Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

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RocketInternet: Fintech-Szene professionalisiert sich

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Gestern habe ich zufällig im Berliner Straßenbild ein großes Plakat gesehen, das zeigt, dass neue Ansätze im Finanzwesen zwar keine rasche Demokratisierung einleiten – sie aber dennoch dynamisch von den Rändern in die Mitte der Gesellschaft hinein wachsen – ein Bild dazu sagt vielleicht mehr als tausend Worte:

https://d21buns5ku92am.cloudfront.net/41272/images/131731-09cd54d0-3ae1-45be-aabe-44d0c5a120be-deutsche_kreditmarktplaetze-large-1401123718.png

Zur Erläuterung dazu kurz aus der heutigen Pressemitteilung:

Deutsche Kreditmarktplätze gelauncht – Rocket Internet baut weiter auf Fin-Tech

Deutsche Kreditmarktplätze sind die heute gestartete Online-Präsenz auf der Lendico und Zencap eine Alternative zu Banken für deutsche Privatanleger wie auch private Kreditnehmer und Unternehmen vorstellen. Anleger können direkt in Kreditprojekte von Privatpersonen und mittelständischen Unternehmen investieren.

Mehr dazu unter:  http://zen-cap.pr.co/77780-deutsche-kreditmarktplatze-gelauncht-rocket-internet-baut-weiter-auf-fin-tech.

Oder direkt auf www.deutsche-kreditmarktplätze.de

 

 

 

Written by lochmaier

Mai 27th, 2014 at 8:06 am

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Elektroautos: Läuft Tesla deutschen Herstellern den Rang ab?

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Ob amerikanische Anbieter wie Tesla oder aber die asiatischen Billigproduzenten beim Elektroauto das Rennen machen, ist derzeit offen. Aber klar ist auch: Deutschland muss auch im eigenen Land mehr Gas geben, um Schritt zu halten.

Eine Untersuchung des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) hat ergeben, dass Deutschland in Sachen Elektromobilität nur schleppend vorankommt. Anfang des Jahres haben die Forscher in Deutschland 17.500 Elektroautos gezählt. Damit liegt Deutschland nur auf dem siebten Platz, noch hinter Frankreich, Holland und Norwegen.

Weltweit hat sich die Zahl der Elektrofahrzeuge im Jahr 2013 auf über 400.000 verdoppelt, wobei die Vereinigten Staaten mit 174.000 Fahrzeugen ganz vorne liegen, gefolgt von Japan mit 68.000 und China mit 45.000 Fahrzeugen. Laut Daten des ZSW werden Elektroautos also hauptsächlich in den USA, Japan und China nachgefragt, ein Tatbestand, den die ZSW-Forscher auf bestimmte Marktanreizprogramme in diesen Ländern zurückführen.

In diesem Punkt ist den Ulmer Forschern sicherlich zuzustimmen. Denn E-Autos werden nur dann gekauft, wenn man sie bezahlen und auch eine längere Strecke mit ihnen fahren kann. Will Deutschland den Anschluss an die E-Mobilität nicht verpassen, wird es also nicht umhin kommen, insbesondere auch das Reichweiten- und Ladeproblem zu lösen.

Handlungsdruck kommt diesbezüglich vor allem auch aus den USA. Der US-Amerikaner Elon Musk, Gründer und Erfinder von Tesla Motors, fackelt da nicht lange. Für seine Kunden in Deutschland hat er landesweit exklusiv Ladestationen einrichten lassen, so dass sie ihre Teslas auch aufladen, sprich überhaupt mit ihnen fahren können. Das Beispiel macht deutlich, wie dringend es ist, dass Deutschland eine eigene Antwort auf das Ladeproblem findet.

Hoffnung machen diesbezüglich zwei Großprojekte zum Ausbau der Ladeinfrastruktur, die Anfang April auf der Hannover Messe vorgestellt wurden: die Charge Lounges und SLAM, ein Schnellladenetz für Achsen und Metropolen, das vorsieht, bis zum Jahr 2017 rund 400 Schnellladesäulen einzurichten. Hinter SLAM stehen unter anderem die Autohersteller BMW, Daimler, Porsche und VW sowie der Energieversorger EnBW.

Mit den Charge Lounges wollen das Fraunhofer Institut und der Verkehrsleitsystemhersteller Swarco entlang der A8 und A9 schon bald 30 Schnellladestationen einrichten, an denen vor allem Ökostrom gezapft und das Auto innerhalb von 30 Minuten „aufgetankt“ werden kann. Während der Ladezeit sollen es sich die Kunden bequem machen können. Zur Ladestation gehören nämlich ein Loungebereich mit Kaffeemaschine und W-Lan, zusätzlich soll sogar ein Konferenzraum gemietet werden können. Bis 2016 wollen die Projektpartner noch mindestens 70 weitere solcher Charge Lounges entlang deutscher Autobahnen einrichten.

Der Ausbau des Schnellladenetzes ist zu begrüßen und weist in die richtige Richtung. Allerdings werden diese Maßnahmen bei Weitem nicht ausreichen. Schon allein die unterschiedlichen Ladestecker, die es für die japanischen, US-amerikanischen und europäischen Auto-Modelle gibt, stellen ein schier unüberwindbares Problem für die Fahrer von E-Autos dar. Sie müssen dringend vereinheitlicht werden, um sicherzustellen, dass sie ihr Auto an jeder Ladestation aufladen können, und zwar unabhängig davon, welchen Typ sie fahren.

Auch bezüglich des Speicherproblems liegen die US-Amerikaner vorn und mahnen zur Tat. So hat Elon Musk kürzlich mit einer neuen Idee Furore gemacht. Mit einer eigenen Batteriefabrik, die er so viel versprechend wie wegweisend „Gigafactory“ nennt, will er künftig Akkus für seine Tesla-Flotte herstellen.

Anfang April wurde bekannt, dass Daimler diesem Beispiel folgen und das Batteriegeschäft in Eigenregie fortführen will. Der Stuttgarter Autobauer übernimmt die Anteile des Chemiekonzerns Evonik am gemeinsamen Batteriehersteller Li-Tec Battery. Li-Tec produziert großformatige Lithium-Ionen-Batteriezellen, die zu Batterien für Elektroautos weiterverarbeitet werden, wie sie etwa für den Elektro-Smart von Daimler, dem in Deutschland meistverkauften E-Auto, benötigt werden.

Für die Entscheidung, ob ein Elektroauto gekauft wird oder nicht, spielt, neben der Speicherkapazität und Ladeinfrastruktur, natürlich auch der Preis eine Rolle. Und auch in diesem Punkt legt Tesla vor. Schon seit längerem bastelt der E-Autobauer an einem Mittelklassemodell, das auch für den Durchschnittsverdiener erschwinglich ist. In diesem Vorhaben könnte Tesla nun vom neuen Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) unterstützt werden, der mittels günstiger KfW-Kredite Anreize zum Kauf eines E-Autos schaffen will.

Abgesehen davon, scheint die Bundesregierung beim Thema E-Mobilität ernsthaft vorankommen zu wollen. Ihr ehrgeiziges Ziel: Bis 2020 sollen eine Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen fahren. Daher hat der neue Verkehrsminister auch schon einen konkreten Entwurf für ein Elektromobilitätsgesetz ausgearbeitet, mit dem er die Rahmenbedingungen für den Kauf und die Nutzung von Elektroautos deutlich verbessern will. Erste Bemühungen sind also eingeleitet, so dass es jetzt darauf ankommt, die angesprochenen Maßnahmen möglichst schnell in die Tat umzusetzen.

Written by lochmaier

Mai 20th, 2014 at 9:22 am

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Interview mit Prof. Dr. Klaus Fichter, Gründer und Leiter des Borderstep Instituts für Innovation und Nachhaltigkeit: Brückenbauer für eine Green Economy – Was deutsche Start-ups von Kalifornien lernen können – und umgekehrt

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Interview [sponsored post] – exklusiv für Social Banking 2.0

Über die deutsche Hauptstadt, die sich auch im Bereich von Umwelttechnologien mit zahlreichen Startups im Aufwind befindet, habe ich an dieser Stelle bereits im Februar hier berichtet. Frische Ideen kommen aber nicht nur von innen. Auch Kooperationen auf nationaler wie internationaler Ebene, um die Akteure zu vernetzen, spielen eine immer wichtigere Rolle. Dies ist eine Aufgabe, der sich auch das unabhängige und ebenfalls in Berlin angesiedelte Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit verschrieben hat.

Im Gespräch mit Social Banking 2.0 skizziert der Gründer und Leiter Prof. Dr. Klaus Fichter, wie Deutschland – als einer der führenden Spieler im Bereich der Umwelttechnik und Energieeffizienz auf dem Weltmarkt – und kalifornische Forscher- und Unternehmerinitiativen im Bereich der Green Economy voneinander profitieren können.

Social Banking 2.0: Herr Fichter, welche Rolle spielt die Green Economy in den USA im Vergleich zu Deutschland?

Prof. Dr. Klaus Fichter: Die Green Economy, also eine Wirtschaftsweise, die Wohlstand mit ökologischer Nachhaltigkeit und sozialer Gerechtigkeit verbindet, spielt in beiden Ländern eine zunehmend wichtigere Rolle. Das ist auch dringend nötig, wie der ökologische Fußabdruck in beiden Ländern zeigt. Dieser Indikator gibt an, wie viel Umweltressourcen die Bewohner eines Landes für ihren Lebensstil im Durchschnitt in Anspruch nehmen. Das wird dann auf die Fläche umgerechnet, die man für die Bereitstellung dieser Umweltressourcen braucht. Aktuell braucht ein US-Bürger im Durchschnitt über neun Hektar, ein Deutscher vier Hektar. Nachhaltig wären aber maximal 1,8 Hektar nach den Analysen des Global Footprint Network. Sowohl die US-Amerikaner als auch wir Deutschen pflegen also ein Konsumniveau, das nicht nachhaltig ist und auf Kosten anderer Länder und zukünftiger Generationen geht. Um das zu ändern, brauchen wir eine rasante Steigerung der Ressourceneffizienz und den Wandel zu einer klimaneutralen Ökonomie.

In Deutschland fokussiert die Debatte um eine „Green Economy“ aktuell vor allem auf die Energiewende sowie die Steigerung von Energieeffizienz und des Einsatzes erneuerbarer Energien. In USA ist das regional sehr unterschiedlich. In Kalifornien z.B. ist die Wasserversorgung ein zentrales Thema. Das liegt zum einen daran, dass zu viel Wasser verbraucht wird und die Wasserressourcen aufgrund von Dürren zunehmend knapper werden. Es hängt aber auch mit der Tatsache zusammen, dass die Wassergewinnung und der Wassertransport gewaltige Mengen an Energie verschlingen. Im Großraum Los Angeles gehört die Wasserwirtschaft zu den größten Energieverbrauchern.

Die Gemeinde Los Angeles hat deshalb eine Clean Tech Initiative gestartet. Das Ziel der Stadtverwaltung ist, innerhalb der nächsten Jahre zur weltweiten Cleantech Hauptstadt aufzusteigen und so nicht nur wirtschaftlich zu neuen Wegen zu suchen, sondern auch zum Beispiel die Wasserfrage zu lösen. Das Los Angeles Department of Water and Power nutzt zu 20 Prozent erneuerbare Energien. Das wäre vor ein paar Jahren noch undenkbar gewesen. Der Hafen von Los Angeles hat einen eigenen Inkubator angestoßen (PortTechLA), durch den Technologien entwickelt und an den Markt gebracht werden sollen, um den Hafen und die dort abgewickelten Geschäfte nachhaltig umzugestalten.

Die Stadtverwaltung Los Angeles initiierte darüber hinaus die Gründung des LA Cleantech Inkubators, des größten Cleantech Inkubators der Region Los Angeles. Das ist ein Gründerzentrum, das speziell Start-ups der Green Economy unterstützt und innovative Lösungen für mehr Ressourceneffizienz fördern soll. In Kalifornien gibt es übrigens schon eine ganze Reihe von Gründerzentren, die sich auf Umwelttechnologien und grüne Produkte spezialisiert haben. Wie eine Analyse des Borderstep Instituts zeigt, ist der Anteil solcher Zentren in Kalifornien deutlich höher als in Deutschland.

Dass die Szene der grünen Gründer auch in Deutschland rasant wächst, beweist der Borderstep Gründungsmonitor. Nach unseren Untersuchungen beschäftigen sich aktuell knapp 14 Prozent der Start-ups in Deutschland mit grünen Innovationen und Dienstleistungen.

Social Banking 2.0: Wo liegen die Kraftzentren der grünen Technologien in den USA?

Prof. Dr. Klaus Fichter: Vor allem die Region Los Angeles und San Francisco in Kalifornien setzen auf Umwelt- und Energietechnologien. Los Angeles entwickelt im Rahmen seiner Cleantech Initiative eine ganze Industriebrache in Downtown LA für die Ansiedlung von Cleantech Firmen. Dazu gehört auch der bereits erwähnte LA Cleantech Incubator. Das hat gute Gründe. Nach einer Studie des Pacific Institutes sind 19 Prozent des kalifornischen Strombedarfs und 32 Prozent des Erdgasverbrauchs des Staates durch den Wasserbedarf verursacht. Wer in Kalifornien Zukunft denkt, muss für nachhaltige Lebensstile und für saubere Technologien sorgen. Auch die Stadt New York hat nach dem Hurrikan Sandy „grüne“ Themen für sich entdeckt und befasst sich jetzt verstärkt mit dem Thema Klimaanpassung.

Aus den regionalen Umwelt- und Wirtschaftsherausforderungen und den spezifischen Gründungs- und Innovationskulturen heraus, entstehen unterschiedliche Herangehensweisen an die Lösung von Nachhaltigkeitsproblemen. Manche pfiffige Erfindung entsteht an der einen Stelle schneller oder wird entschiedener vorangetrieben als in einer anderen Region. Deshalb lohnt es sich, einen Erfahrungs- und Lösungsaustausch zwischen verschiedenen führenden Innovationsstandorten zu organisieren. Das ist der Grund, warum das Borderstep Institut seit einem Jahr einen Mitarbeiter in San Francisco hat, der an Kooperationsprojekten mit Partnern in Kalifornien arbeitet.

Wir verstehen uns als Brückenbauer für eine Green Economy. Unser Ziel ist eine „green innovation bridge“ zwischen Deutschland und Kalifornien. Deshalb beziehen wir jetzt zusätzlich ein Büro im LA CleanTech Incubator in Los Angeles, um die Wissens-Brücke weiter auszubauen. Im Herbst führt das Borderstep Institut zum Beispiel eine Delegation von deutschen Start-ups zum Cleantech LA Global Showcase, einem internationalen Treffen der Umwelttechnologie-Branche.

Social Banking 2.0: Was können deutsche Start-ups denn von Kalifornien lernen?

Prof. Dr. Klaus Fichter: In den USA geht man Themen oft unternehmerischer und dynamischer an. Davon können grüne Gründer aus Deutschland profitieren, wenn sie mit ihrer Idee den Sprung über den großen Teich wagen. Andererseits verfolgen Deutschland und Kalifornien vergleichbare wirtschafts- und umweltpolitische Ziele. Gerade was die Gesetzgebung angeht, wird Kalifornien manche überraschen.

Social Banking 2.0: Wie sieht es mit dem lieben Geld aus, hüben wie drüben?

Prof. Dr. Klaus Fichter: In Deutschland haben wir ein exzellentes öffentliches Fördersystem für Gründungen. Das ermöglicht eine breite Streuung von Gründungen und Geschäftsmodellen, aber nur wenige Start-ups werden groß. In den USA setzt man auf privates Risikokapital. Deutsche Jungunternehmerinnen und –unternehmer wollen ihr Unternehmen erfolgreich gründen und dann langfristig wachsen, sie sehen darin eine Lebensperspektive. Amerikaner setzen in der Regel von Anfang an darauf, ihre gute Idee schnell zu Geld zu machen und wieder zu verkaufen.

Social Banking 2.0: Wie will das Borderstep Institut den Brückenbau zwischen zwei offenbar doch recht verschiedenen Unternehmerkulturen gestalten?

Prof. Dr. Klaus Fichter: Wir tragen das Beste aus beiden Regionen zusammen und setzen vor allem auf Wissenstransfer. Die kalifornische Gründerszene schaut ein wenig neidisch auf die umfangreiche staatliche Forschungs- und Innovationsförderung in Deutschland. In Deutschland werden Umwelttechnologien flächendeckend als Zukunftsmarkt verstanden. Wir planen ein umfassendes Qualifizierungsprogramm mit Möglichkeiten zum praktischen Erfahrungsaustausch für beide Seiten. Mit unserem Wissen wollen wir etwas bewegen. Gerade haben wir ein Abkommen über eine transatlantische Kooperation mit dem Global Social Benefit Institute der Santa Clara University geschlossen. Das ist die älteste kalifornische Universität und sitzt mitten im Silicon Valley, also dort wo enorme Summen an Risikokapital in Innovationen und neuen Unternehmen investiert werden. Gemeinsam mit den Kollegen vor Ort entwickeln wir ein Qualifizierungsprogramm für Investmentmanager im Bereich des sogenannten „Impact Investing”. Dabei sollen die Investmentmanager lernen, wie sie Kapital so in Projekten und Unternehmen anlegen können, dass es einen hohen gesellschaftlichen Nutzen stiftet, also einen positiven wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen „Impact“ erzeugt.

Social Banking 2.0: Bei so viel Austausch – gibt es da Konkurrenz um neue Umweltideen am Markt?

Prof. Dr. Klaus Fichter: Abschottung ist die falsche Strategie. Die wohlüberlegte Öffnung und Kooperation ist im globalen Wettbewerb sicherlich das aussichtsreichere Konzept. In der Betriebswirtschaftslehre sprechen wir von „Coopetition“, also von Kooperation im Wettbewerb. Auch im Standortwettbewerb lässt sich sinnvoll kooperieren und eine Menge voneinander lernen, zum gegenseitigen Nutzen und vor allem zur schnellen Entwicklung und Verbreitung nachhaltiger Lösungen.

Interview: Lothar Lochmaier

Links: Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit: www.borderstep.de

Über die Aktivitäten von Borderstep in den USA (englisch): www.borderstep.org

Und noch ein zusätzlicher Veranstaltungshinweis für die Leser:

Experten-Workshop: Leaders in Green Innovation

Das Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit organisiert am 20. Mai 2014 im Charlottenburger Innovationszentrum (CHIC) einen Expertenworkshop mit dem Titel „Leaders in Green Incubation“.

Die Veranstaltung dient zur Vorbereitung eines Austauschprogramms (Landing Pad Program) in Zusammenarbeit mit dem Los Angeles Cleantech Incubator aus Kalifornien, USA. Dessen Direktor, Fred Walty, kommt für diesen Workshop nach Berlin, um gemeinsam mit Borderstep und Vertretern von grünen Gründerzentren aus Deutschland sowie Nord- und Westeuropa die Zusammenarbeit in der Förderung von Start-Ups der Green Economy voranzutreiben.

Das Ziel ist es, jungen Unternehmen aus den USA und Europa einen mehrmonatigen Erfahrungsaustausch mit Gründern auf der jeweils anderen Seite des Atlantiks zu ermöglichen.

 

 

Written by lochmaier

Mai 14th, 2014 at 1:12 pm

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Bitmint-Fabrik: Digitales Geschäftsmodell für Zentralbanken?

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Im letzten Teil dieser dreiteiligen Serie stellt sich die Frage, ob es einen Markt für digitale bzw. virtuelle Währungseinheiten gibt, den die Währungshüter selbst gestalten und bedienen können. Oder bleibt all dies nur ein fiktives Gedankenexperiment?

Wie schon der vorangangene Beitrag (siehe oben) liegen hier die Gedanken von Lutz Martiny sowie Helmut Scherzer zugrunde. Als Quellen dienen vorwiegend deren Vorträge im Rahmen der Omnicard 2014 sowie dem Chip-to-Cloud Security Forum. Weiteres zu den Personen ebenso im vorangegangenen Beitrag. Folgend werden BitNotes aus Sicht der einzelnen Anwender diskutiert.

1. Zentralbanken als Bitmint-Fabriken

Die Zentralbanken haben erhebliche Aufwendungen zu tätigen, um Bargeld herstellen zu lassen, in Umlauf zu bringen, auf weitere Nutzung zu überprüfen, aus dem Verkehr zu ziehen, zu erneuern und zu transportieren. „Die Frage der Wirtschaftlichkeit wird solange nicht gestellt, wie es keinen gleichwertigen oder sogar überlegenen Ersatz gibt. Es wäre eine Analyse wert, was es kostet, den heutigen Geldverkehr eines Währungsraumes sicherzustellen und den Kosten gegenüberzustellen, die eine Bitmint-Fabrik verursacht, wenn ‚x Prozent’ des Geldes nur noch in BitNotes umlaufen würden“, argumentiert Lutz Martiny. Welche Partner könnten davon profitieren – und auf welche Weise?

2. Geschäftsbanken oder dienstleistende Unternehmer als Bitmint-Fabrik

Da BitNotes die Repräsentation realen Geldes einer Währung sind, wird beim Umtausch physisches Geld hinterlegt. Mit diesem Geld kann die Bitmint-Fabrik arbeiten – also entweder die Bank oder der Unternehmer. Er muss es nämlich erst dann wieder in physisches Geld umwandeln, wenn der Verbraucher dieses zum Umtausch einreicht. Solange die Bank oder der Unternehmer im Besitz des realen Geldes ist, kann sie oder er damit im Rahmen der geltenden Gesetze arbeiten.

Neben der Dienstleistung, BitNotes zu generieren, können aber auch Dienstleistungen einer Trusted Third Party angeboten werden, beispielsweise die Erstellung zweckgebundenen Geldes oder die Führung eines Backup-Kontos. Für diese Zusatzleistungen können im Zweifel Gebühren verlangt werden. Da BitNote nicht an eine physische Übergabe gebunden ist, sondern über ein Internet-Portal oder eine Applikation auf dem Smartphone übertragen werden kann, können laut Lutz Martiny gegebenenfalls Kosten gesenkt werden, etwa durch den Wegfall von Geldausgabeautomaten oder die Reduktion von Personal in den Geschäftsstellen – je nach Szenario und Zielanwendung.

3. Händler als BitNote-Nutzer

Es lohnt sich die gängigen Zahlungswege miteinander zu vergleichen. Heute bezahlt der Kunde zwar beim Händler in bar. Zwar erhält dieser sein Geld sofort, aber er hat andererseits auch die stetige Last mit dem Management von Bargeldbeständen zu tragen. Wenn der Kunde mit der Girokarte bezahlt, ist das Geld binnen 24 Stunden auf seinem Konto. Zahlt der Kunde mit der Kreditkarte, entrichtet der Händler die Gebühren an die jeweilige Kreditkartenorganisation.

Der Vorteil der BitNote: Der Händler hätte sein Geld sofort und würde keinen Vertrag mit einem Zahlungsanbieter wie Visa, MasterCard oder PayPal benötigen. Die Bitmint-Fabrik würde ihm dagegen vermutlich eine volumenabhängige Flatrate in Rechnung stellen, er zahlt also nicht pro Transaktion. Schließlich könnte auch der Händler noch über eine Trusted Third Party die Backup-Funktion der Bitmint-Fabrik in Anspruch nehmen, um vor Verlust und dubiosen Kunden geschützt zu sein.

4. Der Verbraucher als Bitmint-Nutzer

Der größte Nutznießer von BitNotes wäre laut Lutz Martiny jedoch der Verbraucher selbst: Er könnte Geld von jedermann erhalten, ob privat oder geschäftlich. Erhältlich wäre das digitale Geld zu jeder Zeit und an jedem Ort, ohne Suche nach einem Geldautomat. Der Kunde könnte es zudem digital „sicher“ in Kopie aufbewahren, auch wenn er Währungen tauschen muss. Das gleiche Prinzip gelte auch für internationale Überweisungen, wofür er keine weiteren Dienstleister wie Western Union mehr benötigt. Und schließlich könnte der Verbraucher auch die weiteren Dienstleistungen aus der Bitmint-Fabrik in Anspruch nehmen.

Pro und Contra

Letztlich rief das Konzept auf der Omnicard 2014 beim fachkundigen Publikum aus Bankenkreisen und Finanzdienstleistern ein geteiltes Echo hervor. Zahlreiche Hemmnisse und regulatorische Hürden wurden als kritisch genannt, die ein allzu simples Einschwenken der Währungshüter beziehungsweise Zentralbanken auf ein derartiges Konzept auf Grundlage von BitNote beziehungsweise der Bitmint-Fabrik erschweren, wenn nicht sogar unmöglich machen. Als zentrale Hürde daneben genannt wurde insbesondere der eingeschränkte Verwendungsbezug sowie die Zweckbindung der Zahlung.

Da Geld in seinen vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten, so die Kritik, grundsätzlich nicht eingeschränkt sein soll, bildet dies eine der zentralen Hürden bei der Etablierung eines derartigen neuen digitalen Geschäftsmodells. Unklar sind auch noch andere Aspekte wie der Bezug zum eigenen Konto, Fragen zur steuerlichen Behandlung, Aspekte des Jugendschutzes oder die inhärenten Risiken beim Diebstahl digitaler Identitäten. Dennoch stellt das Konzept einen interessanten Ausgangspunkt zur weiteren Entwicklung in Richtung virtuelle Währungshüter dar, eine Evolution, die freilich derzeit kaum ein Experte vorherzusehen vermag.

 

 

Written by lochmaier

Mai 12th, 2014 at 9:38 am

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BitNote: Wenn die Europäische Zentralbank digitales Geld druckt

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Stellen wir eine scheinbar abwegige Fragestellung in den Raum: Was wäre, wenn die obersten Währungswächter selbst digitales Geld druckten und in Umlauf brächten, statt möglicherweise Bitcoins und andere Spielarten – ob berechtigt oder unberechtigt – „nur“ zu verbieten?

Das nun folgende Gedankenexperiment gründet zum einen auf einem Vortrag des Unternehmensberaters Lutz Martiny auf der Fachkonferenz Omnicard 2014 in Berlin.

In wesentlichen Grundzügen fußt dieses auf einem Whitepaper von Helmut Scherzer, Senior Principal Expert im Chief Technology Office (CTO) beim Münchner Technologiekonzern Giesecke & Devrient (G&D). Dieses stellte der Experte auf dem Chip-to-Cloud Security Forum im September 2013 in Nizza vor. Zunächst fasse ich die wesentlichen Gestaltungselemente der BitNote zusammen:

Es liegt auf der Hand, dass digitales Geld zunächst alle Kriterien erfüllen muss, die wir an physisches Geld, also den Geldschein und die Münze stellen. Welches sind diese Kriterien? Physisches Geld muss sich eindeutig einer Währung zuordnen lassen. Die Geldmenge müsste von einer (Zentral-)Bank kontrolliert sein. Digitales Geld müsste auch bis zur kleinsten Währungseinheit teilbar sein. Das heißt: Es müsste auch Wechselgeld vorhanden sein. Sowohl online als auch offline sollten Transaktionen möglich sein. Und abschließend soll Bargeld auch noch fälschungssicher sein.

Random# – n x 32 Byte

Laut Einschätzung von Lutz Martiny sind bisher alle neuen Konzepte zu virtuellen Währungseinheiten entweder ganz gescheitert oder sie waren nur von begrenzter Durchschlagskraft – sei es Digicash, Faircash, Mondex, also jegliche Art von Wallets und auch Bitcoin, die die durch analoges Geld vorgegebenen Filterkriterien im Wesentlichen nicht erfüllten. Lediglich Bitmint erfülle alle relevanten Kriterien. Zudem sei es fälschungssicher. Letzteres Kriterium werde durch eine selbst von Quantencomputern nicht zu aufzulösende Verschlüsselungsprozedur gewährleistet.

Wie ist dies möglich? Die Größe des Betrages der an dieses Konzept angelehnten Zahlungseinheit BitNote wird durch die Anzahl n der 32-Byte-Blöcke repräsentiert. Im Klartext: Bei einem Betrag von 100 Euro läge die Anzahl der Blöcke à 32 Byte bei 10.000, was eine beliebige Stückelung des Betrages in Cent ermöglicht. Die Wahrscheinlichkeit, diese Zufallszahl Random# – n x 32 Byte zu erraten, sei unendlich klein und tendiere gegen Null. Im übrigen basiert jede erzeugte BitNote auf der Einzahlung eines real existierenden Währungswertes, sprich eines Geldscheines beziehungsweise einer Münze einer staatlich regulierbaren Währung.

Diese Zufallszahl wird nun im Rechner der Bitmint-Fabrik, das ist die herausgebende (Zentral-)Bank, gespeichert und von dort auf das Gerät des Einzahlenden verschlüsselt übertragen. Für den ebenfalls unwahrscheinlichen Fall, dass eine Zufallszahl erneut generiert wurde, wird diese durch Vergleich mit den gespeicherten Zahlen eliminiert und eine neue Zufallszahl generiert.

Im Gerät des Einzahlenden liege die BitNote als bei der Bitmint-Fabrik registrierte Zufallszahl wie in einer analogen Geldbörse vor, so Lutz Martiny weiter – allerdings in digitaler Form. Ein kryptologischer Angriff auf BitNote sei dadurch unmöglich, da hier gar kein kryptologisches Verfahren zum Einsatz gelange. Existierende und künftige Rechnerarchitekturen (wie beispielsweise Quantencomputer) könnten somit auch keine Verschlüsselung knacken, da diese gar nicht existiere.

Zweckgebundenes Geld

Man kann eine BitNote unmittelbar gegen Bargeld oder eine neue und sogar gleichwertige BitNote eintauschen, ohne Kosten auf dem Server der Bitmint-Fabrik zu verursachen. Genau diesen Vorgang verwendet der Empfänger eines Online-Zahlungsvorgangs: Wenn die eingereichte BitNote noch auf dem Server registriert ist (Note ist gültig), so wird sie dort gelöscht und dem Empfänger eine neue BitNote übermittelt – also eine Zufallszahl. Der ursprüngliche Sender, also der Zahlende, kann von diesem Moment an nichts mehr mit der alten BitNote anfangen.

Stellen Sie sich nun vor, Sie möchten einen Geldbetrag zweckgebunden an jemanden bezahlen. Wenn Sie Bargeld übergeben, dann müssen Sie sich darauf verlassen, dass der Empfänger es genau für den beabsichtigten Zweck ausgibt. Sie können auch ein Anderkonto bei einem Notar einrichten, von dem aus das Geld nur auf ein zweckgebundenes Konto überwiesen wird.

Alternativ dazu können Sie aber auch einen Geldbetrag bei der Bitmint-Fabrik zweckgebunden erzeugen lassen, das heißt: Die erzeugte(n) BitNote(s) erhalten Attribute, so dass diese „ausschließlich“ zur Zahlung für einen Hauskredit, ein Auto oder beispielsweise für Fachbücher ausgegeben werden können. Die derart gekennzeichneten BitNotes wären dann zweckgebunden und für den Kauf anderer Gegenstände und Waren unbrauchbar. Und genau in diesem Bereich sieht Lutz Martiny für Schadensversicherungen, Sozialleistungen und andere Transferleistungen eine Vielzahl von Anwendungen als realisierbar an.

Repräsentanz realer Geldeinheiten

Sie haben Ihr Smartphone verloren oder es ist gestohlen worden und Ihre BitNotes sind im Gerät gespeichert? Auch hierfür gibt es eine Lösung: BitNotes ließen sich beliebig kopieren, das heißt die Nutzer können ein Backup auf ihrem PC zuhause speichern oder sie können dieses in der Cloud bei einer vertrauenswürdigen Drittpartei hinterlegen. Im Falle eines Verlustes hätte der Kunde dann eine Kopie seiner BitNotes bei der Bitmint-Fabrik einzureichen, diese gegebenfalls für ungültig erklären zu lassen beziehungsweise sich neue BitNotes ausstellen zu lassen. Ein realer Verlust oder Schadensfall wäre so laut Lutz Martiny nur dann möglich, wenn der Finder oder der Dieb eines Smartphones die besagte(n) BitNote(s) schon ausgegeben hätte, und zwar bevor der Anwedner den Verlust des Gerätes bemerken würde.

Wie einleitend und im ersten Teil dieser Serie (Digitales Geld der Währungshüter) beschrieben, kann eine offizielle Währung nur von einer Nationalbank begeben werden. Insofern unterliegt diese der Kontrolle der Zentralbank, keine Geschäftsbank darf den Druck von Geldscheinen oder die Prägung von Münzen in Auftrag geben. Die BitNote wäre somit letztlich keine vollkommen eigenständige Währung, sondern die digitale Repräsentanz einer realen Geldeinheit.

Der Kunde zahlt beispielsweise real 100 Euro bei der Bitmint-Fabrik ein und erhält dafür in der gewünschten Stückelung BitNotes im Werte von ebenfalls 100 Euro. Das Monopol der Zentralbank sei damit, so führt Lutz Martiny weiter aus, nicht tangiert, wenn eine Geschäftsbank oder ein Unternehmer sich als Bitmint-Fabrik am Markt etabliere, denn dadurch werde die Geldmenge nicht erhöht. Die Zentralbank könnte jedoch auf diesem neuen Weg selbst BitNotes erzeugen statt reale Geldscheine auszugeben. Diese BitNotes müssten dann allerdings der umlaufenden Geldmenge zugerechnet werden.

Giesecke & Devrient/Lutz Martiny/LL

 

Schlussfolgernd entsprechen Bitmint beziehungsweise die digitale Einheit BitNotes laut Lutz Martiny allen Kriterien, die für physisches Geld gültig seien. Mehr noch, sie erfüllten darüber hinaus weitere Anforderungen, denen wiederum das physische Geld nicht genügen könne:

  • kann von beliebiger Bank/beliebigem Unternehmer herausgegeben werden,
  • kann zweckgebunden übertragen werden,
  • kann zur Sicherung kopiert werden,
  • hat größtmöglichen Diebstahlsschutz.
    Im letzten Teil dieser Serie diskutiere ich noch einmal Pro und Contra eines derartigen Gestaltungsansatzes.

 

 

Written by lochmaier

Mai 5th, 2014 at 8:59 am

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Verrückte Idee? Digitales Geld der Währungshüter

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Unabhängig vom weiteren Schicksal der virtuellen Währungseinheit Bitcoin: Staatliche Institutionen rufen virtuelle Währungen ins Leben – ein abwegiger Gedanke. Oder doch nicht?

Digitales Geld direkt von den Zentralbanken ausgegeben? Die Idee klingt tollkühn, aber vielleicht wird es in ein bis zwei Jahrzehnten so weit sein, dass sich auch die Rolle der Geldschöpfer auf fundamentale Art und Weise wandelt und sich immer tiefer ins Netz hinein verlagert. Jenseits von sozialen Klischees und übertriebenen Erwartungen natürlich.

Blicken wir aber erst einmal in die Definition hinein: Was sind Zentralbanken? Das Gabler Wirtschaftslexikon definiert sie wie folgt:

Eigenständige staatliche Institution, die mit der Währung der Aufgaben der Geldpolitik betraut ist und über ein Emissionsmonopol verfügt. In den einzelnen Ländern gibt es verschiedene Grade der Unabhängigkeit der Zentralbank und unterschiedliche Aufteilungen der geldpolitischen Einzelkompetenzen zwischen den Zentralbanken und den Regierungen. Im Zuge der Europäischen Währungsunion (EWU) wurde in der EU das Europäische System der Zentralbanken (ESZB) geschaffen.

Natürlich könnte man jetzt viele Seiten füllen und zum Aufgabenspektrum der Währungshüter ins Detail gehen. Aber im Kern geht es hier vor allem um das Emissionsmonopol. Denn dieses könnten die Zentralbanken irgendwann genauso gut auf virtuelle Währungseinheiten ausdehnen. Schließlich blieb es vor gut 100 Jahren auch nicht bei einigen wenigen Automobilen oder Eisenbahnen, die Pferdegespanne als Transport- und Fortbewegungsmittel nach und nach ganz ersetzt haben.

Und mit dem Internet verhält es sich in analoger Art und Weise: Kurzfristig neigen wir dazu, dessen Wirkung zu überschätzen, langfristig jedoch genauso gut zu unterschätzen. Was wäre also wenn, ja wenn die Währungshüter ihr eigenes Selbstverständnis neben dem Drucken von physischem Geld – bildlich gesprochen – vom Droschkenkutscher Band auch auf die Funktion virtuelles Emissionsmonopol erweiterten?

Doch bevor wir derart waghalsige Gedankenexperimente anstellen, sollten wir uns eingehend mit der strukturellen und politischen Rolle der obersten Währungshüter beschäftigen, beispielsweise mit der amerikanischen Notenbank oder der Europäischen Zentralbank (EZB). Schließlich steuern und regulieren diese Institutionen den Blutkreislauf des Geldes immer wieder aufs Neue, um größere Turbulenzen an den Märkten und zwischen den Staatengemeinschaften zu vermeiden. Einige Folgen dieses Ringens ließen sich auf den Aktienmärkten in den vergangenen Jahren deutlich bemerken: Während die amerikanische Notenbank etwa durch ihre lockere Geldpolitik auffiel, legten parallel dazu die Aktiennotierungen an der Wallstreet deutlich zu.

Kann man digitalen Währungen trauen?

Alles in der Wirtschaft, einschließlich eines gut funktionierenden Börsenparketts, liegt letztlich Vertrauen zugrunde. Als oberste Währungshüter den Geldkreislauf zu kontrollieren und zu überwachen, diese exklusive Rolle gebührt den Zentralbanken. Letztlich könne nur eine staatlich beziehungsweise demokratisch legitimierte Instanz überhaupt ein funktionierendes Finanzsystem garantieren. Virtuelle Währungseinheiten unterminierten dagegen diesen organischen Kreislauf, weil sie sich so gesehen als dezentral gesteuertes System der politischen Kontrolle entzögen. Siehe dazu auch den ersten Teil meiner vierteiligen Bitcoin-Analyse: Im Visier der Währungshüter.

Noch ist offen, was die Zentralbanken und andere staatliche Aufsichtsorgane mit der Bitcoin-Revolution und dem Hype um diese virtuelle Währungseinheit unternehmen werden. Die Bundesbank sieht das Vertrauen als deutlich geschwächt an. Ein Verbot erscheint wahrscheinlicher als noch vor Monaten, zumal die bis dato am Markt führende Plattform Mt.Gox bis Februar 2014 vergebens um ihr Überleben kämpfte.

Anders ausgedrückt: Chaotische menschliche Systeme mit einem Hang zur Anarchie bergen das Risiko von Spekulationsblasen oder von inflationären Auswüchsen in sich, neben anderen Gefahren wie Marktmanipulationen oder der Geldwäsche. Als zentrale Ordnungsmacht braucht es deshalb einerseits die Armada der globalen Währungshüter, um die globalen Wachstumsökonomien nicht schleichend ins Unglück zu stürzen, schlussfolgert deshalb ein Teil der volkwirtschaftlichen Theorie.

Aber dieser scheinbar so einleuchtende Erklärungsansatz scheint mir zu kurz gegriffen. Muss das auch in Zukunft so sein? Befreien wir uns doch einen Moment von gängigen Denkrastern und lassen einen Hauch von Innovationsgeist in klassische Wertschöpfungsketten in der Finanzindustrie einfließen. Lösen wir uns auch vom vergänglichen Hype um die Cryptowährung Bitcoin. Denn es gibt unzählige anderer Experimente, abseits vom Schlaglicht der Öffentlichkeit.

Durchschlagskraft der digitalen Agenda

Entscheidend für die künftige Prägekraft von virtuellen Währungseinheiten dürfte etwas anderes sein, nämlich ein Innovationsschub direkt aus dem Herzen der Banken- und Finanzwelt. Derzeit erscheint zwar das Auflegen einer digitalen Gelddruckmaschine direkt durch die Zentralbanken noch als ein vermeintlich unrealistisches Zukunftsszenario. Aber man braucht kein Zukunftsprophet zu sein, zu prognostizieren, dass ganze wirtschaftliche Wertschöpfungsketten weiter ins Netz wandern und somit deren Durchschlagskraft auf die Weltökonomie und die modernen Gesellschaften weiter wächst.

Und so könnte das Drucken digitaler Geldscheine am Ende doch keine reine soziale Utopie bleiben, vorausgesetzt die Währungshüter finden die richtigen Stellschrauben und Sicherheitsmechanismen, um dies genauso verlässlich und sicher zu bewerkstelligen wie in der physischen Welt. Es handelt sich hierbei also letztlich nicht um eine sozialromantisch verklärte Zukunftsvision zu basisdemokratischen Gesellschaftsentwürfen, sondern möglicherweise um einen logischen Evolutionsschritt in die nächste Stufe der um digitale Gestaltungselemente erweiterten Finanzwirtschaft ins 21. Jahrhundert hinein.

Wie ungläubig reagierten doch die Menschen vor gut 100 Jahren auf die ersten Automobile aus dem Hause Benz. Die üblichen Pferdegespanne seien durch den Benzin- und Dieselmotor keinesfalls zu ersetzen, so damals der Tenor der Volkes Meinung – mittlerweile wissen wir es besser. Und wir sollten nicht den Fehler begehen, die Durchschlagskraft der digitalen Agenda aus dem Herzen der Finanzwirtschaft langfristig zu unterschätzen.

Diesem Beitrag liegen Anregungen von Lutz Martiny zugrunde, der das Thema im Rahmen eines Vortrags auf der Omnicard 2014 diskutierte. Im zweiten und dritten Teil diskutiere ich dann die Chancen und Grenzen eines derartigen Gestaltungsansatzes anhand dem Ideenkonzept.

 

 

Written by lochmaier

April 30th, 2014 at 9:24 am

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Energiearmut durch steigende Strompreise ist kein Luxusproblem

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Seit geraumer Zeit hat der aus der Entwicklungspolitik stammende Begriff der „Energiearmut“ auch Eingang in die Sozialpolitik der Industrieländer gefunden. Es gibt zwar noch keine allgemein gültige Definition des relativ neuen Begriffs, nichtsdestotrotz sucht das mit ihm bezeichnete Problem der Bezahlbarkeit von Energie immer drängender nach einer Lösung.

Nach bisheriger Definition gilt ein Haushalt dann als „energiearm“, wenn er mehr als zehn Prozent seines verfügbaren Einkommens für den Kauf von Energie ausgeben muss. Laut Statistischem Bundesamt waren das im Jahr 2008 5,5 Millionen Haushalte und im Jahr 2011 dann schon 6,9 Millionen Haushalte. Diese energiearmen Haushalte verfügen im Schnitt über 901 Euro monatlich und geben davon rund 93 Euro für die Energiekosten aus.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: In Folge der seit Jahren steigenden Kosten für Strom, Öl und Gas gibt es immer mehr Haushalte, die ihre Energiekosten kaum noch bezahlen können. Kein Wunder – denn die Kosten für Heizung und Warmwasser sind in den vergangenen zehn Jahren um fast die Hälfte gestiegen, die Kosten für Heizöl sogar um 140 Prozent und der Strompreis hat sich – trotz neuer und vermeintlich kostengünstiger Anbieter auf dem inzwischen liberalisierten Strommarkt – im gleichen Zeitraum mehr als verdoppelt. Weil die durchschnittlichen Einkommen dagegen allenfalls moderat gestiegen sind, droht das Problem mittlerweile auch auf Teile der Mittelschicht überzugreifen.

Wer ist dafür verantwortlich? Während die Grünen die fossilen Energieträger als die zentrale „Armutsfalle“ identifiziert haben, steht seit der Energiewende jedoch auch der Ausbau der erneuerbaren Energien am Pranger. Das EEG mache den Strom teurer, trage weder zu mehr Klimaschutz bei noch habe es zu wirklichen Innovationen in der Energiewirtschaft geführt, so das Fazit der Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) im aktuellen Jahresgutachten.

Der auf den ersten Blick einleuchtende Erklärungsansatz, das EEG als Kostentreiber für überhöhte Strompreise zu identifizieren, scheint freilich zu kurz gesprungen, da der Ökostrom nicht allein für den hohen Strompreis verantwortlich zeichnet. Dennoch, mittlerweile macht der EEG-Umlagebeitrag rund ein Fünftel des durchschnittlichen Strompreises für die Verbraucher aus.

Geraten die Haushalte in Zahlungsschwierigkeiten droht ihnen in letzter Konsequenz eine „Stromsperre“, also ein Kappen der Energiezufuhr – und damit ein Leben ohne Heizung, warmes Wasser oder Licht und auch eine warme Mahlzeit ist dann nicht mehr drin.

Nach Angaben der Energieversorger sind in Nordrhein-Westfalen im Jahr 2010 rund 120.000 Stromsperren verhängt worden. Auf ganz Deutschland hochgerechnet wären demnach rund 600.000 Haushalte davon betroffen gewesen. Allerdings kann man an dieser Stelle (noch?) Entwarnung geben: Die Ergebnisse der Bundesnetzagentur fallen deutlich moderater aus. In einer deutschlandweiten Erhebung hat sie ermittelt, dass im Jahr 2012 rund 312.000 Stromsperren von den Energieversorgern verhängt wurden.

Doch das Problem sollte trotzdem nicht klein geredet werden. Stetig steigende Energiepreise bei allenfalls leicht steigenden Einkommen verschärfen das Problem der Energiearmut. Betroffen sind vor allem Geringverdiener, Empfänger von Sozialleistungen, Rentner und Studierende. Die Verbraucherschützer mahnen, dass sich die sozialen Sicherungssysteme mit Blick auf die finanziellen Zuschüsse zu behäbig der rasanten Entwicklung angepasst hätten. Hier müsste der Gesetzgeber dringend nachjustieren.

Doch es gibt auch Beispiele, die Mut machen. In Nordrhein Westfalen etwa wurde das Projekt „NRW bekämpft Energiearmut“ ins Leben gerufen. Ziel ist es, Betroffene intensiv zu beraten und zu betreuen und dadurch die Zahl der Stromsperren zu reduzieren. Das Verbraucherschutzministerium stellt seit Januar 2013 für die Dauer von drei Jahren 1,5 Millionen Euro für das Projekt zur Verfügung. Mit im Boot sitzen neben den Verbraucherzentralen auch die örtlichen Energieversorger. In acht Modellkommunen des Landes können Haushalte, die ihre Energierechnungen nicht mehr bezahlen können, eine Budget- und Rechtsberatung in Anspruch nehmen und mit einem konkreten „Stromspar-Check“ kombinieren.

Und tatsächlich: Der Ansatz scheint richtig zu sein. Die Verbraucherzentrale resümiert, dass durch die Beratung 65 Prozent der angedrohten Stromsperren nicht wirksam wurden und 54 Prozent der schon verhängten Stromsperren rechtzeitig aufgehoben werden konnten. Nach den ersten zwölf Monaten des Projekts fällt die Bilanz also durchweg positiv aus.

In die richtige Richtung gehen sicherlich auch Vorschläge, die dafür plädieren, die klassischen Energieversorger stärker in die Pflicht zu nehmen. So könnten betroffene Haushalte vor allem dadurch entlastet werden, die ohnehin schon missliche Situation nicht noch durch Kosten für Stromsperren und Mahngebühren zu verschärfen.

Zur Lösung des Problems tragen sicherlich auch die so genannten „Prepaid-Zähler“ bei, die den Strom-Grundbedarf sicherstellen und zudem dabei helfen, den Überblick über die Kosten zu behalten. Auch die inzwischen diskutierten Vorschläge mittels Abwrackprämie den Austausch ineffizienter Haushaltsgeräte zu fördern, sind neben Maßnahmen zur energetischen Sanierung von Wohngebäuden bedenkenswert.

Alles in allem gehen Maßnahmen in die richtige Richtung, die dabei helfen, Verhaltensroutinen bewusst zu machen und zu verändern. Wenig konstruktiv erscheinen dagegen die Preismodelle von so manchem Energieversorger, die den hohen Verbrauch mit Prämien honorieren, anstatt das Strom sparen aktiv zu belohnen.

Written by lochmaier

April 10th, 2014 at 9:32 am

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Neue Stromtrassen „SüdLink“ rufen Bürgerprotest hervor

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Fast jeden Tag kursieren neue Verlautbarungen, widersprüchliche Absichtserklärungen und halb herzige Dementis zum geplanten Projekt „SuedLink“. Es sieht den Bau zweier Stromtrassen vor, wobei eine erste Haupttrasse von Wilster (nördlich von Hamburg) nach Grafenrheinfeld bei Schweinfurt in Bayern führen und eine zweite Trasse von Brunsbüttel bis nach Großgartach in Baden-Württemberg reichen soll. Erst Anfang Februar haben die Betreiberfirmen Tennet und TransnetBW noch vor Beginn des eigentlichen Planungs- und Genehmigungsverfahrens einen Vorschlag zum konkreten Verlauf der 800 Kilometer langen Haupttrasse vorgestellt.

Seitdem reißen Kritik und Proteste am geplanten Streckenverlauf nicht ab. Doch es wird wohl kein Weg daran vorbeiführen, die neuen Stromtrassen „irgendwo“ zu bauen. Denn sie sind notwendig, um den im Norden erzeugten Windstrom in den Süden der Republik zu transportieren. Zudem werden sie gebraucht, um die Stromversorgung der wirtschaftsstarken südlichen Bundesländer ab 2022 sicherzustellen, wenn also in rund acht Jahren der letzte Atommeiler vom Netz gehen wird.

Laut aktuellem Netzentwicklungsplan muss Bayern beispielsweise im Jahr 2021 rund ein Drittel des benötigten Stroms importieren. Zuletzt hat sich deshalb das bayerische Wirtschaftsministerium sogar gegen seinen Regierungschef Horst Seehofer (CSU) gestellt und angemahnt, den Bau der Stromtrassen zügig voranzutreiben, während dieser den Ausbau plötzlich für nicht mehr so dringend hielt und stattdessen zur Besonnenheit aufrief.

Und prompt kommen die Bürgerproteste gleich aus zwei Richtungen. Die eine Fraktion mahnt Bayernchef Horst Seehofer, bei der Energiewende nicht zurückzurudern und den Ausbau der Stromtrassen nicht zu verschleppen. Und die andere Fraktion übt lautstarken Widerstand am geplanten Streckenverlauf der neuen Stromtrassen. Ähnlich wie im nordrheinwestfälischen Höxter, dem hessischen Wolfhagen und anderswo entlang der Strecke sehen auch die Trassen-Anwohner in Bayern ihre Lebensqualität durch die neuen Stromleitungen massiv beeinträchtigt. Was also tun? Protest kommt offenbar von allen Seiten.

Angesichts dieser verfahrenen Situation lohnt es sich, einen Blick auf das Stimmungsbild in der Bevölkerung zu werfen. Eine Umfrage vom Meinungsforschungsinstitut TNS Emnid im Auftrag des bundesweit aktiven Kampagnennetzwerks Campact kommt zum Ergebnis, dass nur zwölf Prozent der Bayern den politischen Zickzackkurs von Horst Seehofer unterstützen. Den Bau der Windstromtrasse befürworten dagegen 59 Prozent der bayerischen Bevölkerung. Und unter den CSU-Wählern sind sogar 62 Prozent für die Windstromtrasse.

Die bayerische Bevölkerung lehnt den Bau der Stromtrassen also nicht grundsätzlich ab. Allerdings scheint die Zustimmung zum Projekt dann rapide zu sinken, sobald persönliche Interessen tangiert sind. Mit der großzügig gewährten Energiewende-Unterstützung ist es bei den Menschen offenbar schnell vorbei, wenn die geplante Stromleitung in der Nähe ihres eigenen Wohnumfeldes verlaufen soll.

Doch die Bürger fragen sich nicht nur, wo die Stromtrassen denn genau verlegt werden. Sie fragen sich auch, wer den Bau der Trassen eigentlich bezahlt und fürchten dabei nicht ganz zu Unrecht, dass die Kosten letztlich an ihnen hängen bleiben. Mit Blick auf ihre eigene Stromrechnung fragen sie sich nämlich mehr denn je, wer von der Ökostromumlage profitiert und zweifeln daran, dass es bei der Verteilung der Kosten gerecht zugeht.

Die für die Trassen verantwortlichen Netzbetreiber Tennet und TransnetBW schätzen, dass die Gesamtkosten des Netzausbaus bei mindestens zehn Milliarden Euro liegen werden. Allerdings fällt es schwer zu glauben, dass diesbezüglich schon das letzte Wort gesprochen sein soll. Kritische Beobachter sehen nach „Stuttgart21 und dem Berliner Großflughafen mit den neuen Stromtrassen das nächste Kostendebakel heraufziehen.

Ungemach droht aber nicht nur von den Bürgern, sondern auch von Seiten der Politik selbst, wie die Moratoriums-Forderungen des bayerischen Ministerpräsidenten zuletzt zeigten. Einer schnellen Lösung dürften also auch die unterschiedlichen Länderinteressen entgegenstehen. Umso mehr sollten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Energieminister Sigmar Gabriel (SPD) die Zügel fest in der Hand halten. Letzterer wird sein ganzes Gewicht in die Waagschale werfen müssen, um die zerstrittenen Länder zu einer konstruktiven Lösung zu bewegen.

Einmal mehr wird klar, dass es ohne klare und konsistente Strategie bei der Energiewende nicht gehen wird. Eine wesentliche Voraussetzung für das Gelingen des Projekts wird es auch sein, die Menschen auf diesem Weg mitzunehmen, sprich, mit ihnen und nicht gegen sie zu planen. Die vielen ungeklärten Fragen, die aufgewühlten Diskussionen und der teilweise massive Widerstand aus der Bevölkerung lassen sich nur dann produktiv klären und beruhigen, wenn dieser von der Politik und den Betreiberfirmen ernst genommen wird. Denn des Volkes Stimme zeigt einmal mehr, dass die Menschen derartige Großvorhaben nicht nur als Stimmbürger abnicken wollen, sondern direkt am gesamten Planungsprozess beteiligt werden möchten.

Written by lochmaier

April 3rd, 2014 at 8:33 am

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Interview mit Claus Preiss, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Bühl – Führungskulturen im Wandel – Was kann die Volksbank als wertbeständiges, aber für neue Ideen offenes Unternehmen wirklich leisten?

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Es ist eines der Vorzeigeinstitute im heimischen Genossenschaftssektor, die Volksbank Bühl eG. Zwar stehen die Volksbanken aktuell rund sieben Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise in Deutschland insgesamt wirtschaftlich nicht schlecht da. Andererseits nagt auch an diesen der Zahn der Zeit. Hinzu treten die Folgen der Regulierung und schrumpfende Margen infolge der derzeitigen Niedrigzinspolitik.

Ein Grund mehr, um diverse Themen der Bankenpraxis im Schlagabtausch zu vertiefen – beim alltäglichen Spagat zwischen Alt-Bewährtem und Jugendlich-Belebendem. Als Sparringpartner fungiert in diesem Fall die Volksbank Bühl. Ihr Credo: “Kundenfairness erreichen wir dadurch, dass wir schon lange mit unseren Kunden über deren Strategien beim Geldanlegen oder Vorsorgen sprechen und dann die besten Lösungen für sie finden. Produktaktionen sind bei uns schon lange ein Tabu.” Aber lesen Sie selbst ausführlich:

Interview [Sponsored Post] mit Claus Preiss, Vorstandsvorsitzender bei der Volksbank Bühl eG  – exklusiv für Social Banking 2.0

Social Banking 2.0: Herr Preiss, was treibt Sie als den Vorstandsvorsitzenden einer erfolgreichen Volksbank in einer Hochlohnregion früh morgens gleich nach dem Aufwachen an, was sind Ihre ersten Gedanken?

Claus Preiss: Wenn ich morgens im Bad stehe, habe ich einen wunderbaren Blick in die freie Natur, sehe den Rheinwald und ab und zu auch ein Reh oder einen Hasen über das Feld hoppeln. Diese Liebe zur Natur und zur Region treibt mich an, unser Versprechen: „Die Region kann auf uns zählen“ täglich in die Tat umzusetzen und zu beweisen.

Social Banking 2.0: Gibt es aus Ihrer Sicht etwas, was die Volksbank Bühl von den unzähligen anderen Genossenschaftsbanken in Deutschland unterscheidet?

Claus Preiss: Ich denke, wir unterscheiden uns in der Grundausrichtung nicht von den anderen Genossenschaftsbanken in Deutschland. Was uns vielleicht unterscheidet, ist, dass wir uns stärker mit den Themen Multikanal, Internet und Innovation auseinandersetzen und dies auch umsetzen.

Social Banking 2.0: Insgesamt fällt die Medienresonanz und die damit verbundene öffentliche Aufmerksamkeit für Ihr Institut doch deutlich größer aus, als bei manch einem Institut der Fall, das allenfalls in den Lokalmedien hin und wieder auftaucht. Gibt es neben dem mittlerweile in Insiderkreisen schon recht bekannten Blog Innovationswerkstatt der Volksbank Bühl noch weitere Gründe dafür. Wie nehmen Sie den Nachrichtenticker wahr?

Claus Preiss: Unsere Innovationswerkstatt ist sicherlich der Brandherd für unsere, sagen wir mal, Medienbekanntheit in Deutschland. Ursprünglich war es nur die regionale Presse, die über uns berichtet hat, zwischenzeitlich bekommen wir auch immer mehr Anfragen von überregionalen Publikationen und Veranstaltern. Letztes Jahr durfte ich bei dem Handelsblatt IT-Forum in Frankfurt zum Thema Bank 2.0 – digitale Transformation als Chance und Risiko sprechen. Jüngst kam ein Bericht im BankersForum  - und vielleicht stehen wir demnächst auch in einer großen Tageszeitung.

Social Banking 2.0: Auffallend sind jenseits vom leicht angestaubten Image so mancher Regionalbank bei Ihnen vor allem die zahlreichen jüngeren Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Offenbar genießen diese einen großen Freiraum, um eigene Ideen in das Bankgeschäft einzubringen. Skizzieren Sie kurz Ihre Philosophie zur Mitarbeiterführung und –motivation?

Claus Preiss: Auch hier zitiere ich gerne einen unserer Erfolgsfaktoren aus dem Unternehmensleitbild. Wenn dort u.a. steht: “Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter genießen Entwicklungsfreiräume,… sichere Arbeitsplätze gegen Engagement … Vertrauen gegen Kreativität“, sind das bei uns nicht nur Worthülsen, sondern dies wird auch gelebt, und zwar über alle Hierachieebenen. Die Möglichkeit, den Bachelor oder den Master nachzuholen ist bei uns ebenso möglich, wie die Unterstützung an der eigenen Training & Coaching Akademie oder auch ein Lauftraining im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements.

Social Banking 2.0: Ihr Kollege Ernst Kronawitter, der die ebenfalls in den Medien immer wieder als Vorbild für ein faires Banking portraitierte Raiffeisenbank Ichenhausen führt, hat kürzlich gemeinsam mit Mitarbeitern ein Buch mit dem Titel „Führen ohne Druck“ geschrieben , was in dem Fall allerdings nicht ganz wörtlich zu nehmen ist. Dennoch, wie schaffen Sie den Spagat anhand von geeigneten Führungsinstrumenten in Ihrer Bank, einerseits die Renditeziele zu erreichen und andererseits vielleicht andere Aspekte wie die soziale Nachhaltigkeit und Kundenfairness gewahrt zu wissen?

Claus Preiss: Soziale Nachhaltigkeit erreichen wir zum Beispiel dadurch, dass wir bei unseren Eigenanlagen darauf achten, nur Produkte in unser  Portfolio zu nehmen, die diesen Ansprüchen gerecht werden. Lebensmittelspekulationen oder Rüstungsgeschäfte haben wir noch nie gekauft. Bei den Kundenkrediten achten wir sehr auf die Regionalität. 95 % unserer Kreditnehmer wohnen in unserem Geschäftsgebiet. Und Kundenfairness erreichen wir dadurch, dass wir schon lange mit unseren Kunden über deren Strategien beim Geldanlegen oder Vorsorgen sprechen und dann die besten Lösungen für sie finden. Produktaktionen sind bei uns schon lange ein Tabu.

Social Banking 2.0: Bis heute ist die Provisionsgetriebene Entlohnung von Mitarbeitern das dominante Vertriebsmodell in der Finanzbranche. Muss dies so bleiben oder können nicht zunehmend nachhaltige Komponenten jenseits der auf einen Nischenmarkt reduzierten Honorarberatung in den Kreislauf mit einfließen?

Claus Preiss: Die provisionsgetriebene Entlohnung von Mitarbeitern ist die eine Sichtweise der Dinge. Es gibt aber auch eine andere Möglichkeit der Betrachtung. Wenn eine Bank so wie wir schon über 140 Jahre in der Region und am Markt erfolgreich tätig ist, dann geht das nur, wenn die Vorteile des Kunden bei der Beratung im Vordergrund stehen. Alles andere würde dafür sorgen, dass man als Finanzdienstleister ruckzuck vom Markt eliminiert wird, und heute in der digitalen Welt noch viel schneller als früher. Die variablen Gehaltsbestandteile – in geringem Umfang – bieten zudem guten Beratern auch die Chance einer leistungsgerechten Entlohnung. Ich sehe auch einen sozialen Aspekt bei der provisionsbasierten Beratung im Vordergrund. Stellen Sie sich vor, Banken bieten Beratung zu den Themen Vorsorgen, Absichern, Riester, Pflege oder Bausparen noch gegen Entgelt an. Ich behaupte, dass die vermögenden Kunden da keinen Nachteil hätten. Aber ein Großteil unserer Kunden würde diese Beratungen nicht in Anspruch nehmen mit der Folge, dass viele Kunden bei  ihrer finanziellen Absicherung viel schlechter gestellt sind als heute.

Social Banking 2.0: Wo liegt die Trennlinie zwischen „beraten“ und nur hauseigene Produkte „verkaufen“?

Claus Preiss: Der Vorteil einer Genossenschaftsbank ist nicht nur alleine die Rechtsform mit dem damit verbundenen “nur dem Mitglied verpflichtet“. Sondern auch der Umstand, dass wir innerhalb der Genossenschaftlichen FinanzGruppe über exzellente Finanzpartner verfügen. Adressen wie die R+V Versicherung, die Union Investment oder die Bausparkasse Schwäbisch Hall sind jeweils in der Spitzengruppe der gerateten Finanzunternehmen zu finden. Insofern können wir jedem Kunden für seine jeweilige Strategie auch ein passendes Produkt anbieten.

Social Banking 2.0: Wie sieht es mit den Leitlinien z.B. für die Fondsprodukte der Genossenschaftsgruppe aus. Gibt es dazu konkrete Vorgaben, an die sich etwa auch die Volksbank Bühl halten soll und muss?

Claus Preiss: Wir sind frei in der Entscheidung, wie viel oder welche Produkte wir von unseren Partnern anbieten oder verkaufen.

Social Banking 2.0: In einem früheren Interview mit Social Banking 2.0 argumentierte Ihr Kollege, der Bankenvorstand Andreas Banger von der Volksbank Gronau-Ahaus, dass er den digitalen Wandel in der Branche auch als Chance begreift, statt ihn nur als Bedrohung anzusehen. Ist es nicht ein bisschen blauäugig anzunehmen, die regionalen Banken könnten sich gerade in der Fläche gegen den Abbau von Filialstrukturen wehren?

Claus Preiss: Es kommt darauf an, wie ich die Flächen nutze. Sicherlich werden unsere Kunden künftig immer mehr Servicedienstleistungen wie z. B. Bargeldversorgung, Überweisungen und Daueraufträge online abwickeln, und die Servicefrequenzen werden nachlassen. Der Beratungsbedarf der sich jedoch bei unseren Kunden aufgrund der immer komplexeren Themen rund um das Thema Finanzen ergibt, ich denke da an Altersversorgung, Pflege, etc. , führt aber zu immer mehr Beratungsgesprächen, die von unseren Kunden sehr gerne angenommen werden. Entgegen der früheren Meinung stellen wir aber fest, dass unsere Kunden diese Beratungen sehr gerne in unseren Beratungscentern/Filialen wahrnehmen und nicht zuhause auf dem Sofa. Insofern werden wir auch diese Flächen weiterhin brauchen und nutzen.

Social Banking 2.0: Wie sieht denn Ihrer Meinung nach ein kreatives Zusammenspiel zwischen digitalen Geschäftsprozessen und dem weithin persönlichen Bankgeschäft bei Privat- und Geschäftskunden aus, zwei zugegebenermaßen in ihren Bedürfnissen sehr unterschiedlichen Zielgruppen?

Claus Preiss: Das Zusammenspiel sehe ich so, dass unsere Kunden über unser Multikanalangebot mit uns zusammenarbeiten. Einerseits bedienen sie sich über unser Online-Banking unserer Servicedienstleistungen, andererseits schätzen sie den persönlichen Kontakt mit ihrem bekannten Berater. Nächstes Ziel wird sein, dass die Kunden zuhause am PC und der Berater in der Bank die gleichen Front- Endanwendungen auf dem Schirm haben, und dann über Skype, Facetime oder andere Systeme miteinander kommunizieren können. Das betrifft sowohl die Privatkunden als auch die Firmenkunden.

Social Banking 2.0: Wie beurteilen Sie den Kampf gegen Schattenbanken, Preiskartelle und andere missbräuchliche Entwicklungen in der Bankenbranche. Hinzu treten die Folgen der Regulierung auf EU-Ebene sowie schrumpfende Margen infolge der derzeitigen Niedrigzinspolitik, von denen ja gerade die Sparkassen und Genossenschaftsbanken betroffen sind. Wird man hier nicht als lokaler Bankenchef angesichts von Überregulierung und dem Glauben an die Heilkraft staatlicher Behörden wie der BaFin zum marktradikalen Anhänger der FDP?

Claus Preiss: NEIN

Social Banking 2.0: Blicken wir noch in ein spannendes Vorhaben hinein, das der Volksbank Bühl einige öffentliche Aufmerksamkeit gebracht hat, das Crowdfunding-Projekt „Viele schaffen mehr . Es ist im vergangenen Jahr gestartet worden (Social Banking 2.0 berichtete). Die Zwischenbilanz fällt zwar überwiegend positiv aus. Insgesamt aber scheint es mit der Vorbildfunktion für andere Regionalinstitute aus dem Genossenschaftssektor noch etwas zu hapern oder täuscht dieser Eindruck?

Claus Preiss: … manche Dinge brauchen ihre Zeit. Ich spüre zunehmend Interesse bei meinen Kolleginnen und Kollegen und habe auch mindestens einmal pro Woche einen Anruf oder persönlichen Besuch, um sich direkt vor Ort zu erkundigen. Dabei verlaufen alle Gespräche sehr positiv. Ich weiß konkret, dass einige Kollegen kurz vor der Einführung dieser Crowdfundingplattform stehen.

Social Banking 2.0: Ist der Crowdfunding-Ansatz letztlich nicht doch etwas für Nicht-Banken und innovative IT-Anbieter, die der Branche in den nächsten Jahren etwas den Rang ablaufen könnten?

Claus Preiss: Für unsere Plattform ganz und gar nicht. Ich sehe hier den genossenschaftlichen Gedanken „Was einer nicht schafft, das schaffen viele“ idealtypisch aufs Netz übertragen. Wir ermöglichen unseren gemeinnützigen Vereinen und Institutionen, für ihre Projekte zu denen ihnen das Geld fehlt, die Onlinecommunity in der Region zu aktivieren. Seit wir die Plattform zur Verfügung stellen, konnten schon über 10 Vereine knapp 40.000 € von 800 Spendern akquirieren. Eine tolle Bilanz.

Social Banking 2.0: Und noch zwei persönliche Fragen: Wofür sparen Sie persönlich Geld an, wie geben Sie es gerne aus?

Claus Preiss: Ich habe, glaube ich, die gleiche Motivationslage wie unsere Kunden auch. Sicherheitsreserve, Altersvorsorge und für die Ausbildung oder Starthilfe für meine 4 Kinder. Für mich persönlich gebe ich das Geld für einen Urlaub, einen neuen Fotoapparat oder für ein neues Objektiv besonders gerne aus.

Social Banking 2.0: Welche Tipps zur persönlichen Finanzplanung geben Sie persönlich, soll man z.B. zur eigenen Altersvorsorge lieber Geld in einem Aktienfonds ansparen oder eine Immobilie kaufen, welche Wege empfehlen Sie, um jenseits von unpassenden Standardkonzepten eigenes Vermögen langfristig aufzubauen und zu sichern?

Claus Preiss: Wir wissen, dass wir nur über die Qualität der Beratung und die unserer Produkte unsere Mitglieder davon überzeugen können, dass genossenschaftliche Beratungsqualität eben einen anderen Anspruch hat als viele unserer Mitbewerber im Bereich Finanzdienstleistungen. Deshalb stellen wir auch große Etats für die Aus- und Weiterbildung unserer Kolleginnen und Kollegen zur Verfügung. So etwa für unsere hauseigene Training & Coaching Akademie, die Zertifizierung von unseren Generationen- und Vorsorgeberatern oder auch in unsere InnovationsWerkstatt. Insofern erhalten unsere Kunden eine auf ihre Bedürfnisse und ihre Strategie abgeleitete individuelle persönliche Finanzplanung und keine Standardkonzepte.

Das alte Standardkonzept oder Ziel „in vielen Assetklassen  möglichst viele Euros“ zu legen“ hat aber nach wie vor noch seine Gültigkeit.  ;) .

Interview: Lothar Lochmaier

Written by lochmaier

März 25th, 2014 at 9:36 am

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Premium-Inkubator: Startup mit Chancen sucht exklusiven Partner

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So manch ein erfolgreiches, aber mittlerweile in die Wechseljahre geratenes Großunternehmen öffnet sich für Ideen. Vom internationalen Gründerflair profitiert vor allem die Hauptstadt.

Dort binden die Konzerne in „Premium-Inkubatoren“ frühzeitig frische Kräfte – und erschließen sich so neue Wachstumspotentiale. Das gilt natürlich auch für die Startups, wenn viele Davids nach einem harten Auswahlverfahren mit Goliath kooperieren.

Trotz spannender Ideen ist der Weg von Internet- und IT-Startups bis zum Erfolg oftmals steinig. So auch bei MyLorry (mylorry.de), ein junges Berliner Unternehmen, das sich dem Transportmarkt widmet. Die in der Hauptstadt angesiedelten Gründer werben mit dem Etikett der „ersten urbanen Logistikmarktplatz-Lösung weltweit“.

Der Kunde möchte rasch ein Sofa transportieren? Kein Problem, den passenden Transportfahrer vermittelt die Plattform per einfache Buchung über die App gleich mit dazu, gegen entsprechende Gebühr, versteht sich.

Bis sich dieses junge Unternehmen aber erfolgreich am Logistikmarkt etablieren kann, benötigt es neben aufgeschlossenen Wagniskapitalgebern auch das passende Know-how. Immerhin, für vier Monate sind die Gründer von MyLorry rund um CEO Maximilian von Waldenfels nun in einer exklusiven Adresse direkt in Berlin’s neuer Mitte untergekommen.

Denn Microsoft-Chef Steve Ballmer ließ es sich nicht nehmen, das an der Flaniermeile Unter den Linden angesiedelte Microsoft Startup-Center persönlich einzuweihen.

Gegenüber klassischen Startup-Inkubatoren unterscheidet sich das Haus vor allem durch exklusive Dienstleistungen, in deren Genuss die Gründer aber erst nach einer harten Auswahlprozedur gelangen.

Immerhin eine ganze Etage in Berlins angesagtem Bezirk ist in der ersten Jahrgangsklasse für die neun Startups reserviert worden. Denn der Microsoft Ventures Accelerator stellt neben einem hochkarätigen Mentorennetzwerk auch Zugänge zu mittelständischen Unternehmen und Großkunden her. Alles nur Show, um von eigenen Schwächen abzulenken. Nicht ganz, es steckt schon mehr dahinter hinter dem Gründerhype.

Welches aufstrebende Startup träumt nicht davon, sich einmal in exklusivem Ambiente in der Münchner BMW-Welt rund 30 hand verlesenen Großkunden von Microsoft präsentieren zu dürfen. Auch andere Spieler aus der IT-Branche tun es gleich. So etwa der Suchmaschinenkonzern Google, der in der Hauptstadt im Sommer sein Technologiecampus Factory für die weiter wachsende Gründerszene eröffnet hat.

Es ist vor allem die neue Sparte „Google for Entrepreneurs“, die auch mit einer nur geringen Kapitalausstattung für die Gründer einen raschen Weg in neue Märkte ermöglichen kann. Die Factory selbst fungiere dabei nicht als Inkubator, sie sei auch keine von Google betriebene oder Co-finanzierte Einrichtung, stellt Unternehmenssprecher Ralf Bremer klar. Was Google damit meint ist, dass der Konzener als Partner der Factory nicht direkt für die Inhalte und Technologie Verantwortung übernimmt, heißt, Google stellt “nur” ideelle und technische Ressourcen für die Startups auf dem Factory-Campus bereit.

Das klingt allerdings leicht untertrieben. Denn schließlich öffnet Google den Startups auch die Türen für eigene Entwickler-Gruppen, beispielsweise zu den Plattformen und Anwendungen für das mobile Betriebssystem Android. Mehr als 50 Projekte wie die Berliner Factory unterstützt Google derzeit weltweit.

Ebenso wie das Microsoft Berlin Center, das als Teil eines weltweit verzweigten Inkubatoren- Netzwerkes fungiert, steuert auch Suchmaschinenkonzern Google über die Factory nicht direkt eigenes Kapital in die junge IT-Gründerszene ein. Die Ideenbeschleuniger fungieren in erster Linie als exklusive Türöffner, was den Zugang zu frischem Wagniskapital am Ende des Tages nahezu zwangsläufig mit sich bringt. Vorausgesetzt die Gründer feilen intensiv an ihrer Geschäftsidee.

Auch die deutschen Konzerne haben den Trend erkannt. So eröffnet die Deutsche Telekom im November ihre neue „Innovation Arena“ in Berlin. Wodurch sich der “hub:raum” für Startups von klassischen Inkubatoren unterscheidet? Er unterstützt die Gründer neben der Seed-Finanzierung, Know-how und Büroräumen vor allem mit einem pragmatischen Zugang zur Reichweite und Leistungsstärke der Telekom.

Trotz exklusiver Partnerschaft – am Ende zählt dennoch „nur“ der erfolgreiche Markteintritt. Genau den bereiten die Premium-Inkubatoren jedoch in einer noch frühen Entwicklungsphase vor. So testet das israelisches Startup Screemo sein Produkt in Kürze beim Volleyball-Team der Telekom Baskets. Das Produkt ist laut Telekom gerade bei Sportereignissen interessant, denn es ermöglicht den Nutzern die Interaktion zwischen sozialen Medien, digitalen Screens und ihren Smartphones in Echtzeit.

Es sind aber keineswegs nur Unternehmen aus der IT-Branche, die in der Hauptstadt auf dem neuen Gründerflair aufsatteln. Für etablierte Spieler geht es generell darum, das eigene Kerngeschäft für die Zukunft zu wappnen. Beispiel ImmobilienScout24: Das führende Online-Portal zum Mieten und Kaufen von Haus oder Eigentumswohnung hat in der Hauptstadt die Ideenfabrik „You is now“ ins Leben gerufen. Der Inkubator ist nach der Accelerator Phase eine von vielen Alternativen, um bei der Anschlussfinanzierung zu helfen.

Dennoch braucht es jenseits vom Startup-Hype auch bei den Premium-Inkubatoren die richtige „kreativ-explosive“ Mischung, die sowohl die dort angesiedelten Startup-Szene als auch die arrivierten Platzhirsche weiter bringt. Aber ein strategischer Vorteil ist es allemal, wie bei ImmobilienScout zweifellos der Fall, neben den den klassischen und generischen Zutaten wie Finanzierung, Traffic, Beratung, Infrastruktur und Marketing, durch ein solches Programm und Team wie You is now, das Vertrauen und die Markenwahrnehmung eines etablierten Online-Unternehmens im Rücken zu haben.

Written by lochmaier

März 19th, 2014 at 10:22 am

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