hemmnisse und regulatorische Hürden wurden als kritisch genannt, die ein allzu simples Einschwenken der Währungshüter beziehungsweise Zentralbanken auf ein derartiges Konzept auf Grundlage von BitNote beziehungsweise der Bitmint-Fabrik erschweren, wenn nicht sogar unmöglich machen. Als zentrale Hürde daneben genannt wurde insbesondere der eingeschränkte Verwendungsbezug sowie die Zweckbindung der Zahlung.

Da Geld in seinen vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten, so die Kritik, grundsätzlich nicht eingeschränkt sein soll, bildet dies eine der zentralen Hürden bei der Etablierung eines derartigen neuen digitalen Geschäftsmodells. Unklar sind auch noch andere Aspekte wie der Bezug zum eigenen Konto, Fragen zur steuerlichen Behandlung, Aspekte des Jugendschutzes oder die inhärenten Risiken beim Diebstahl digitaler Identitäten. Dennoch stellt das Konzept einen interessanten Ausgangspunkt zur weiteren Entwicklung in Richtung virtuelle Währungshüter dar, eine Evolution, die freilich derzeit kaum ein Experte vorherzusehen vermag.

 

 

Written by lochmaier

Mai 12th, 2014 at 9:38 am

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2 Responses to 'Bitmint-Fabrik: Digitales Geschäftsmodell für Zentralbanken?'

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  1. […] Auf SocialBanking 2.0 veröffentlichte der Wirtschaftsjournalist und Payment Experte Lothar Lochmaier einen interessanten Artikel über ein mögliches Szenario, in dem die Zentralbanken selbst zum E-Payment-Provider werden… […]

  2. Die Zweckbindung ist ein rein optionales machbares Feature, keine notwendige Bedingung des BitMint systems. Somit kann der Verwendungsbezug auch keine Einschränkung des Systems sein.

    Andere Kritikpunkte beziehen sich indes nicht auf die BitMint Lösung, sondern sind Fragen, die sich bei digitalem Geld grundsätzlich zu stellen sind.

    Die Währungsbindung hat viele Vorteile, einer davon ist auch, dass man viele der mit digitalem Geld verbundenen Zweifel und Fragen nahezu 1:1 auf Papiergeld abbilden kann und dort auch Antworten findet. (Beispiel: Jugendschutz)

    Helmut Scherzer

    18 Sep 14 at 11:08 am

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