Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

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3D-Druck (4. Teil): Was Banken lernen können

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Wie wäre es mit dem Eigenheim in Miniaturformat plus der passenden Baufinanzierung direkt aus dem 3D-Drucker? Während letzteres kaum möglich sein wird, so bieten dreidimensionale Verfahren ein großes kreatives Potential, das sich auch die Finanzwirtschaft – dieses Mal zum Wohle der Kunden – zu nutze machen könnte.

Die Gedanken schweifen lassen, Zukunftsvisionen entwickeln und zur Diskussion stellen, lautet das Motto beim GAD-Innovationsforum in Münster. Die GAD eG betreut als Spezialist für Banken-IT diverse Volks- und Raiffeisenbanken, Zentralinstitute und weitere Unternehmen in der genossenschaftlichen FinanzGruppe.

In Münster können die Anwender unter anderem mit Hilfe eines 3D-Druckers ihre Ideen und Prototypen zum Thema Baufinanzierung direkt ausprobieren. Mehr noch: Dort gewinnen Partner, Kunden und Dienstleister einen Einblick in die Herausforderungen an die „Bank der Zukunft“. Die im Innovationsforum zu sehenden Exponate und Demonstrationsobjekte dienen vor allem einem Ziel, der Verdeutlichung des gerade stattfindenden technischen und gesellschaftlichen Wandels.

Der 3D-Drucker verkörpert aus Sicht von GAD wie zurzeit kaum ein anderes Exponat, dass sich auch als unveränderlich angesehene Geschäftsmodelle dramatisch wandeln. So entstand die Idee, einen 3D-Drucker in das Forum aufzunehmen. Was passiert, wenn Kunden und Partner sich mit den Möglichkeiten des dreidimensionalen Druckverfahrens beschäftigen? Viele der Besucher schauen zunächst etwas ungläubig und gebannt über mehrere Minuten auf den Druckraum, bis das entstehende Objekt fertig gestellt ist.

Insbesondere funktionale oder ineinander verschachtelte Objekte, wie zum Beispiel eine Kette, sorgen für den einen oder anderen Überraschungseffekt. Der Betrachter kann sich so von bislang eingeübten Denkmustern verabschieden und eine Reise durch die Welt des Wandels und der Veränderung antreten. Vieles scheint auf dieser Entdeckungsreise künftig möglich sein, wenn etwa der 3D-Druck sich mit dem Design von virtuellen Währungseinheiten auf kreative Art und Weise verbindet.

Wie könnte nun das Konzept einer „Erlebnisfiliale“ vom digitalen Wandel anhand des 3D-Druckes profitieren? Zwar wäre nach Einschätzung der Experten beim GAD-Innovationsforum der unmittelbare Einsatz von derartigen Druckern in einer Bankfiliale auf den ersten Blick ungewöhnlich. Andererseits: Wieso sollte die oftmals in künstliches Ambiente getauchte Filialumgebung nicht etwas lebendiger und offener gestaltet sein? Also weg vom reinen Produktverkauf, hin zum Dialog. Neues gemeinsam auszuprobieren.

Eine ausgeprägte Technikaffinität der Filialmitarbeiter wäre allerdings dazu die Voraussetzung, um die Herstellung verbindender Objekte zur Emotionalisierung von abstrakten Bankprodukten anzuregen. Man stelle sich nur vor, dass der Kunde nach einer abgeschlossenen Immobilienberatung sein mittels 3D-Modellierung konzipiertes und „ausgedrucktes Haus“ persönlich mit nach Hause nehmen könnte.

Das individuelle Wunschobjekt könnte der Kunde zu einem späteren Zeitpunkt, etwa wenn weitere Fragen zu dem Finanzierungsangebot der Bank auftreten, wieder zum Sondierungsgespräch in die Bank mitbringen. Der Bankkunde könnte so im offenen Dialog über eine interaktive Benutzeroberfläche mit dem Berater neue Perspektiven und natürlich auch handfeste weitere Informationen zu den wirtschaftlichen Konditionen ausloten.

Denkbar wären aus Bankensicht des Weiteren kreative Ideenwettbewerbe, Workshops und Wohltätigkeitsveranstaltungen, um dem Nachwuchs das Experimentieren zu ermöglichen, zum Beispiel im Kindergarten. Wichtig ist aber auch hierbei, auf versierte Mitarbeiter zurückgreifen zu können, die das Thema mit Fantasie, Kreativität und Herzblut angehen, und die den Drucker als technischen Ausgangspunkt dazu sehen, um etwas für und gemeinsam mit Anderen zu tun.

Die besondere Note kommt spätestens dann ins Spiel, wenn der Bankmitarbeiter die Kontrolle über den Gestaltungsprozess an den Kunden weiterreicht. Dadurch ergibt sich ein offener Gestaltungsansatz jenseits vom reinen Verkaufsinteresse, der für beide Seiten bereichernd sein kann. Vorausgesetzt, der Kunde bestimmt, beeinflusst und gestaltet selbst „sein Finanzprodukt“ am 3D-Drucker, das er dann mit nach Hause nimmt.

 

Written by lochmaier

Juli 6th, 2014 at 11:37 am

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3D-Druck (Teil III): Disruptive Entwicklung oder kurzlebiger Modetrend?

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Unter welchen Voraussetzungen eine Technik tatsächlich ein „disruptives Potential“ entwickelt, darüber klärt ein Eintrag bei Wikipedia auf. Im Wortlaut:

“Eine disruptive Technologie (engl. disrupt – zertrümmern) ist eine Innovation, die eine bestehende Technologie, ein bestehendes Produkt oder eine bestehende Dienstleistung möglicherweise vollständig verdrängt. Disruptive Innovationen sind meist am unteren Ende des Marktes und in neuen Märkten zu finden. Die neuen Märkte entstehen für die etablierten Anbieter in der Regel unerwartet und sind für diese, besonders aufgrund ihres zunächst kleinen Volumens oder Kundensegmentes uninteressant. Sie können im Zeitverlauf ein starkes Wachstum aufweisen und vorhandene Märkte bzw. Produkte und Dienstleistungen komplett oder teilweise verdrängen.

Schaut man sich nun das bunte Treiben auf dem aufstrebenden Markt für den 3D-Druck an, so stellt sich die Frage, ob wir es hier – ähnlich wie bei der digitalen Revolution durch das Internet und die dadurch ausgelösten neuen Geschäftsmodelle – erneut mit einer bahn brechenden Veränderung zu tun haben.

Die Frage, welche Durchschlagskraft, die neue Maker-Bewegung haben dürfte, lässt sich allerdings nicht ganz so schablonenhaft wie anhand der obigen Definition beantworten. Einige Vordenker haben sich zumindest dem Thema bereits angenähert. Chris Andersen etwa spricht in seinem Buch von einer dritten industriellen Revolution, in der sich Besitz und das Erstellen von unzähligen Produkten künftig zunehmend demokratisieren. Auch Clayton M. Christensen widmet sich dem Thema, in seinem mittlerweile auch auf Deutsch übersetzten Werk The Innovators Dilemma: Warum etablierte Unternehmen den Wettbewerb um bahn brechende Innovationen verlieren.

Die Kernargumentation von Christensen: Auch großartige Unternehmen versagen oftmals im Wettbewerb um Innovationen, obwohl sie (fast) alles richtig machen. Sie beobachten akribisch den Wettbewerber, sie befragen ihre Kunden, und sie verfügen über stattliche Forschungs- und Entwicklungsbudgets. Trotzdem verlieren sie plötzlich die Marktführerschaft, sobald bahn brechende Veränderungen bei Technik oder Marktstrukturen auftreten, wie sich am Beispiel der Mobilfunkbranche (Nokia), der Musikindustrie oder am Schicksal so mancher Buch- und Zeitungsverlage festmachen lässt.

Wie sieht es nun mit dem 3D-Druck aus, wie viel disruptives Potential ist möglich und wahrscheinlich? Um es gleich vorweg zu sagen: Unter den Experten in der Industrie besteht darüber derzeit keine Einigkeit. Keiner kennt die Zukunft und kann sie exakt voraussagen. Es könnte eine Revolution in Raten werden. Bei den industriellen Anwendungen  dürften sich interessante und attraktive Nischen- und Spezialanwendungen ergeben, die allerdings gängige Fabrikstrukturen nicht gänzlich überflüssig machen und ersetzen. Kurz: Die automatisierte Massenproduktion wird auch weiterhin das dominante Phänomen in der Industrie bleiben. Vor allem dort, wo jedoch individualisierte und flexibilisierte Produktionsprozesse gefragt sind, kann die neue Technologie ihre Stärken ausspielen.

Ein disruptives Potential ergibt sich zweifellos auch bei den unzähligen kreativen Heim- und Privatanwendungen für den „Prosumenten“, der eigene Ideen in den Kreislauf beisteuert. Denn hier scheinen die Möglichkeiten des 3D-Druckes noch nicht einmal ansatzweise ausgeschöpft. Es ist demnach keineswegs ausgeschlossen, dass das eine oder andere innovative Startup zu einer kreativen „3D-Killerapplikation“ gelangt, die in der Lage ist, den Weltmarkt zu erobern. Allerdings gibt es angesichts schnelllebiger Innovationszyklen hier wohl kaum eine Garantie auf längerfristigen Erfolg: Das Produkt könnte rasch in Mode kommen – und ebenso rasch wieder aus ihr heraus.

 

Written by lochmaier

Juni 30th, 2014 at 8:05 am

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3D-Druck (Teil II): Mehr Experimentierfreude in deutschen Unternehmen gefragt

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2. Teil – Serie – Was leistet das 3D Printing?

Neue Druckverfahren auf Basis von dreidimensionalen Entwürfen und Produktionsverfahren bieten sowohl für Heimanwendungen als auch in der industriellen Fertigung neue Chancen.Wo liegen Chancen und Grenzen des Hypes, auch mit Blick auf die Industrie.

Deutlich wurde auf der Inside 3D Printing vor allem, dass das Thema in der Industrie unter den Begrifflichkeiten Rapid Prototyping sowie Additive Manufacturing bereits auf eine über 20-jährige Entwicklung zurückblicken kann. Dass sich hier mit Blick auf die Industrie noch zahlreiche Potenziale heben lassen, unterstrichen auf der Fachkonferenz unzählige Praxisvorträge, vor allem mit Blick auf die Branchen Automotive, Medizintechnik und Aerospace.

Das industrielle Prototyping hat sich in der Industrie somit längst etabliert. Die Zeichen stehen vielerorts auf Wachstum. So möchte das auf dem Weltmarkt präsente deutsche Familienunternehmen EOS im Bereich eManufacturing seinen Umsatz in den kommenden 8 Jahren nach eigenem Bekunden vervierfachen. Das Kernprodukt von EOS besteht neben Materialien, Dienstleistungen und Software vor allem im sogenannten Lasersintern, dem in der professionellen Industrie führenden Verfahren.

Die Vorteile, behaupten die Anbieter, liegen neben der Design-Freiheit und Individualisierung vor allem in der schnelleren Marktentwicklung und den damit verbundenen Kostenvorteilen. Deutlich wird dies am Beispiel der Luftfahrtindustrie: So gelang es Hersteller Airbus bei einem nicht tragenden Bauteil (Türgriff) im Vergleich zur gängigen Gusstechnik rund 65 Prozent an Gewicht einzusparen, nebenbei auch mit Blick auf den CO2-Fußabdruck in der Produktion und Logistikkette des Global Players ein Plus.

Allerdings räumt Scott Martin, Senior Manager beim Flugzeughersteller Boeing Research & Technology, ein, dass das Testen neuer Anwendungen, Verfahren, Komponenten und Produkte beim Additive Manufacturing gerade in der von staatlichen und sicherheitstechnischen Auflagen durchzogenen Luftfahrtbranche ein langwieriger und unter Umständen auch sehr teurer Prozess sein kann. Nicht immer würden deshalb die von den Zulieferern in Aussicht gestellten Kostenvorteile beim Additive Manufacturing beziehungsweise beim 3D-Druck greifen.

Um die notwendigen Zertifizierungsverfahren erfolgreich zu durchlaufen, regen Industrieexperten nun die Einführung von nationalen wie internationalen Normen für die aufstrebende 3D-Druckbranche an. Die Industrie solle einen produktbezogenen Standard einführen, analog beispielsweise zur ISO 12647 im graphischen Druckbereich. Denn erst verbindliche Standards legen das Fundament für vereinfachte Prozesse und größere Stückzahlen. Offen bleiben dennoch unter Experten wichtige ungeklärte und strittige Fragen, etwa zum Produkt- und Kopierschutz sowie dem Schutz des geistigen Eigentums.

Die Riege der Bedenkenträger wird die Entwicklung jedoch kaum aufhalten. Technisch und wirtschaftlich gesehen könnten sich hoch attraktive Nischenmärkte bilden. Die Wachstumskurve dürfte sich bei den professionellen Anwendungen aber erst allmählich nach oben bewegen, zumal beim industriell maßgeschneiderten Additive Manufacturing noch keine Plug and Play-Technik am Markt verfügbar ist. Je nach Bauteil und Lage des Objekts variiert die Qualität deshalb erheblich. Von preislich günstigen aber qualitativ unzureichenden Bauteilen raten Experten ohnehin gänzlich ab.

Auch die Global Player rüsten sich für den industriellen Wandel. (Vermutlich) im Sommer will sich Druckerhersteller Hewlett Packard (HP) in diesen viel versprechenden Zukunftsmarkt einklinken – siehe golem.de. Demnach soll sich der Absatz der 3D-Drucker vor allem auf die Zielgruppe der großen Unternehmen unterschiedlicher Branchen konzentrieren, die diese Systeme für Prototypen und Fertigungsteile einsetzen. Profitieren sollen aber auch kleinere Zuliefererbetriebe aus der Industrie, etwa um die zu erstellenden Teile vorab dem Kunden als Prototyp in der 3D-Version demonstrieren zu können.

Offen bleibt, wer am Ende das Rennen um die bahnbrechenden Innovationen auf dem Weltmarkt machen wird. Deutsche Unternehmen tun sich als Anwender noch schwer. Wieder einmal erweist sich die filigrane deutsche Ingenieurskunst zwar als eine wichtige Stärke im globalen industriellen Wettbewerb. Jedoch beklagen Industrieexperten in Deutschland eine nur gering ausgeprägte Experimentierfreude mit diesem Zukunftsthema, bei dem zunächst nicht die Anwendung selbst im Mittelpunkt steht, sondern die Kreativität der Nutzer, aus der erst in einem iterativen Prozess neue Produkte entstehen.

Mit anderen Worten: Einige Unternehmen gehen das Innovationsthema 3D-Druck dergestalt an, indem sie sich in einer Art formalem Lippenbekenntnis lediglich damit begnügen, eines der gängigen Produkte – beispielweise Makerbot Replicator – vom Einkauf ordern zu lassen. Dann experimentieren die Spezialisten im Unternehmen einige Zeit damit – und stellen schließlich am Ende des kurzen Testlaufs kaum überraschend fest, dass sich nicht jedes beliebige Objekt so einfach via 3D-Druckoption maßschneidern lässt.

Die Schlussfolgerung des einen oder anderen Innovation-Manager im Sinne einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung wäre in diesem Falle wie folgt: Das Thema bleibt für die kommenden 5 bis 10 Jahre von der Agenda der Geschäftsführung verbannt. Es erfordert deshalb neben dem grundsätzlichen Ausloten der geeigneten Potentiale auch eine vorausschauende Finanzplanung, die das Neue und bis dato noch Unbekannte als integralen Bestandteil der Unternehmensstrategie fest auf allen Hierarchieebenen verankert. Und dafür reicht selten ein ad-hoc gewährtes Mini-Budget für das Testen eines 3D-Druckers durch die Praktikanten oder Studenten im Betrieb aus.

Denn es geht für Unternehmen unterschiedlicher Branchen darum, die Möglichkeiten des 3D-Drucks für die eigene Wertschöpfungskette und mit Blick auf die Kunden mit einem längeren Atem und einer gewissen Beharrlichkeit auszuloten. Dies wiederum erfordert einen Investitionsplan, der das Thema über längere Zeit auf dem Radar der eigenen Entwicklungsabteilungen festschreibt.

 

 

Written by lochmaier

Juni 16th, 2014 at 8:50 am

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3D Druck (Teil I): Zwischen Hype und Chance

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Als Synonym für professionelle Anwendungen rund um die 3D-Drucker-Revolution hat sich der Begriff Additive Manufacturing etabliert. Die Idee dahinter ist alles andere als neu, sondern blickt bereits auf eine jahrzehntelange Historie zurück. Allerdings fehlt es deutschen Unternehmen oftmals an Mut, die neuen Möglichkeiten offen und aktiv zu erkunden – auch in der Finanzbranche, der ich mich im letzten Teil widme.

Die öffentliche Aufmerksamkeit um dreidimensionale Druckverfahren hält vor allem bei den Heimanwendungen weiter an. Dass es sich trotz eines gelegentlich überschätzten Hypes nicht um einen kurzlebigen Trend handelt, verdeutlicht das erfolgreiche Experiment eines britischen Chirurgen-Teams: Diesem gelang es, das entstellte Gesicht eines jungen Mannes nach einem Motorradunfall mit Hilfe eines 3D-Druckers weitgehend wiederherzustellen – siehe Handelsblatt.

Die Folgen derart bahnbrechenden Innovationsleistungen diskutierten die weltweit führenden Experten auf diesem Gebiet auf der renommierten Fachkonferenz Inside 3D Printing in Berlin. Das Fazit der internationalen Expertenriege lässt sich wie folgt auf den Punkt bringen: Zweidimensionale und neue digitale Druckverfahren wirken künftig zusammen, sie ergänzen sich.

Nach Einschätzung der Experten wird der 3D-Druck zwar einerseits herkömmliche Produktionsweisen in der Druckindustrie nicht vollständig ersetzen. Vor allem bei den Heimanwendungen hat die Euphoriekurve mittlerweile ihren Höhepunkt erreicht, da sich nicht jedes beliebige Objekt als Prototyp und über die Serienfertigung technisch exakt und zu einem vertretbarem finanziellen Aufwand reproduzieren lässt. Dennoch: Berlin erweist sich neben New York, Hongkong, Seoul und Tokio als eines der wichtigen Zentren des 3D-Druckes. Vieles scheint möglich und selbst die Experten sind überrascht von der Innovationsgeschwindigkeit.

Das Prinzip einer offenen Innovationskultur erweist sich dabei mit unzähligen im Internet verfügbaren Tipps und Anleitungen als wichtiger Trendbeschleuniger für neue Produkte. Die Maker Revolution – der Privatanwender als Produzent in Eigenregie – mit der personalisierten Fabrik verändert somit auch gängige industrielle Kernprozesse, mit bislang noch unabsehbaren Folgen und neuen Produktentwicklungen. Diese Entwicklung sollten auch Finanzverantwortliche frühzeitig auf dem Radar haben. Als Blaupause gilt das unter anderem von Neil Gershenfeld am MIT entwickelte Innovationsmodell FabLab, das mittlerweile längst auch in deutsche Universitäten und Forschungseinrichtungen Einzug gehalten hat.

Wegweisend hierfür steht auch Arduino. Dabei handelt es sich um eine offene Hardware- und Software-Plattform, die für die Nutzer leicht handhabbar ist. Ausgehend von dieser Entwicklung entsteht über das Internet ein vielfältiges und weit verzweigtes Ökosystem von Geräten, von der neben der Kreativbranche vor allem Schulen und Ausbildungseinrichtungen profitieren. In den USA elektrisieren derartige Maker Events mittlerweile bereits die Massen – siehe beispielweise makerfaire.com. Einen Wachstumsschub erhält dadurch vor allem die Open Source-Bewegung (vgl. opensource.com).

Denn denkbare Anwendungen um das neue Ökosystem – etwa auf Grundlage von Arduino – sind fast spielerisch einfach zu programmieren. Wer allerdings industrielle Kernprodukte mit Top-Qualität erwartet, könnte derzeit noch enttäuscht werden. Denn Arduino ist keine High-Tech-Plattform, sondern eignet sich vor allem für kreative und vielseitig agierende Tüftler und Techniker unterschiedlicher Branchen. Aber auch in dieser Entwicklung steckt erhebliches Potential.

Der 3D-Druck als die nächste umwälzende Entwicklung in der IT-Branche ist bereits weiter fortgeschritten als viele kritische Beobachter immer noch glauben, bestätigt auch das Marktforschungsunternehmen Gartner Research. Die Folgen für die Nutzung der Informationstechnik sind demzufolge vielfältig, da sich der Fokus vom Besitz der Dinge stärker auf das Teilen von unterschiedlichen Anwendungen verlagert, etwa über das Cloud Computing – wobei der Fokus in diesem Zusammenhang nicht unbedingt auf dem Teilen der Endprodukte liegt, sondern vielmehr auf dem Austausch von Ideen, Konzepten und Bauanleitungen. Denn individuelle Gegenstände sollen durch die Perspektive des 3D-Drucks natürlich auch ein unverwechselbares individuelles Aussehen erhalten, das sich nur dem jeweiligen Besitzer zuordnen lässt.

Dementsprechend bildet sich nun neben den physischen Endgeräten auch ein neues Ökotop an weltweit operierenden Internet Service Provider heraus. Sie ermöglichen den Nutzern das Entwerfen und den Bestellvorgang von Objekten direkt über das Netz. Die Vision des „3D-Drucks für Jedermann“ rückt dadurch auch jenseits vom Drucker im eigenen Wohnzimmer in Reichweite, wenn das Produkt direkt über die Cloud beauftragt wird.

 

Written by lochmaier

Juni 10th, 2014 at 12:54 pm

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Energetische Gebäudesanierung: Wer soll Hauswende am Ende bezahlen?

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Der Wirtschafts- und Energieminister Sigmar Gabriel (SPD) widmete sich jüngst ausführlich dem Thema Energieeffizienz . Er betonte, dass es bei der Energiewende nicht nur um die Stromerzeugung, sondern auch um „die andere Seite der Steckdose: nämlich den Verbrauch“ gehe. Laut Gabriel ist der Energiebedarf für Wärme und Warmwasser immer noch viel zu hoch und muss in den kommenden Jahren deutlich reduziert werden.

Sein Ziel: Bis 2020 soll der Energieverbrauch um ein Fünftel sinken, bis Mitte des Jahrhunderts soll dann nur noch die Hälfte des heutigen Bedarfs verbraucht werden.

Um diesem ambitionierten Ziel näher zu kommen, hat der Energieminister gemeinsam mit anderen Verbündeten aus Politik und Wirtschaft eine Kampagne unter dem viel versprechenden Namen die „Die Hauswende“ gestartet. Dabei geht es um die Förderung von Maßnahmen zur energetischen Gebäudesanierung. Hausbesitzer sollen dazu animiert werden, ihre Gebäude so zu modernisieren, dass künftig nur noch ein Minimum an Energie für Heizung und Warmwasser verbraucht wird. Einige der Maßnahmen sind seit Anfang Mai dieses Jahres in der aktualisierten Energieeinsparverordnung (EnEV) sogar verpflichtend festgelegt.

Und mit der Internetseite www.die-hauswende.de ist auch schon ein Portal eingerichtet, das die Verbraucher umfassend über das Thema informiert. Hier erfährt man zum Beispiel, dass zu einem energetisch sanierten Gebäude eine effiziente Haustechnik, eine fachgerechte Wärmedämmung, moderne Fenster und erneuerbare Energien gehören. Per Online-Suche kann der Verbraucher auch gleich geeignete Fördermöglichkeiten sowie qualifizierte Energieexperten und Firmen in seiner Nähe finden. Darüber hinaus wird auch auf Informationsveranstaltungen hingewiesen. Kurzum: Auf diesem Internetportal wird dem Hausbesitzer die energiesparende Modernisierung wärmstens empfohlen.

Aber: Ist die energetische Sanierung denn tatsächlich „für alle eine gute Investition in die Zukunft“, wie die Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) bei der Vorstellung der Internetplattform behauptete? Für den einzelnen Hausbesitzer bedeutet eine solche Maßnahme zunächst einmal eine finanzielle Kraftanstrengung, die er sich leisten können muss und die sich für ihn in absehbarer Zeit auch rechnen muss. Berechtigterweise wird er sich also fragen, ob und unter welchen Bedingungen sich seine Investition denn überhaupt lohnt.

Die Antwort hierauf wird ihm indes nicht leicht fallen. Zu unterschiedlich sind das Heizverhalten der Bewohner und die in der Regel nicht ganz leicht zu durchschauende Physik seines Gebäudes. Eine von der Deutschen Energie-Agentur (dena) durchgeführte Untersuchung kommt zwar zu dem Schluss, dass durch energetische Sanierung durchaus enorme Einsparungen möglich sind, diese aber nicht so üppig ausfallen, wie zunächst erwartet.

Dieses Ergebnis wird den einzelnen Hausbesitzer vermutlich nur zögernd dazu ermuntern, in teure Wärmedämmungsmaßnahmen oder dreifach verglaste Energiesparfenster zu investieren, zumal eine Sanierung den Energieexperten zufolge für den einzelnen Hausbesitzer vor allem dann am wirtschaftlichsten ist, wenn ohnehin eine Modernisierung von Heizung, Dach oder Fassade ansteht.

Und auch von Seiten der Mieter kommt mehr Skepsis als Zustimmung. Denn sie befürchten vor allem eines: steigende, wenn nicht sogar unbezahlbare Mieten. Erst kürzlich konnte sich Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) auf einer Veranstaltung des Berliner Mietervereins davon überzeugen, dass derartige Befürchtungen nicht ganz aus der Luft gegriffen sind. Betroffene Mieter berichteten ihm, dass ihre Miete aufgrund von Wärmedämmung, neuer Fenster und einer neuen Heizanlage um neun Euro pro Quadratmeter steigen soll. Der Fall macht einmal mehr deutlich, dass sich die Mieterhöhungen nicht an den tatsächlich erzielbaren Energieeinsparungen, sondern vor allem an den Kosten für die energetische Sanierung orientieren.

Es ist unbestritten, dass das Thema Energieeffizienz zur Energiewende gehört. Es mag auch richtig sein, dass die Energiewende nur funktioniert, wenn es gelingt, ältere Gebäude energieeffizient zu sanieren. Allerdings kann es nur um der Einsparziele willen nicht darum gehen, Hausbesitzer, Vermieter und Mieter über Gebühr zu belasten. Denn schließlich sind sie es, die die Sanierungsmaßnahmen umsetzen und vor allem auch bezahlen müssen.

Written by lochmaier

Juni 2nd, 2014 at 8:43 am

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RocketInternet: Fintech-Szene professionalisiert sich

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Gestern habe ich zufällig im Berliner Straßenbild ein großes Plakat gesehen, das zeigt, dass neue Ansätze im Finanzwesen zwar keine rasche Demokratisierung einleiten – sie aber dennoch dynamisch von den Rändern in die Mitte der Gesellschaft hinein wachsen – ein Bild dazu sagt vielleicht mehr als tausend Worte:

https://d21buns5ku92am.cloudfront.net/41272/images/131731-09cd54d0-3ae1-45be-aabe-44d0c5a120be-deutsche_kreditmarktplaetze-large-1401123718.png

Zur Erläuterung dazu kurz aus der heutigen Pressemitteilung:

Deutsche Kreditmarktplätze gelauncht – Rocket Internet baut weiter auf Fin-Tech

Deutsche Kreditmarktplätze sind die heute gestartete Online-Präsenz auf der Lendico und Zencap eine Alternative zu Banken für deutsche Privatanleger wie auch private Kreditnehmer und Unternehmen vorstellen. Anleger können direkt in Kreditprojekte von Privatpersonen und mittelständischen Unternehmen investieren.

Mehr dazu unter:  http://zen-cap.pr.co/77780-deutsche-kreditmarktplatze-gelauncht-rocket-internet-baut-weiter-auf-fin-tech.

Oder direkt auf www.deutsche-kreditmarktplätze.de

 

 

 

Written by lochmaier

Mai 27th, 2014 at 8:06 am

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Elektroautos: Läuft Tesla deutschen Herstellern den Rang ab?

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Ob amerikanische Anbieter wie Tesla oder aber die asiatischen Billigproduzenten beim Elektroauto das Rennen machen, ist derzeit offen. Aber klar ist auch: Deutschland muss auch im eigenen Land mehr Gas geben, um Schritt zu halten.

Eine Untersuchung des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) hat ergeben, dass Deutschland in Sachen Elektromobilität nur schleppend vorankommt. Anfang des Jahres haben die Forscher in Deutschland 17.500 Elektroautos gezählt. Damit liegt Deutschland nur auf dem siebten Platz, noch hinter Frankreich, Holland und Norwegen.

Weltweit hat sich die Zahl der Elektrofahrzeuge im Jahr 2013 auf über 400.000 verdoppelt, wobei die Vereinigten Staaten mit 174.000 Fahrzeugen ganz vorne liegen, gefolgt von Japan mit 68.000 und China mit 45.000 Fahrzeugen. Laut Daten des ZSW werden Elektroautos also hauptsächlich in den USA, Japan und China nachgefragt, ein Tatbestand, den die ZSW-Forscher auf bestimmte Marktanreizprogramme in diesen Ländern zurückführen.

In diesem Punkt ist den Ulmer Forschern sicherlich zuzustimmen. Denn E-Autos werden nur dann gekauft, wenn man sie bezahlen und auch eine längere Strecke mit ihnen fahren kann. Will Deutschland den Anschluss an die E-Mobilität nicht verpassen, wird es also nicht umhin kommen, insbesondere auch das Reichweiten- und Ladeproblem zu lösen.

Handlungsdruck kommt diesbezüglich vor allem auch aus den USA. Der US-Amerikaner Elon Musk, Gründer und Erfinder von Tesla Motors, fackelt da nicht lange. Für seine Kunden in Deutschland hat er landesweit exklusiv Ladestationen einrichten lassen, so dass sie ihre Teslas auch aufladen, sprich überhaupt mit ihnen fahren können. Das Beispiel macht deutlich, wie dringend es ist, dass Deutschland eine eigene Antwort auf das Ladeproblem findet.

Hoffnung machen diesbezüglich zwei Großprojekte zum Ausbau der Ladeinfrastruktur, die Anfang April auf der Hannover Messe vorgestellt wurden: die Charge Lounges und SLAM, ein Schnellladenetz für Achsen und Metropolen, das vorsieht, bis zum Jahr 2017 rund 400 Schnellladesäulen einzurichten. Hinter SLAM stehen unter anderem die Autohersteller BMW, Daimler, Porsche und VW sowie der Energieversorger EnBW.

Mit den Charge Lounges wollen das Fraunhofer Institut und der Verkehrsleitsystemhersteller Swarco entlang der A8 und A9 schon bald 30 Schnellladestationen einrichten, an denen vor allem Ökostrom gezapft und das Auto innerhalb von 30 Minuten „aufgetankt“ werden kann. Während der Ladezeit sollen es sich die Kunden bequem machen können. Zur Ladestation gehören nämlich ein Loungebereich mit Kaffeemaschine und W-Lan, zusätzlich soll sogar ein Konferenzraum gemietet werden können. Bis 2016 wollen die Projektpartner noch mindestens 70 weitere solcher Charge Lounges entlang deutscher Autobahnen einrichten.

Der Ausbau des Schnellladenetzes ist zu begrüßen und weist in die richtige Richtung. Allerdings werden diese Maßnahmen bei Weitem nicht ausreichen. Schon allein die unterschiedlichen Ladestecker, die es für die japanischen, US-amerikanischen und europäischen Auto-Modelle gibt, stellen ein schier unüberwindbares Problem für die Fahrer von E-Autos dar. Sie müssen dringend vereinheitlicht werden, um sicherzustellen, dass sie ihr Auto an jeder Ladestation aufladen können, und zwar unabhängig davon, welchen Typ sie fahren.

Auch bezüglich des Speicherproblems liegen die US-Amerikaner vorn und mahnen zur Tat. So hat Elon Musk kürzlich mit einer neuen Idee Furore gemacht. Mit einer eigenen Batteriefabrik, die er so viel versprechend wie wegweisend „Gigafactory“ nennt, will er künftig Akkus für seine Tesla-Flotte herstellen.

Anfang April wurde bekannt, dass Daimler diesem Beispiel folgen und das Batteriegeschäft in Eigenregie fortführen will. Der Stuttgarter Autobauer übernimmt die Anteile des Chemiekonzerns Evonik am gemeinsamen Batteriehersteller Li-Tec Battery. Li-Tec produziert großformatige Lithium-Ionen-Batteriezellen, die zu Batterien für Elektroautos weiterverarbeitet werden, wie sie etwa für den Elektro-Smart von Daimler, dem in Deutschland meistverkauften E-Auto, benötigt werden.

Für die Entscheidung, ob ein Elektroauto gekauft wird oder nicht, spielt, neben der Speicherkapazität und Ladeinfrastruktur, natürlich auch der Preis eine Rolle. Und auch in diesem Punkt legt Tesla vor. Schon seit längerem bastelt der E-Autobauer an einem Mittelklassemodell, das auch für den Durchschnittsverdiener erschwinglich ist. In diesem Vorhaben könnte Tesla nun vom neuen Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) unterstützt werden, der mittels günstiger KfW-Kredite Anreize zum Kauf eines E-Autos schaffen will.

Abgesehen davon, scheint die Bundesregierung beim Thema E-Mobilität ernsthaft vorankommen zu wollen. Ihr ehrgeiziges Ziel: Bis 2020 sollen eine Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen fahren. Daher hat der neue Verkehrsminister auch schon einen konkreten Entwurf für ein Elektromobilitätsgesetz ausgearbeitet, mit dem er die Rahmenbedingungen für den Kauf und die Nutzung von Elektroautos deutlich verbessern will. Erste Bemühungen sind also eingeleitet, so dass es jetzt darauf ankommt, die angesprochenen Maßnahmen möglichst schnell in die Tat umzusetzen.

Written by lochmaier

Mai 20th, 2014 at 9:22 am

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Interview mit Prof. Dr. Klaus Fichter, Gründer und Leiter des Borderstep Instituts für Innovation und Nachhaltigkeit: Brückenbauer für eine Green Economy – Was deutsche Start-ups von Kalifornien lernen können – und umgekehrt

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Interview [sponsored post] – exklusiv für Social Banking 2.0

Über die deutsche Hauptstadt, die sich auch im Bereich von Umwelttechnologien mit zahlreichen Startups im Aufwind befindet, habe ich an dieser Stelle bereits im Februar hier berichtet. Frische Ideen kommen aber nicht nur von innen. Auch Kooperationen auf nationaler wie internationaler Ebene, um die Akteure zu vernetzen, spielen eine immer wichtigere Rolle. Dies ist eine Aufgabe, der sich auch das unabhängige und ebenfalls in Berlin angesiedelte Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit verschrieben hat.

Im Gespräch mit Social Banking 2.0 skizziert der Gründer und Leiter Prof. Dr. Klaus Fichter, wie Deutschland – als einer der führenden Spieler im Bereich der Umwelttechnik und Energieeffizienz auf dem Weltmarkt – und kalifornische Forscher- und Unternehmerinitiativen im Bereich der Green Economy voneinander profitieren können.

Social Banking 2.0: Herr Fichter, welche Rolle spielt die Green Economy in den USA im Vergleich zu Deutschland?

Prof. Dr. Klaus Fichter: Die Green Economy, also eine Wirtschaftsweise, die Wohlstand mit ökologischer Nachhaltigkeit und sozialer Gerechtigkeit verbindet, spielt in beiden Ländern eine zunehmend wichtigere Rolle. Das ist auch dringend nötig, wie der ökologische Fußabdruck in beiden Ländern zeigt. Dieser Indikator gibt an, wie viel Umweltressourcen die Bewohner eines Landes für ihren Lebensstil im Durchschnitt in Anspruch nehmen. Das wird dann auf die Fläche umgerechnet, die man für die Bereitstellung dieser Umweltressourcen braucht. Aktuell braucht ein US-Bürger im Durchschnitt über neun Hektar, ein Deutscher vier Hektar. Nachhaltig wären aber maximal 1,8 Hektar nach den Analysen des Global Footprint Network. Sowohl die US-Amerikaner als auch wir Deutschen pflegen also ein Konsumniveau, das nicht nachhaltig ist und auf Kosten anderer Länder und zukünftiger Generationen geht. Um das zu ändern, brauchen wir eine rasante Steigerung der Ressourceneffizienz und den Wandel zu einer klimaneutralen Ökonomie.

In Deutschland fokussiert die Debatte um eine „Green Economy“ aktuell vor allem auf die Energiewende sowie die Steigerung von Energieeffizienz und des Einsatzes erneuerbarer Energien. In USA ist das regional sehr unterschiedlich. In Kalifornien z.B. ist die Wasserversorgung ein zentrales Thema. Das liegt zum einen daran, dass zu viel Wasser verbraucht wird und die Wasserressourcen aufgrund von Dürren zunehmend knapper werden. Es hängt aber auch mit der Tatsache zusammen, dass die Wassergewinnung und der Wassertransport gewaltige Mengen an Energie verschlingen. Im Großraum Los Angeles gehört die Wasserwirtschaft zu den größten Energieverbrauchern.

Die Gemeinde Los Angeles hat deshalb eine Clean Tech Initiative gestartet. Das Ziel der Stadtverwaltung ist, innerhalb der nächsten Jahre zur weltweiten Cleantech Hauptstadt aufzusteigen und so nicht nur wirtschaftlich zu neuen Wegen zu suchen, sondern auch zum Beispiel die Wasserfrage zu lösen. Das Los Angeles Department of Water and Power nutzt zu 20 Prozent erneuerbare Energien. Das wäre vor ein paar Jahren noch undenkbar gewesen. Der Hafen von Los Angeles hat einen eigenen Inkubator angestoßen (PortTechLA), durch den Technologien entwickelt und an den Markt gebracht werden sollen, um den Hafen und die dort abgewickelten Geschäfte nachhaltig umzugestalten.

Die Stadtverwaltung Los Angeles initiierte darüber hinaus die Gründung des LA Cleantech Inkubators, des größten Cleantech Inkubators der Region Los Angeles. Das ist ein Gründerzentrum, das speziell Start-ups der Green Economy unterstützt und innovative Lösungen für mehr Ressourceneffizienz fördern soll. In Kalifornien gibt es übrigens schon eine ganze Reihe von Gründerzentren, die sich auf Umwelttechnologien und grüne Produkte spezialisiert haben. Wie eine Analyse des Borderstep Instituts zeigt, ist der Anteil solcher Zentren in Kalifornien deutlich höher als in Deutschland.

Dass die Szene der grünen Gründer auch in Deutschland rasant wächst, beweist der Borderstep Gründungsmonitor. Nach unseren Untersuchungen beschäftigen sich aktuell knapp 14 Prozent der Start-ups in Deutschland mit grünen Innovationen und Dienstleistungen.

Social Banking 2.0: Wo liegen die Kraftzentren der grünen Technologien in den USA?

Prof. Dr. Klaus Fichter: Vor allem die Region Los Angeles und San Francisco in Kalifornien setzen auf Umwelt- und Energietechnologien. Los Angeles entwickelt im Rahmen seiner Cleantech Initiative eine ganze Industriebrache in Downtown LA für die Ansiedlung von Cleantech Firmen. Dazu gehört auch der bereits erwähnte LA Cleantech Incubator. Das hat gute Gründe. Nach einer Studie des Pacific Institutes sind 19 Prozent des kalifornischen Strombedarfs und 32 Prozent des Erdgasverbrauchs des Staates durch den Wasserbedarf verursacht. Wer in Kalifornien Zukunft denkt, muss für nachhaltige Lebensstile und für saubere Technologien sorgen. Auch die Stadt New York hat nach dem Hurrikan Sandy „grüne“ Themen für sich entdeckt und befasst sich jetzt verstärkt mit dem Thema Klimaanpassung.

Aus den regionalen Umwelt- und Wirtschaftsherausforderungen und den spezifischen Gründungs- und Innovationskulturen heraus, entstehen unterschiedliche Herangehensweisen an die Lösung von Nachhaltigkeitsproblemen. Manche pfiffige Erfindung entsteht an der einen Stelle schneller oder wird entschiedener vorangetrieben als in einer anderen Region. Deshalb lohnt es sich, einen Erfahrungs- und Lösungsaustausch zwischen verschiedenen führenden Innovationsstandorten zu organisieren. Das ist der Grund, warum das Borderstep Institut seit einem Jahr einen Mitarbeiter in San Francisco hat, der an Kooperationsprojekten mit Partnern in Kalifornien arbeitet.

Wir verstehen uns als Brückenbauer für eine Green Economy. Unser Ziel ist eine „green innovation bridge“ zwischen Deutschland und Kalifornien. Deshalb beziehen wir jetzt zusätzlich ein Büro im LA CleanTech Incubator in Los Angeles, um die Wissens-Brücke weiter auszubauen. Im Herbst führt das Borderstep Institut zum Beispiel eine Delegation von deutschen Start-ups zum Cleantech LA Global Showcase, einem internationalen Treffen der Umwelttechnologie-Branche.

Social Banking 2.0: Was können deutsche Start-ups denn von Kalifornien lernen?

Prof. Dr. Klaus Fichter: In den USA geht man Themen oft unternehmerischer und dynamischer an. Davon können grüne Gründer aus Deutschland profitieren, wenn sie mit ihrer Idee den Sprung über den großen Teich wagen. Andererseits verfolgen Deutschland und Kalifornien vergleichbare wirtschafts- und umweltpolitische Ziele. Gerade was die Gesetzgebung angeht, wird Kalifornien manche überraschen.

Social Banking 2.0: Wie sieht es mit dem lieben Geld aus, hüben wie drüben?

Prof. Dr. Klaus Fichter: In Deutschland haben wir ein exzellentes öffentliches Fördersystem für Gründungen. Das ermöglicht eine breite Streuung von Gründungen und Geschäftsmodellen, aber nur wenige Start-ups werden groß. In den USA setzt man auf privates Risikokapital. Deutsche Jungunternehmerinnen und –unternehmer wollen ihr Unternehmen erfolgreich gründen und dann langfristig wachsen, sie sehen darin eine Lebensperspektive. Amerikaner setzen in der Regel von Anfang an darauf, ihre gute Idee schnell zu Geld zu machen und wieder zu verkaufen.

Social Banking 2.0: Wie will das Borderstep Institut den Brückenbau zwischen zwei offenbar doch recht verschiedenen Unternehmerkulturen gestalten?

Prof. Dr. Klaus Fichter: Wir tragen das Beste aus beiden Regionen zusammen und setzen vor allem auf Wissenstransfer. Die kalifornische Gründerszene schaut ein wenig neidisch auf die umfangreiche staatliche Forschungs- und Innovationsförderung in Deutschland. In Deutschland werden Umwelttechnologien flächendeckend als Zukunftsmarkt verstanden. Wir planen ein umfassendes Qualifizierungsprogramm mit Möglichkeiten zum praktischen Erfahrungsaustausch für beide Seiten. Mit unserem Wissen wollen wir etwas bewegen. Gerade haben wir ein Abkommen über eine transatlantische Kooperation mit dem Global Social Benefit Institute der Santa Clara University geschlossen. Das ist die älteste kalifornische Universität und sitzt mitten im Silicon Valley, also dort wo enorme Summen an Risikokapital in Innovationen und neuen Unternehmen investiert werden. Gemeinsam mit den Kollegen vor Ort entwickeln wir ein Qualifizierungsprogramm für Investmentmanager im Bereich des sogenannten „Impact Investing”. Dabei sollen die Investmentmanager lernen, wie sie Kapital so in Projekten und Unternehmen anlegen können, dass es einen hohen gesellschaftlichen Nutzen stiftet, also einen positiven wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen „Impact“ erzeugt.

Social Banking 2.0: Bei so viel Austausch – gibt es da Konkurrenz um neue Umweltideen am Markt?

Prof. Dr. Klaus Fichter: Abschottung ist die falsche Strategie. Die wohlüberlegte Öffnung und Kooperation ist im globalen Wettbewerb sicherlich das aussichtsreichere Konzept. In der Betriebswirtschaftslehre sprechen wir von „Coopetition“, also von Kooperation im Wettbewerb. Auch im Standortwettbewerb lässt sich sinnvoll kooperieren und eine Menge voneinander lernen, zum gegenseitigen Nutzen und vor allem zur schnellen Entwicklung und Verbreitung nachhaltiger Lösungen.

Interview: Lothar Lochmaier

Links: Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit: www.borderstep.de

Über die Aktivitäten von Borderstep in den USA (englisch): www.borderstep.org

Und noch ein zusätzlicher Veranstaltungshinweis für die Leser:

Experten-Workshop: Leaders in Green Innovation

Das Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit organisiert am 20. Mai 2014 im Charlottenburger Innovationszentrum (CHIC) einen Expertenworkshop mit dem Titel „Leaders in Green Incubation“.

Die Veranstaltung dient zur Vorbereitung eines Austauschprogramms (Landing Pad Program) in Zusammenarbeit mit dem Los Angeles Cleantech Incubator aus Kalifornien, USA. Dessen Direktor, Fred Walty, kommt für diesen Workshop nach Berlin, um gemeinsam mit Borderstep und Vertretern von grünen Gründerzentren aus Deutschland sowie Nord- und Westeuropa die Zusammenarbeit in der Förderung von Start-Ups der Green Economy voranzutreiben.

Das Ziel ist es, jungen Unternehmen aus den USA und Europa einen mehrmonatigen Erfahrungsaustausch mit Gründern auf der jeweils anderen Seite des Atlantiks zu ermöglichen.

 

 

Written by lochmaier

Mai 14th, 2014 at 1:12 pm

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Bitmint-Fabrik: Digitales Geschäftsmodell für Zentralbanken?

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Im letzten Teil dieser dreiteiligen Serie stellt sich die Frage, ob es einen Markt für digitale bzw. virtuelle Währungseinheiten gibt, den die Währungshüter selbst gestalten und bedienen können. Oder bleibt all dies nur ein fiktives Gedankenexperiment?

Wie schon der vorangangene Beitrag (siehe oben) liegen hier die Gedanken von Lutz Martiny sowie Helmut Scherzer zugrunde. Als Quellen dienen vorwiegend deren Vorträge im Rahmen der Omnicard 2014 sowie dem Chip-to-Cloud Security Forum. Weiteres zu den Personen ebenso im vorangegangenen Beitrag. Folgend werden BitNotes aus Sicht der einzelnen Anwender diskutiert.

1. Zentralbanken als Bitmint-Fabriken

Die Zentralbanken haben erhebliche Aufwendungen zu tätigen, um Bargeld herstellen zu lassen, in Umlauf zu bringen, auf weitere Nutzung zu überprüfen, aus dem Verkehr zu ziehen, zu erneuern und zu transportieren. „Die Frage der Wirtschaftlichkeit wird solange nicht gestellt, wie es keinen gleichwertigen oder sogar überlegenen Ersatz gibt. Es wäre eine Analyse wert, was es kostet, den heutigen Geldverkehr eines Währungsraumes sicherzustellen und den Kosten gegenüberzustellen, die eine Bitmint-Fabrik verursacht, wenn ‚x Prozent’ des Geldes nur noch in BitNotes umlaufen würden“, argumentiert Lutz Martiny. Welche Partner könnten davon profitieren – und auf welche Weise?

2. Geschäftsbanken oder dienstleistende Unternehmer als Bitmint-Fabrik

Da BitNotes die Repräsentation realen Geldes einer Währung sind, wird beim Umtausch physisches Geld hinterlegt. Mit diesem Geld kann die Bitmint-Fabrik arbeiten – also entweder die Bank oder der Unternehmer. Er muss es nämlich erst dann wieder in physisches Geld umwandeln, wenn der Verbraucher dieses zum Umtausch einreicht. Solange die Bank oder der Unternehmer im Besitz des realen Geldes ist, kann sie oder er damit im Rahmen der geltenden Gesetze arbeiten.

Neben der Dienstleistung, BitNotes zu generieren, können aber auch Dienstleistungen einer Trusted Third Party angeboten werden, beispielsweise die Erstellung zweckgebundenen Geldes oder die Führung eines Backup-Kontos. Für diese Zusatzleistungen können im Zweifel Gebühren verlangt werden. Da BitNote nicht an eine physische Übergabe gebunden ist, sondern über ein Internet-Portal oder eine Applikation auf dem Smartphone übertragen werden kann, können laut Lutz Martiny gegebenenfalls Kosten gesenkt werden, etwa durch den Wegfall von Geldausgabeautomaten oder die Reduktion von Personal in den Geschäftsstellen – je nach Szenario und Zielanwendung.

3. Händler als BitNote-Nutzer

Es lohnt sich die gängigen Zahlungswege miteinander zu vergleichen. Heute bezahlt der Kunde zwar beim Händler in bar. Zwar erhält dieser sein Geld sofort, aber er hat andererseits auch die stetige Last mit dem Management von Bargeldbeständen zu tragen. Wenn der Kunde mit der Girokarte bezahlt, ist das Geld binnen 24 Stunden auf seinem Konto. Zahlt der Kunde mit der Kreditkarte, entrichtet der Händler die Gebühren an die jeweilige Kreditkartenorganisation.

Der Vorteil der BitNote: Der Händler hätte sein Geld sofort und würde keinen Vertrag mit einem Zahlungsanbieter wie Visa, MasterCard oder PayPal benötigen. Die Bitmint-Fabrik würde ihm dagegen vermutlich eine volumenabhängige Flatrate in Rechnung stellen, er zahlt also nicht pro Transaktion. Schließlich könnte auch der Händler noch über eine Trusted Third Party die Backup-Funktion der Bitmint-Fabrik in Anspruch nehmen, um vor Verlust und dubiosen Kunden geschützt zu sein.

4. Der Verbraucher als Bitmint-Nutzer

Der größte Nutznießer von BitNotes wäre laut Lutz Martiny jedoch der Verbraucher selbst: Er könnte Geld von jedermann erhalten, ob privat oder geschäftlich. Erhältlich wäre das digitale Geld zu jeder Zeit und an jedem Ort, ohne Suche nach einem Geldautomat. Der Kunde könnte es zudem digital „sicher“ in Kopie aufbewahren, auch wenn er Währungen tauschen muss. Das gleiche Prinzip gelte auch für internationale Überweisungen, wofür er keine weiteren Dienstleister wie Western Union mehr benötigt. Und schließlich könnte der Verbraucher auch die weiteren Dienstleistungen aus der Bitmint-Fabrik in Anspruch nehmen.

Pro und Contra

Letztlich rief das Konzept auf der Omnicard 2014 beim fachkundigen Publikum aus Bankenkreisen und Finanzdienstleistern ein geteiltes Echo hervor. Zahlreiche Hemmnisse und regulatorische Hürden wurden als kritisch genannt, die ein allzu simples Einschwenken der Währungshüter beziehungsweise Zentralbanken auf ein derartiges Konzept auf Grundlage von BitNote beziehungsweise der Bitmint-Fabrik erschweren, wenn nicht sogar unmöglich machen. Als zentrale Hürde daneben genannt wurde insbesondere der eingeschränkte Verwendungsbezug sowie die Zweckbindung der Zahlung.

Da Geld in seinen vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten, so die Kritik, grundsätzlich nicht eingeschränkt sein soll, bildet dies eine der zentralen Hürden bei der Etablierung eines derartigen neuen digitalen Geschäftsmodells. Unklar sind auch noch andere Aspekte wie der Bezug zum eigenen Konto, Fragen zur steuerlichen Behandlung, Aspekte des Jugendschutzes oder die inhärenten Risiken beim Diebstahl digitaler Identitäten. Dennoch stellt das Konzept einen interessanten Ausgangspunkt zur weiteren Entwicklung in Richtung virtuelle Währungshüter dar, eine Evolution, die freilich derzeit kaum ein Experte vorherzusehen vermag.

 

 

Written by lochmaier

Mai 12th, 2014 at 9:38 am

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BitNote: Wenn die Europäische Zentralbank digitales Geld druckt

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Stellen wir eine scheinbar abwegige Fragestellung in den Raum: Was wäre, wenn die obersten Währungswächter selbst digitales Geld druckten und in Umlauf brächten, statt möglicherweise Bitcoins und andere Spielarten – ob berechtigt oder unberechtigt – „nur“ zu verbieten?

Das nun folgende Gedankenexperiment gründet zum einen auf einem Vortrag des Unternehmensberaters Lutz Martiny auf der Fachkonferenz Omnicard 2014 in Berlin.

In wesentlichen Grundzügen fußt dieses auf einem Whitepaper von Helmut Scherzer, Senior Principal Expert im Chief Technology Office (CTO) beim Münchner Technologiekonzern Giesecke & Devrient (G&D). Dieses stellte der Experte auf dem Chip-to-Cloud Security Forum im September 2013 in Nizza vor. Zunächst fasse ich die wesentlichen Gestaltungselemente der BitNote zusammen:

Es liegt auf der Hand, dass digitales Geld zunächst alle Kriterien erfüllen muss, die wir an physisches Geld, also den Geldschein und die Münze stellen. Welches sind diese Kriterien? Physisches Geld muss sich eindeutig einer Währung zuordnen lassen. Die Geldmenge müsste von einer (Zentral-)Bank kontrolliert sein. Digitales Geld müsste auch bis zur kleinsten Währungseinheit teilbar sein. Das heißt: Es müsste auch Wechselgeld vorhanden sein. Sowohl online als auch offline sollten Transaktionen möglich sein. Und abschließend soll Bargeld auch noch fälschungssicher sein.

Random# – n x 32 Byte

Laut Einschätzung von Lutz Martiny sind bisher alle neuen Konzepte zu virtuellen Währungseinheiten entweder ganz gescheitert oder sie waren nur von begrenzter Durchschlagskraft – sei es Digicash, Faircash, Mondex, also jegliche Art von Wallets und auch Bitcoin, die die durch analoges Geld vorgegebenen Filterkriterien im Wesentlichen nicht erfüllten. Lediglich Bitmint erfülle alle relevanten Kriterien. Zudem sei es fälschungssicher. Letzteres Kriterium werde durch eine selbst von Quantencomputern nicht zu aufzulösende Verschlüsselungsprozedur gewährleistet.

Wie ist dies möglich? Die Größe des Betrages der an dieses Konzept angelehnten Zahlungseinheit BitNote wird durch die Anzahl n der 32-Byte-Blöcke repräsentiert. Im Klartext: Bei einem Betrag von 100 Euro läge die Anzahl der Blöcke à 32 Byte bei 10.000, was eine beliebige Stückelung des Betrages in Cent ermöglicht. Die Wahrscheinlichkeit, diese Zufallszahl Random# – n x 32 Byte zu erraten, sei unendlich klein und tendiere gegen Null. Im übrigen basiert jede erzeugte BitNote auf der Einzahlung eines real existierenden Währungswertes, sprich eines Geldscheines beziehungsweise einer Münze einer staatlich regulierbaren Währung.

Diese Zufallszahl wird nun im Rechner der Bitmint-Fabrik, das ist die herausgebende (Zentral-)Bank, gespeichert und von dort auf das Gerät des Einzahlenden verschlüsselt übertragen. Für den ebenfalls unwahrscheinlichen Fall, dass eine Zufallszahl erneut generiert wurde, wird diese durch Vergleich mit den gespeicherten Zahlen eliminiert und eine neue Zufallszahl generiert.

Im Gerät des Einzahlenden liege die BitNote als bei der Bitmint-Fabrik registrierte Zufallszahl wie in einer analogen Geldbörse vor, so Lutz Martiny weiter – allerdings in digitaler Form. Ein kryptologischer Angriff auf BitNote sei dadurch unmöglich, da hier gar kein kryptologisches Verfahren zum Einsatz gelange. Existierende und künftige Rechnerarchitekturen (wie beispielsweise Quantencomputer) könnten somit auch keine Verschlüsselung knacken, da diese gar nicht existiere.

Zweckgebundenes Geld

Man kann eine BitNote unmittelbar gegen Bargeld oder eine neue und sogar gleichwertige BitNote eintauschen, ohne Kosten auf dem Server der Bitmint-Fabrik zu verursachen. Genau diesen Vorgang verwendet der Empfänger eines Online-Zahlungsvorgangs: Wenn die eingereichte BitNote noch auf dem Server registriert ist (Note ist gültig), so wird sie dort gelöscht und dem Empfänger eine neue BitNote übermittelt – also eine Zufallszahl. Der ursprüngliche Sender, also der Zahlende, kann von diesem Moment an nichts mehr mit der alten BitNote anfangen.

Stellen Sie sich nun vor, Sie möchten einen Geldbetrag zweckgebunden an jemanden bezahlen. Wenn Sie Bargeld übergeben, dann müssen Sie sich darauf verlassen, dass der Empfänger es genau für den beabsichtigten Zweck ausgibt. Sie können auch ein Anderkonto bei einem Notar einrichten, von dem aus das Geld nur auf ein zweckgebundenes Konto überwiesen wird.

Alternativ dazu können Sie aber auch einen Geldbetrag bei der Bitmint-Fabrik zweckgebunden erzeugen lassen, das heißt: Die erzeugte(n) BitNote(s) erhalten Attribute, so dass diese „ausschließlich“ zur Zahlung für einen Hauskredit, ein Auto oder beispielsweise für Fachbücher ausgegeben werden können. Die derart gekennzeichneten BitNotes wären dann zweckgebunden und für den Kauf anderer Gegenstände und Waren unbrauchbar. Und genau in diesem Bereich sieht Lutz Martiny für Schadensversicherungen, Sozialleistungen und andere Transferleistungen eine Vielzahl von Anwendungen als realisierbar an.

Repräsentanz realer Geldeinheiten

Sie haben Ihr Smartphone verloren oder es ist gestohlen worden und Ihre BitNotes sind im Gerät gespeichert? Auch hierfür gibt es eine Lösung: BitNotes ließen sich beliebig kopieren, das heißt die Nutzer können ein Backup auf ihrem PC zuhause speichern oder sie können dieses in der Cloud bei einer vertrauenswürdigen Drittpartei hinterlegen. Im Falle eines Verlustes hätte der Kunde dann eine Kopie seiner BitNotes bei der Bitmint-Fabrik einzureichen, diese gegebenfalls für ungültig erklären zu lassen beziehungsweise sich neue BitNotes ausstellen zu lassen. Ein realer Verlust oder Schadensfall wäre so laut Lutz Martiny nur dann möglich, wenn der Finder oder der Dieb eines Smartphones die besagte(n) BitNote(s) schon ausgegeben hätte, und zwar bevor der Anwedner den Verlust des Gerätes bemerken würde.

Wie einleitend und im ersten Teil dieser Serie (Digitales Geld der Währungshüter) beschrieben, kann eine offizielle Währung nur von einer Nationalbank begeben werden. Insofern unterliegt diese der Kontrolle der Zentralbank, keine Geschäftsbank darf den Druck von Geldscheinen oder die Prägung von Münzen in Auftrag geben. Die BitNote wäre somit letztlich keine vollkommen eigenständige Währung, sondern die digitale Repräsentanz einer realen Geldeinheit.

Der Kunde zahlt beispielsweise real 100 Euro bei der Bitmint-Fabrik ein und erhält dafür in der gewünschten Stückelung BitNotes im Werte von ebenfalls 100 Euro. Das Monopol der Zentralbank sei damit, so führt Lutz Martiny weiter aus, nicht tangiert, wenn eine Geschäftsbank oder ein Unternehmer sich als Bitmint-Fabrik am Markt etabliere, denn dadurch werde die Geldmenge nicht erhöht. Die Zentralbank könnte jedoch auf diesem neuen Weg selbst BitNotes erzeugen statt reale Geldscheine auszugeben. Diese BitNotes müssten dann allerdings der umlaufenden Geldmenge zugerechnet werden.

Giesecke & Devrient/Lutz Martiny/LL

 

Schlussfolgernd entsprechen Bitmint beziehungsweise die digitale Einheit BitNotes laut Lutz Martiny allen Kriterien, die für physisches Geld gültig seien. Mehr noch, sie erfüllten darüber hinaus weitere Anforderungen, denen wiederum das physische Geld nicht genügen könne:

  • kann von beliebiger Bank/beliebigem Unternehmer herausgegeben werden,
  • kann zweckgebunden übertragen werden,
  • kann zur Sicherung kopiert werden,
  • hat größtmöglichen Diebstahlsschutz.
    Im letzten Teil dieser Serie diskutiere ich noch einmal Pro und Contra eines derartigen Gestaltungsansatzes.

 

 

Written by lochmaier

Mai 5th, 2014 at 8:59 am

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